Kriminalität Landwirte berichten: Obst- und Gemüsediebstahl nimmt in Thüringen zu

Offizielle Zahlen fehlen, doch die Aussagen von Landwirten und Obstbauern sind eindeutig: Immer häufiger bemerken sie, dass auf Thüringens Feldern und Plantagen Obst und Gemüse gestohlen wird.

Man sieht Hände, die dreckige Kartoffeln halten.
Mann mit einer Handvoll Kartoffeln: Landwirte berichten von zunehmenden Diebstählen von ihren Feldern und Plantagen. Bildrechte: imago/fStop Images

Thüringer Landwirte beklagen einen zunehmenden Diebstahl bei Obst und Gemüse. In Herbsleben zum Beispiel wurde in einer Nacht etwa eine Tonne Kartoffeln vom Feld gestohlen, berichtet Matthias Joest von der örtlichen Agrargesellschaft. Gefasst werden konnten die Täter bisher nicht.

Es sei offenbar eine ganze Familie gewesen, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit einem Kleintransporter aufs Feld gefahren war, so der Landwirt. Denn am Morgen wurden laut Agrargesellschaft nicht nur große, sondern auch Kinderfußspuren am Tatort gefunden. Gestohlen wurde schon immer, doch die Diebstähle haben in den letzten Wochen zugenommen, sagt Landwirt Joest. Und das nicht nur bei Kartoffeln, sondern etwa auch bei den Zwiebeln.

Oft keinerlei Schuldbewusstsein

Es scheint kein Einzelfall in Thüringen zu sein. Ob Spargel, Äpfel, Blumen oder Blumenkohl - seit Wochen lassen nach Recherchen von MDR THÜRINGEN immer mehr Diebe auf Thüringens Feldern immer mehr mitgehen. Oft gebe es bei Dieben, die erwischt werden, keinerlei Schuldbewusstsein. Dabei ist das Gesetz eindeutig. Wer Obst oder Gemüse stiehlt, macht sich strafbar. Und das gilt auch für das immer noch weit verbreitete sogenannte Kartoffelstoppeln. Das Nachlesen von Früchten auf bereits abgeernteten Feldern oder in Plantagen ist verboten. Auch das ist Diebstahl.

Die Ernte eines Nachmittages auf dem Spargelfeld. 2 min
Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Mundraub gibt's nicht mehr

Mit Mundraub hat das nichts zu tun. Dieser umgangssprachliche Begriff wird vom deutschen Gesetzgeber schon lange nicht mehr verwendet. Dieser Straftatbestand wurde zum 1. Januar 1975 abgeschafft. Wer Obst oder Gemüse stiehlt, macht sich strafbar - da ist die Gesetzeslage seit Jahrzehnten eindeutig. Einige Agrarbetriebe geben aber gegen ein Entgelt sogenannte "Lesescheine" aus. Nur wer in Besitz eines solchen Dokumentes ist, darf auf den Feldern nach der betrieblichen Ernte Früchte sammeln.

Nicht nur große Agrarbetriebe in Thüringen berichten, dass sie bestohlen werden - auch kleine Landwirte machen diese Erfahrung. Sie finden Selbstpflückfelder mit Blumen abgeerntet vor und eine kaum gefüllte Kasse des Vertrauens. Eine Landwirtin aus Ostthüringen berichtet MDR THÜRINGEN, sie habe eines Morgens vor einer mehr als 150 Meter langen leeren Gladiolenreihe gestanden. Aus dieser seien über Nacht alle Blumen samt Zwiebeln gestohlen worden. Ein herber finanzieller Verlust nicht nur für die diesjährige Saison.

Verbände führen keine Statistiken

Warum die Diebstähle zunehmen, erklären sich viele Landwirte mit den gestiegenen Lebensmittelpreisen. Eine genaue Antwort haben sie aber nicht, da die Diebe häufig nicht gefasst werden. Wie hoch der finanzielle Schaden für die Thüringer Landwirte durch die Diebstähle ist, können weder der Thüringer Bauernverband noch der Landesverband Gartenbau beziffern, da nach deren Angaben diesbezüglich keine Statistiken geführt werden. Häufig würden sich die Betroffenen auch nicht bei den Verbänden melden.

MDR (dr)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. September 2022 | 05:00 Uhr

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