Medizinische Versorgung Thüringer CDU will bei Notfällen auf dem Land "Tele-Ärzte" einsetzen

Immer wieder wird darüber gesprochen, dass die medizinische Versorgung auf dem Land verbessert werden muss, gerade auch bei Notfällen. Thüringens CDU schlägt das Konzept des Tele-Arztes nach bayerischem Vorbild vor.

Ein Notarzt sitzt an einem Arbeitsplatz für Telenotärzte in Nordrhein-Westfalen. Auf den Bildschirmen sind unter anderem die Vitalfunktion und auch Bilder des Verletzten zu sehen.
Mit Telemedizin kann bei einer ärztlichen Untersuchung schnell eine zweite Meinung eingeholt werden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Einsatz in der Gemeinde Ponitz im Altenburger Land: Eine Frau klagt über Herz-Kreislauf-Beschwerden. Die Rettungssanitäter sind schon da. Es fehlt noch der Notarzt. Der kommt Minuten später. Minuten, die entscheiden können über Wohl oder Wehe der Patientin.

Die CDU im Thüringer Landtag will dieses medizinische Risiko minimieren. Dabei greift sie eine Idee auf, die im bayerischen Straubing seit mehr als einem Jahr erfolgreich getestet wird und die für sechs Wochen rund um Weimar bereits erste Praxiserfahrungen auch in Thüringen sammeln konnte: der Tele-Notarzt. Ein entsprechender Antrag wird bereits diskutiert.

Christoph Zippel ist der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion und sagt: "Beim Tele-Notarzt geht es darum, dass wir zur Unterstützung der Rettungskräfte vor Ort im Einsatz einen notärztlichen Kollegen zuschalten können, der entweder das arztfreie Intervall verkürzt oder aber Kollegen, die vor Ort im Einsatz sind, medizinisch unterstützt mit Expertise, mit Fachwissen."

Dabei sollen die Rettungskräfte via Bild und Ton mit dem Tele-Notarzt kommunizieren und auch wichtige Vitaldaten des Patienten übertragen können. Die CDU möchte diese Möglichkeiten praxisorientiert auf dem Land testen. Vielleicht für ein oder zwei Jahre. Wo genau, das stehe noch nicht fest, sagt Christoph Zippel.

Tele-Notarzt als Ergänzung – kein Ersatz

Was bereits fest steht: Der Tele-Notarzt soll den Notarzt vor Ort nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Dafür braucht es eine stabile und schnelle Internetverbindung sowie Rettungswagen, die Technik zur Live-Übertragung an Bord haben und Notfallsanitäter, die nicht nur Tablets tragen, sondern auch Bodycams.

Dass Datenschützer bei dieser Idee die Stirn in Falten legen und Bedenken anmelden, hofft Christoph Zippel nicht. Auch mit Blick nach Süden sagt er: "Die Bayern haben eine datenschutzrechtlich saubere Lösung hinbekommen, deshalb bin ich optimistisch, dass wir das auch hinbekommen."

Kassenärztliche Vereinigung unterstützt Vorschlag

Die CDU stößt mit der Idee das Tele-Notarztes auf offene Ohren und Zustimmung im Freistaat. Gesundheits- und Kommunal-Ministerium befürworten das Projekt, ebenso die Kassenärztlichen Vereinigung. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen kann den Vorschlag nur unterstützen. Insbesondere Flächenkreise mit niedriger Einwohnerdichte könnten von einem solchen System profitieren und dieses für die Patientenversorgung einen absoluten Zugewinn darstellen."

Allerdings sind viele Fragen noch unbeantwortet. Wer stellt den Tele-Notarzt? Wo ist der Arbeitsplatz angesiedelt? Wer bezahlt die Ausrüstung? Wer trägt die laufenden Kosten? Wer ist zuständig für die Wartung der Geräte? Diese Fragen werden derzeit im Gesundheitsausschuss des Landtags besprochen. Dort liegt der Antrag der CDU.

Bundestag berät über Reform des Rettungswesens

Christoph Zippel hofft, dass die Antworten darauf vielleicht noch vor der parlamentarischen Sommerpause gefunden werden können. Cornelia Klisch leitet für die SPD den Ausschuss, ist selbst Medizinerin und steht der Idee wohlwollend gegenüber. Einerseits finde sie den Vorschlag total sinnvoll, sagt sie. Andererseits bremst sie ein wenig – mit Verweis auf Berlin. Im Bundestag wird gerade beraten über eine Reform des Rettungswesens und der Krankenhausplanung. Klisch meint: "Ich würde einfach diese Richtlinien erst einmal abwarten. Und nicht voranpreschen und sagen, wir müssen das aber jetzt machen. Da wäre eventuell viel Geld verschwendet. Also lieber effektiv das machen, was sinnvoll ist."

Anfang kommenden Jahres will der Bund die Reform in Gesetzestext gießen und auf den Weg bringen. Dann könnte – wenn es nach der SPD-Politikerin geht – auch das Projekt Tele-Notarzt in Thüringen schnell in die Praxis umgesetzt werden. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juli 2022 | 06:57 Uhr

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