Der Redakteur | 12.10.2022 Holz aus dem Wald zum Heizen mitnehmen - ist das erlaubt?

Thomas Becker
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Beim Spazierengehen im Wald etwas Holz mitnehmen und damit zu Hause heizen - ist das in Thüringen erlaubt? Was darf man überhaupt aus dem Wald mitnehmen?

Schild gegen Holzdiebstahl
Teilweise werden in Thüringen ganze Holzstapel mit Lastwagen gestohlen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Das Thüringer Waldgesetz ist da recht eindeutig. Im Landeswald (Staatswald) ist es erlaubt, sogenanntes "Leseholz" aufzusammeln. Nun ergibt sich daraus sofort die Frage, was bitte ist Landeswald? Wer auf das Zufallsprinzip und die Hoffnung setzt - "wir werden schon Glück haben" - dem sei gesagt: Der größte Teil des Waldes in Thüringen ist Privatwald, dort ist das Aufsammeln eben nicht erlaubt. Wer es genau wissen möchte, kann gern im zuständigen Forstamt nachfragen.

24 Forstämter gibt es in Thüringen und dort ist man auch mit weiteren Fragen richtig, wenn es darum geht, etwas aus dem Wald zu holen. Sind wir aber im Landeswald unterwegs und finden dürres Holz, das zum Verfeuern geeignet erscheint, dann gibt es nur noch die kleinen Hürden, dass bei zehn Zentimetern Holzdurchmesser Schluss ist und dass irgendwelche Transportfahrzeuge tabu sind. Das, was man noch wegtragen kann, ist erlaubt, darüber hinaus wird es rechtlich eng. Der Ansatz "es liegt doch nur herum und die sollen doch froh sein, wenn ich aufräume", ist übrigens auch nicht mehr zeitgemäß.

Man möchte, dass Kronenmaterial vor Ort bleibt, dort zerfällt und in die Kreisläufe des Ökosystems Wald wiedereingeführt wird.

Dr. Horst Sproßmann, Sprecher Thüringenforst

Denn nicht nur die Blätter sind voller Nahrungsmittel für nachwachsende Pflanzen, sondern auch die Hölzchen und Stöckchen, die einmal die Krone eines Baumes gebildet haben. 

abgesägte Holzstämme in einem Wald 3 min
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MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mi 28.09.2022 19:00Uhr 02:47 min

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Was ist mit Pilzen, Früchten und dem Weihnachtsbaum?

Hier machen wir instinktiv vieles richtig. Der Paragraf 15 des Thüringer Waldgesetzes erlaubt es, sich in allen Wäldern, die betreten werden dürfen, "Beeren, Zapfen oder Nüsse oder oberirdische Teile von Pflanzen wie Kräuter und Gräser in geringen Mengen zum eigenen Verbrauch (…) anzueignen." Voraussetzung ist natürlich, es sind keine geschützten Pflanzen. Ausgraben geht auch nicht und die Entnahme hat "pfleglich" zu erfolgen. Was mengenmäßig gemeint ist, erkennt man an der Bezeichnung "Handstrauß", in dieser Größenordnung dürfen Pflanzen entnommen werden. Der Weihnachtsbaum gehört also nicht mehr dazu. Wenn die Pläne etwas umfangreicher werden, ist der Waldbesitzer um Erlaubnis zu fragen.

Der Holzdiebstahl hat zugenommen

Klauen war schon immer günstiger als Kaufen, der Spardruck wächst mit den Preisen, im Moment wird mehr als zehnmal so viel Holz gestohlen wie im Vergleich zu Vorkrisenzeiten. Dabei geht es aber weniger um das, was Privatpersonen mal schnell in den Kofferraum legen.

Es verschwinden ganze Lkw-Ladungen und allen sei gesagt, dass die Holzstapel kleine Tracker enthalten, die auf Erschütterungen reagieren und Alarm schlagen und auch ihren Standort melden, wenn sich dieser plötzlich verändert. Und Wildkameras gibt es auch…

Baumstämme liegen auf einem Forstweg
Holz wird momentan im großen Stil aus den Wäldern geklaut. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Mit Eicheln Geld verdienen

Das Sammeln von Kastanien und Eicheln gehört ganz sicher zu den aufregendsten Kindheitserlebnissen. Deswegen wendet sich Thüringenforst mit der Eichelsammelbitte auch bevorzugt an Schulklassen. "Normales" Sammeln für die Waldtiere im Winter bringt neben dem guten Gefühl 20 Cent pro Kilogramm. Es ist aber eher mühsam, damit die Klassenkasse zu füllen.

Viele Eicheln liegen auf dem Boden.
Fleißige Eichel-Sammler können Geld mit ihren Funden verdienen. Bildrechte: Daniela Dufft

Wer aber gezielt in bestimmten Gebieten sammelt, der bekommt in diesem Jahr vier Euro pro Kilogramm Eicheln. Hintergrund: Damit werden die Wälder aufgeforstet. Über den Umweg Forstbaumschule Breitenworbis im Forstamt Leinefelde wachsen innerhalb von zwei bis drei Jahren aus den kleinen Eicheln kleine Bäume, die dann mal ganz groß werden sollen und Teil des klimagerechten Waldumbaus werden: weg von der Monokultur, hin zu Arten, die auch etwas aushalten.

Das sind dann Eichenbestände, die zur Vermehrung zugelassen sind.

Dr. Horst Sproßmann, Sprecher ThüringenForst

Deshalb müssen es eben bestimmte Sorten und Qualitäten sein, die das Forstamt vor Ort aber kennt, einschließlich der Stellen, wo man diese Eicheln sammeln kann. Deshalb gilt auch hier: nachfragen beim Förster und dort im besten Fall die gesammelten Eicheln auch gleich wieder abgeben.

Was ist mit den Rinden an den Holzstapeln?

Es spricht nichts dagegen, sich hier Rindenmulch für den eigenen Garten zu holen, aber bitte auch da vorher mit dem Förster sprechen. Und zwar aus Selbstschutzgründen. Denn es kann sein, dass das Material nicht so öko ist, wie es aussieht. Schuld ist der Borkenkäfer, der von den Holzstapeln (Poltern) ferngehalten werden soll. Dort - nicht im Wald - werden deshalb Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die man sich vielleicht lieber doch nicht in den eigenen Garten schleppen möchte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 12. Oktober 2022 | 15:10 Uhr

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