Corona-Folgen Bad Sulza: Nachfrage nach Long Covid-Behandlung ungebrochen groß

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Am 30. April 2020 kam der erste Long Covid-Patient nach Bad Sulza. Seitdem wurden 1.220 Reha-Patienten mit Long oder Post Covid-Symptomen im Klinikzentrum behandelt. Und die Nachfrage nach Behandlungen flaut nicht ab.

Reha-Behandlung wegen Long- und Post Covid in Klinikzentrum Bad Sulza Der Chefarzt am Klinikzentrum Bad Sulza Sebastian von Kügelgen
Bei der Behandlung von Long und Post Covid-Betroffenen setzt das Klinikzentrum auch auf Apps, die die Genesung unterstützen sollen. Bildrechte: MDR/Klinikzentrum Bad Sulza

Seit dem Frühjahr 2020 ist die Belegung im Klinikzentrum Bad Sulza mit Long Covid- oder Post Covid-Betroffenen auf hohem Niveau. "Zeitweise waren es 200 Prozent Auslastung. Bewältigt haben wir das nur durch eine Minderbelegung in der Orthopädie. In einer Zeit, als viele Operationen abgesagt wurden, und die Reha-Patienten dort fehlten", sagt Mark Förste, Verwaltungsleiter im Klinikzentrum Bad Sulza.

Ein Großteil der Patienten ist zwischen 40 und 60 Jahren alt, die meisten von ihnen sind Frauen. Für einige ist es eine Anschluss-Heilbehandlung. Sie lagen im Krankenhaus und mussten teils beatmet werden. Viele haben Corona auch zu Hause erlebt.

Genesung braucht viel länger Zeit als drei Wochen

Die ersten Kur-Durchgänge durften länger als drei Wochen bleiben. "Doch schnell wurde klar, die Genesung braucht viel länger Zeit", sagt Dr. Sebastian von Kügelgen, Chefarzt der Fachabteilung für Pneumologie. "Wir haben gemerkt, dass wir den Menschen das Handwerkszeug geben müssen. Den Anspruch, dass die Patienten nach der Reha genesen und arbeitsfähig das Haus verlassen, den haben wir uns schon lange abgeschminkt. (...) Es ist absolut notwendig, dass es im Anschluss weitergeht." Über die Monate haben die Ärzte ihre Methoden und Behandlungen immer wieder verändert und angepasst.

Den Anspruch, dass die Patienten nach der Reha genesen und arbeitsfähig das Haus verlassen, den haben wir uns schon lange abgeschminkt.

Dr. Sebastian von Kügelgen, Chefarzt der Fachabteilung für Pneumologie im Klinikzentrum Bad Sulza

In Bad Sulza werden sowohl Long Covid als auch Post Covid Patienten betreut. Post Covid-Patienten sind jene, die auch ein Vierteljahr nach ihrer Erkrankung noch Einschränkungen spüren. "Die Krankheitsbilder sind nahezu alle gleich", so von Kügelgen. "Alle klagen über Erschöpfung, Luftnot bei Belastung, viele haben Wortfindungsstörungen, Gedächtnisprobleme oder können nicht schlafen. Es fehlen Kraft und Kondition und es kommen Ängste hinzu. Insbesondere Männer sind gefährdet und fallen nicht selten in eine Depression. Auch das eine Reaktion auf Corona."

Der Chefarzt am Klinikzentrum Bad Sulza Sebastian von Kügelgen
Dr. Sebastian von Kügelgen ist Chefarzt der Fachabteilung für Pneumologie am Klinikzentrum Bad Sulza. Bildrechte: MDR/Klinikzentrum Bad Sulza

Das Krankheitsbild hat sich im Laufe der Monate nicht verändert. Die Mediziner wissen aber inzwischen weit mehr darüber, was dahinter steckt. Erste Behandlungsmethoden wurden verworfen oder aber angepasst. "Zunächst hatten wir Erfahrungen anderer Pneumologie-Patienten übertragen, mussten aber feststellen, dass nicht alles funktioniert. Bei Corona ist eben nicht nur die Lunge, sondern der ganze Körper betroffen", sagt der Arzt. Long und Post Covid-Patienten müssen vielschichtiger behandelt werden. Vor allem aber brauchen sie Zeit.

Treppensteigen ist anfangs verboten

"Das ist das erste, was wir unseren Patienten vermitteln: Sie müssen ihr Verhalten ändern. Gerade wenn sie im Berufsleben stehen." Runterfahren, Zeit lassen und in Geduld üben. Wer das nicht kann, hat kaum eine Chance, wieder voll leistungsfähig zu werden. "Reize müssen minimiert und der eigene Ehrgeiz heruntergeschraubt werden."

Auch aus diesem Grund, verteilen die Ärzte Verbotslisten. Auf denen stehen dann Dinge wie: "Keine Treppen laufen, keine zu ambitionierten Spaziergänge, kein Handy und keine stundenlangen Kreuzworträtsel." Eine Überanstrengung führt unweigerlich zur Erschöpfung. Der Körper braucht manchmal Tage, um sich davon zu erholen. "Viel hilft in diesem Fall nicht viel. Das ist etwas, was die Patienten lernen müssen."

Fahrradfahren und Gedächtnistraining zum Einstieg

Die Behandlung ist auf Wochen angelegt, auch wenn die Reha-Patienten nur 21 Tage bleiben, zu Hause geht's weiter. Zum Einstieg wird Fahrrad gefahren. Fünf Minuten bei 20 Watt auf dem Ergometer sind erst einmal genug. Es gibt kleine Gedächtnistrainings und Saunagänge. Wärmebehandlungen tun den geschundenen Körpern gut. Nach und nach wird die Leistung gesteigert. "Bis man vielleicht nach zwölf Wochen 20 Minuten bei 100 Watt Fahrrad fahren kann. Dann ist ein erstes großes Ziel erreicht", so von Kügelgen.

Der Arzt bleibt auch nach deren Entlassung mit seinen Patienten in Kontakt. Er telefoniert oder schickt Fragebögen, um weiter an den Behandlungsmethoden zu feilen. "Außerdem gibt es eine Klinik-App", ergänzt Verwaltungschef Mark Förste. "Auch mit der bleiben Patienten nach der Reha in Kontakt. Schon während ihres Aufenthaltes lernen sie mit der App umzugehen." Die App bietet Trainings- und Therapiepläne an. Auch Kochrezepte und andere Tipps stellt sie bereit. Es gibt eine Chat-Funktion zwischen Patienten und Therapeuten. "Die Nachsorge ist ein wichtiger Teil der Behandlung und gibt sowohl den Patienten, als auch uns eine Sicherheit", so Förste.

Förste und von Kügelgen rechnen so bald nicht damit, dass die Nachfrage nach Reha-Betten abflauen wird. "Keiner kann sagen, was Omikron auf lange Zeit mit den Menschen macht. Noch", sagt von Kügelgen, "behandeln wir die Patienten, die es mit der Delta-Variante zu tun gehabt haben."

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 09. Februar 2022 | 06:40 Uhr

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