Kindesmissbrauch Jugendschutzdienste: Mehr Gewalt gegen Kinder in Thüringen

Thüringer Jugendschutzdienste haben eine steigende Zahl von Gewalttaten gegen Kinder registriert. Als Grund werden vor allem die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie genannt. Aber auch der digitale Raum sei gefährlicher geworden.

Symbolfoto - Ein Mädchen sitzt in einer Zimmerecke und legt ihren Kopf auf ihre Knie.
Neben der psychischen und physischen Gewaltbereitschaft, nimmt die sexualisierte Gewalt in sozialen Netzwerken auch immer weiter zu. Bildrechte: imago images/Shotshop

Die Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V. hat eine Zunahme der Gewalt gegenüber Kindern verzeichnet. Insgesamt wurden die Daten aus dem Jahr 2021 von den 19 Kinder- und Jugendschutzdiensten in Thüringen ausgewertet. Diese sind Ansprechpartner für junge Menschen, die von körperlicher, seelischer, sexualisierter Gewalt und Vernachlässigung betroffen sind.

Anstieg durch Corona-Pandemie

Den Angaben nach sind die Fallzahlen zu körperlicher Gewalt und psychischen Probleme um 14 Prozentpunkte gestiegen. Insgesamt wurden 1.994 Fälle registriert. Das sind fünf Kinder pro Tag, die im Zusammenhang mit einer Gewaltform stehen. Dazu gehören auch Verdachtsfälle auf sexualisierte Gewalt und häusliche Gewalt.

Der Anstieg lasse sich vor allem auf die Pandemiesituation zurückführen. Damit verbunden seien Unterrichtsausfälle und Heimunterricht gewesen. Aus dem aktuellen Bericht der LAG Kinder- und Jugendschutz e.V. geht hervor, dass durch Kontaktbeschränkungen und das Zusammenleben auf engstem Raum bereits vorhandene Gewaltneigungen noch zusätzlich gestiegen sein könnten.

Bewusster Umgang mit sozialen Netzwerken vonnöten

"Auch die sexualisierte Gewalt im Internet ist ein zunehmendes Thema in der Arbeit der Kinderschutzdienste", so Heiko Höttermann von der Landesarbeitsgemeinschaft. Beim sogenannten "Grooming" erschleichen sich Täter das Vertrauen der Kinder- und Jugendlichen. Sie chatten gezielt und planen sexuelle Handlungen. Die Anbahnung findet hauptsächlich in Chaträumen und sozialen Netzwerken statt. "Wichtig sei hierbei ein bewusster Umgang mit sozialen Netzwerken", betonte Höttermann.

Höchststand im Jahr 2020

Bereits im Jahr 2020 hatten Thüringer Kinder- und Jugendschutzdienste einen Höchststand an Kindswohlgefährdungen registriert. Laut Höttermann wurden 2.025 Fälle von Gewalt, sexuellen Übergriffen und Vernachlässigungen gegen Kinder und Jugendliche erfasst, rund 200 Fälle mehr als 2019. Zudem gebe es eine hohe Dunkelziffer nicht erfasster Fälle. Den Angaben nach waren besonders Mädchen über 14 Jahren und sechs- bis 14-jährigen Jungen betroffen. So seien vor allem in den Monaten unmittelbar nach den Lockdowns drei- bis viermal mehr Anrufe bei den Sorgentelefonen eingegangen als sonst.

MDR (mab,cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Juni 2022 | 07:00 Uhr

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