Sparen Energiekrise erreicht Thüringer Theater

Die Kosten für Strom und Gas sind bereits in den vergangenen Wochen in die Höhe geschnellt. Als öffentliche Gebäude müssen die Theater die neue Energiesparverordnung des Bundes umsetzen. Zuschauerräume, Bühnen und Foyers werden nur noch bis maximal 19 Grad geheizt und es gibt kein warmes Wasser mehr zum Händewaschen. Von Spielplanänderungen, veränderten Probenabläufen und sogar der vorübergehenden Schließung ganzer Bühnen ist die Rede.

Drei Männer (in der Mitte Steht Martin Luther mit gelbem Hut) halten einen Mann (Lucian Freud) in der Horizontalen, der Mann reißt zufrieden den Mund auf.
Die Thüringer Theater blicken mit Sorge auf den Anstieg der Energiekosten. (hier eine Aufführung im Landestheater Eisenach) Bildrechte: Carola Hoelting

Deutsches Nationaltheater Weimar

Fünfmal so hohe Kosten für Energie gegenüber dem Vorjahr erwartet die Geschäftsführung des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Sprecherin Susann Leine versichert, trotzdem plane das Haus bisher nicht, den Betrieb zu unterbrechen. Nach zweieinhalb Jahren Pandemie wolle das DNT dies dem Publikum nicht antun. Wie es weitergeht könne die Geschäftsführung im Moment noch nicht einschätzen.

Prinzessin von Trapezunt DNT Weimar
Aufführung von "Prinzessin von Trapezunt" am Deutschen Nationaltheater Weimar. Bildrechte: Candy Welz

Staatstheater Meiningen

Im Staatstheater Meiningen wird nach Angaben der Intendanz darüber diskutiert, die Heizungstemperatur noch weiter zu reduzieren als auf die vorgeschriebenen 19 Grad. Auch die Frage, in welchem Umfang das Haus längerfristig beleuchtet werden müsse, werde diskutiert. Die Bereitschaft bei den Mitarbeitern, bei Veränderungen mitzumachen, sei groß.

Theater Meiningen
Das Theater Meiningen kümmert sich seit Langem ums Energiesparen. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Grundsätzlich gibt es für das Staatstheater Meiningen bereits einen über mehrere Jahre angelegten energetischen Sanierungsplan. Neben neuer Heiztechnik gehört dazu auch, dass die Bühnenbeleuchtung Schritt für Schritt auf LED umgerüstet wird. Man sei, so heißt es aus Meiningen, dabei schon "sehr weit fortgeschritten."

Theaterhaus Jena

Die Geschäftsführung des Theaterhauses Jena zweifelt momentan, ob das Bühnenhaus im Herbst und Winter durchgehend bespielt werden kann. Die Deckenstrahlplatten in dem Gebäude benötigten eine Vorlauftemperatur von mindestens 60 Grad. Die könne der Wärmelieferant - die Stadtwerke Jena - in der Übergangszeit nicht garantieren.

Deshalb denkt die Geschäftsführung in Jena darüber nach, in die neue Probebühne umzuziehen. Würde die zum ausschließlichen Spielort, hätte das laut Andrea Hesse vom Theaterhaus wiederum Konsequenzen für den Spielplan.

Zuschauer vor einer Bühne am Theaterhaus Jena
Das Theaterhaus Jena veranstaltete im Sommer wieder die "Kulturarena". Bildrechte: Kulturarena Jena

Bei explodierenden Strom- und Heizkosten müsste laut Geschäftsführung auch die externe Probebühne aufgegeben werden. Das Theater darf die alte Kantine nutzen, bis ein Investor für das Gebäude gefunden ist.

Langfristig hat das Theaterhaus Jena eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, in der Fachleute jedes Detail zum Energieverbrauch unter die Lupe nehmen. So könnte in der Zukunft Erdwärme statt Fernwärme genutzt werden, wenn nicht nur der Bibliotheksneubau, sondern auch das Theaterhaus einen Zugang bekommen würde. Geprüft wird ebenfalls, ob es sinnvoll ist, auf Teilen des Gebäudes eine Solaranlage zu installieren.

Theater Altenburg-Gera

Auch das Theater Altenburg-Gera hat eine AG zum Energiesparen gegründet. "Abstriche an der künstlerischen Arbeit sind der letzte Schritt", hieß es. Mittlerweile sind Einzelproben im Konzertsaal untersagt, private Heizkörper auch. Schaukästen werden nicht mehr beleuchtet. Die Geschäftsführung rechnet mit einer Steigerung der Energiekosten um mindestens 150 Prozent.

Das Theater von Gera. (Aufnahme mit einer Drohne)
Abstriche an der künstlerischen Arbeit soll im Theater Altenburg Gera möglichst nicht geben. Bildrechte: dpa

Theater Rudolstadt

Das Theater Rudolstadt beruft sich auf die momentan noch geltenden Lieferverträge. Selbst bei einem konsequenten Sparkurs werde die bereits angekündigte Gasumlage einen "deutlichen fünfstelligen Betrag" ausmachen, teilte Verwaltungsdirektor Mathias Moersch mit. Auch wenn gespart werde, wo immer es geht, ließen sich die Kosten nicht kompensieren.

Das Rudolstädter Theatergebäude.
Im Theater Rudoslstadt befürchtet man, dass die Kosten nicht zu kompensieren sein werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landestheater Eisenach

Die Lage sei unmöglich einzuschätzen, deshalb gebe es im Landestheater Eisenach keine Pläne für eventuelle Extremfälle, sagt Sprecherin Judith Sünderhauf. Das Haus halte sich an die Maximaltemperatur von 19 Grad und spare auch sonst Strom, wo immer es geht.

Mehr Reaktionen auf die Energiekrise

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. September 2022 | 09:00 Uhr

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