Neue Corona-Regeln FAQ: Was gilt in Thüringen und wann?

Am 24. August ist in Thüringen eine neue Corona-Verordnung in Kraft getreten. Mit ihr wird ein mehrstufiges Frühwarnsystem etabliert, das die Corona-Regeln nicht mehr allein von der 7-Tage-Inzidenz abhängig macht. Dass man da schnell den Überblick verliert, ist nur verständlich. In unserem FAQ finden Sie die Antworten zu den wichtigsten Fragen im Alltag.

Frau legt Mundschutzmaske an
Maske auf oder Maske ab? - Für Frauen und Männer ab 16 Jahren bleibt die Maskenpflicht bestehen. Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren benötigen lediglich eine Alltagsmaske. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Am 24. August ist eine neue Corona-Verordnung in Kraft getreten. Mit ihr werden die Corona-Regeln künftig nicht mehr allein auf Grundlage der Inzidenzwerte festgelegt. Auch die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern und auf Intensivstationen ist entscheidend. Welche Regeln im jeweiligen Landkreis gelten, wird nun in einem Vier-Stufen-System erfasst. Nach der Basisstufe werden die Regeln in drei Warnstufen verschärft.

Welche allgemeinen Regeln muss ich beachten?

Allgemeine Muss-Regeln gibt es nicht. Grundsätzlich empfiehlt das Gesundheitsministerium, noch immer die AHA-Regeln einzuhalten. Also Abstand halten (1,5 Meter), Hygienemaßnahmen umsetzen (Hände desinfizieren, etc.) und Alltagsmasken tragen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Empfohlen wird auch, die Kontakte, insbesondere in Innenräumen, zu beschränken.

Gibt es Kontaktbeschränkungen?

Kontaktbeschränkungen gibt es nur beim Eintreten der Warnstufen, die weiter unten genauer erklärt werden. In der Basisstufe sind größere private Feiern grundsätzlich möglich. Ab 70 Personen unter freiem Himmel oder 30 Personen in geschlossenen Räumen müssen Feierlichkeiten jedoch fünf Tage im Voraus der örtlichen Behörde angezeigt werden.

Öffentliche Veranstaltungen sind ebenfalls fünf Tage im Voraus anzuzeigen. Für Großveranstaltungen ab 500 Personen in geschlossenen Räumen bzw. 1.000 Personen im Freien gilt eine Genehmigungspflicht durch die örtlichen Behörden. Großveranstaltungen müssen mit einem Vorlauf von zehn Tage angemeldet werden.

Muss ich immer noch eine Maske tragen?

Die Maskenpflicht bleibt für alle Personen ab 16 Jahren bestehen. Zu tragen sind medizinische oder qualifizierte Gesichtsmasken. Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren müssen lediglich eine Alltagsmaske tragen.

Die Pflicht gilt in:

  • Geschäften und Dienstleistungsbetrieben
  • bei Veranstaltungen
  • in medizinischen oder therapeutischen Einrichtungen
  • im ÖPNV (auch in Reisebussen)
  • in Gaststätten
  • bei Versammlungen
  • bei Sitzungen kommunaler Gremien
  • bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen


Die Maskenpflicht entfällt bei sportlicher Betätigung, im Nassbereich und am Sitzplatz bei Veranstaltungen, Versammlungen und im Restaurant.

Wo gilt eine Testpflicht?

Eine Testpflicht gilt nur in geschlossenen Räumen:

  • bei körpernahen Dienstleitungen, bei denen keine Maske getragen werden kann
  • bei Orchesterproben mit Gesang oder Blasinstrumenten
  • in Diskotheken und vergleichbaren Betrieben
  • in Bordellen und vergleichbaren Betrieben
  • beim Besuch von Pflegeeinrichtungen

Ausgenommen von der Testpflicht sind geimpfte oder genesene Menschen, die über einen entsprechenden Nachweis verfügen. Außerdem von der Testpflicht ausgenommen sind Kinder bis zum sechsten Lebensjahr und Schüler, da diese innerhalb des schulischen Schutzkonzepts regelmäßig getestet werden. Die Testpflicht gilt somit für Kinder ab sechs Jahren, wenn sie sich nicht in der Schule testen lassen.

Corona-Test bei einer Frau
Einen Corona-Test muss nur in bestimmten geschlossenen Räumen vorgelegt werden, wenn die Person nicht geimpft wurde oder als genesen gilt. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Werden Kontakte noch nachverfolgt?

Eine Kontaktverfolgung muss in geschlossenen Räumen gewährleistet werden. Dies gilt für:

  • öffentliche Veranstaltungen
  • Freizeiteinrichtungen
  • Bildungsangebote (z.B. Fahrschule, Volkshochschule, Nachhilfe)
  • Schullandheime
  • gewerbliche Übernachtungen (z.B. Ferienwohnung, Hotel)
  • Fitnessstudios, Saunen, Schwimmbäder
  • sportliche Betätigungen
  • Gaststätten
  • in Diskotheken und vergleichbaren Betrieben
  • in Bordellen und vergleichbaren Betrieben
  • in Spielhallen, Casinos, Wettbüros und vergleichbaren Betrieben

Wie funktioniert das Frühwarnsystem?

Mit dem neuen Frühwarnsystem werden alle Thüringer Kreise und kreisfreien Städte in vier Stufen eingeteilt, die maßgeblich von der 7-Tages-Inzidenz (Leitindikator) sowie der Hospitalisierungs-Inzidenz und Intensivbettenbelegung (Zusatzindikatoren) im Kreis abhängen. In der Basisstufe (grün) sind die Corona-Regeln wie in den vorherigen Absätzen aufgeführt zu berücksichtigen. Mit dem Inkrafttreten der drei Warnstufen (gelb, orange, rot) können diese Regeln durch zusätzliche Regeln ergänzt bzw. verschärft werden.

Hospitalisierungs-Inzidenz & Intensivbettenbelegung Die Hospitalisierungs-Inzidenz gibt (anlog zur 7-Tage-Inzidenz) an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen im jeweiligen Kreis oder der kreisfreien Stadt ins Krankenhaus eingewiesen wurden.

Die Intensivbettenbelegung wird in Prozentzahlen angegeben und bezieht sich auf den Anteil der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen in ganz Thüringen.


Die Stufe steigt, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen die 7-Tages-Inzidenz und mindestens einer der beiden Zusatzindikatoren den jeweiligen Maximalwert der jeweils aktuellen Stufe überschreiten. Wechseln sich die Zusatzindikatoren im Überschreiten des Maximalwerts innerhalb der drei Tage ab, so ist dies unerheblich für die Zählung.

Die Stufe sinkt, wenn die 7-Tages-Inzidenz an sieben aufeinanderfolgenden Tagen den jeweiligen Mindestwert der jeweils aktuellen Warnstufen unterschreitet. Die Höhe der Zusatzindikatoren hat keinen Einfluss bei der Herabsenkung der jeweiligen Stufe.

Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August
Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was ändert sich mit Warnstufe 1 (gelb)?

Warnstufe 1 tritt in Kraft, wenn die 7-Tages-Inzidenz bei 35 oder höher liegt. Zusätzlich muss die Hospitalisierungs-Inzidenz den Wert 4,0 erreichen oder die Intensivbetten zu mindestens drei Prozent mit Covid-19-Patienten ausgelastet sein.

Mit Warnstufe 1 verbunden ist (zwingend):

  • eine Testpflicht für etwa Gaststätten, Fitnessstudios, Saunen, Schwimmbäder und Veranstaltungen in geschlossenen Räumen
  • eine Testpflicht bei gewerblichen Übernachtungen: ein Test bei Anreise und zwei Mal pro Woche während des Aufenthalts
  • von der Testpflicht ausgenommen sind Genesene und Geimpfte

Mit Warnstufe 1 können örtliche Behörden:

  • Teilnehmerzahlen bei privaten Feiern und öffentlichen Veranstaltungen beschränken
  • die Genehmigungspflicht bei privaten Feiern und öffentlichen Veranstaltungen ausweiten
  • Kontaktbeschränkungen in geschlossenen Räumen erlassen (nur bei stark steigendem Infektionsgeschehen)
  • die Einhaltung der Maßnahmen kontrollieren lassen

Was ändert sich mit Warnstufe 2 (orange)?

Warnstufe 2 tritt in Kraft, wenn die 7-Tages-Inzidenz bei 100 oder höher liegt. Zusätzlich muss die Hospitalisierungs-Inzidenz den Wert 7,0 erreichen oder die Intensivbetten zu mindestens sechs Prozent mit Covid-19-Patienten ausgelastet sein.

Mit Warnstufe 2 verbunden ist (zwingend):

  • eine Kontaktbeschränkung in geschlossenen Räumen
  • eine Einschränkung von Teilnehmerzahlen bei privaten Feiern und öffentlichen Veranstaltungen
  • eine Maskenpflicht an allen Orten, an denen Mindestabstände nicht eingehalten werden können
  • eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer ab der 7. Klasse während des Unterrichts. Ausgenommen davon sind der Schulsport und der Schwimmunterricht.

Mit Warnstufe 2 können örtliche Behörden:

  • weitere Maßnahmen unter Beachtung des lokalen Infektionsgeschehen treffen (nur bei stark steigendem Infektionsgeschehen)
  • schärfere Kontrollen zur Einhaltung der Maßnahmen veranlassen

Mundschutzmaske hängt an Schütertisch
Ab Warnstufe 2 gilt eine Maskenpflicht im Unterricht. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Was ändert sich mit Wartstufe 3 (rot)?

Warnstufe 3 tritt in Kraft, wenn die 7-Tages-Inzidenz bei 200 oder höher liegt. Zusätzlich muss die Hospitalisierungs-Inzidenz den Wert 12,0 erreichen oder die Intensivbetten zu mindestens zwölf Prozent mit Covid-19-Patienten ausgelastet sein.

Mit Warnstufe 3 verbunden ist (zwingend):

  • der Erlass gezielter Eindämmungsmaßnahmen, die das Infektionsgeschehen und auch örtliche Verhältnisse berücksichtigen

Mit Warnstufe 3 können örtliche Behörden:

  • weitere präventive Schutzmaßnahmen erlassen, die unterhalb einer Schließung von Einrichtungen und Angeboten liegen

Kann es nochmal einen (Teil-)Lockdown geben?

Im Prinzip ja, aber dafür gibt es hohe Hürden. Sämtliche Anordnungen, die die Warnstufen übersteigen, können nur in Absprache mit dem Thüringer Gesundheitsministerium getroffen werden.

Zu solchen Maßnahmen zählen:

  • flächendeckende Schließung von Geschäften, Betrieben sowie kulturellen und sozialen Einrichtungen
  • stärkere Kontaktbeschränkungen
  • Einschränkung von Bewegungsfreiheit
  • Besuchsverbote
  • Ausgangssperren
  • Quarantäne von Gebäuden, Ortsteilen, Orten oder Regionen
  • Maßnahmen, die staatliche und kommunale Behörden berühren
  • Versammlungsverbote

Sämtliche Anordnungen, die die Warnstufen übersteigen und den Bildungssektor berühren, sind nur in Absprache mit dem Gesundheitsministerium und dem Bildungsministerium möglich.

Zu solchen Maßnahmen zählen:

  • Anordnung von Distanzunterricht
  • Schulschließungen
  • Testpflicht an Schulen oder Kitas
  • verschärfte Maskenpflicht

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. August 2021 | 13:00 Uhr

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