Gesellschaft Notfallseelsorger: Sie sind da, wenn der Schmerz am schlimmsten ist

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Notfallseelsorger kommen zum Einsatz, wenn Menschen vom Schicksal gebeutelt wurden, nicht wissen wohin mit ihrer Verzweiflung. Sie hören zu, geben Rat und sind einfach nur da.

Ein Notfallseelsorger steht beim Gedenkgottesdienst für die Opfer des verheerenden Wohnhausbrandes in der Lutherkirche.
Notfallseelsorger beim Gedenkgottesdienst für die Opfer des Brandes in Apolda in der Lutherkirche Anfang September. Bildrechte: dpa

Der Großbrand von Apolda war einer der letzten außergewöhnlich herausfordernden Einsätze für die Notfallseelsorger im Weimarer Land. Familien, die Angehörige verloren haben, Freunde, Nachbarn und nicht zuletzt Feuerwehrleute und Sanitäter: Für alle war diese Nacht ein Schreckensszenario. Die Notfallseelsorger hatten alle Hände voll zu tun.

Auch beim Überbringen von Todesnachrichten sind wir oftmals dabei.

Notfallseelsorgerin Katjana Hesse

Doch es sind auch die vermeintlich kleineren Ereignisse, zu denen die ehrenamtlichen Seelsorger gerufen werden: der plötzliche Tod eines Angehörigen zu Hause, ein Unfall, Suizid oder ein Gewaltdelikt. Das alles gehört dazu.

Vier Kerzen stehen auf dem Altar beim Gedenkgottesdienst in der Lutherkirche für die Opfer des Wohnhausbrandes
Tod und Trauer sind schwer allein zu bewältigen. Bildrechte: dpa

"Auch beim Überbringen von Todesnachrichten sind wir oftmals dabei", sagt Katjana Hesse, die gemeinsam mit Mandy Weber das Notfallseelsorge-Team im Weimarer Land leitet. "Notfallseelsorge trifft es gar nicht so genau", sagt Hesse. "Die offizielle Bezeichnung heißt PSNV - Psychosoziale Notfall-Versorgungskraft."

Seelsorger federn ersten Schock ab

Sie werden Tag und Nacht gerufen. Die Anrufe kommen zu jeder Zeit. Es sind die Einsatzleiter vor Ort, die entscheiden, ob es PSNV-Unterstützer braucht. Die Seelsorger federn ab. Sie sind da, um zuzuhören, Trost zu spenden und erste, vielleicht kopflose Reaktionen der Betroffenen zu verhindern.

Aber auch Einsatzkräfte werden betreut. "Das", sagt Katjana Hesse "ist allerdings das zweite Betätigungsfeld. Die Ausbildung dafür ist eine ganz andere. Einsatzkräfte werden später versorgt, nicht unmittelbar nach oder während eines Ereignisses. Meist dauert die Begleitung von Feuerwehrleuten und Sanitätern dafür auch etwas länger."

Ein Feuerwehrmann pausiert bei einem Einsatz im Kerngebiet des Nationalpark Sächsische Schweiz
Feuerwehreinsätze sind nicht nur körperlich anstrengdend, sondern auch oft psychisch belastend. Bildrechte: dpa

Während "normale" Einsätze nach zwei bis drei Stunden beendet sind, können Einsätze mit Rettern auch schon mal ein paar Tage in Anspruch nehmen. "Auch wenn die Feuerwehrleute in ihrer Ausbildung viel lernen. Auf alles können sie nicht vorbereitet sein. Man kann nicht alle Situationen üben."

Abstand als Selbstschutz wichtig

Für die Einsatzkräfte wie auch für die Notfallseelsorger ist es wichtig, eine Mauer aufzubauen. Was wenig empathisch klingt, ist nicht so gemeint. Es ist ein Selbstschutz. "Man darf das Erlebte nicht mit nach Hause nehmen. Man sieht und erlebt Dinge, die man erst einmal selbst verarbeiten muss."

Auch Katjana Hesse fällt das nicht immer leicht. "Gerade wenn Kinder im Spiel sind", sagt die zweifache Mutter. Empathie, die Eigenschaft zuzuhören und auch einmal Schweigen aushalten können - diese Voraussetzungen sollte mitbringen, wer Notfallseelsorger werden will. "Nicht jeder ist dafür gemacht. Ein großes Stück Lebenserfahrung gehört dazu."

Zwei Männer auf einer Parkbank
Zuhören und einfach da sein - Notfallseelsorger helfen in Extremsituationen. Bildrechte: Colourbox.de

Das Team im Weimarer Land ist aktuell gut aufgestellt. Zwölf Männer und Frauen sind ehrenamtlich engagiert. "Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und das ist gut so. Jeder Einsatz verlangt andere Eigenschaften. Wir haben für jeden Einsatz ein passendes Teammitglied", so Hesse.

Ausbildung sichert Qualität

Unterstellt ist das Team im Weimarer Land dem Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt. In anderen Teilen Thüringens sind es Kirchen, die die Teams betreuen, Sozialverbände, das DRK oder ein eigener Verein. Die Leitung auf Landesebene übernimmt das Innenministerium. Von dort kommen auch klare Vorgaben. So muss ein angehender Seelsorger eine Ausbildung abschließen: Vier Module als Wochenend-Schulungen stehen an.

Wer Rettungskräfte betreuen will, muss obendrauf noch eine Woche in der Feuerwehrschule absolvieren. Zudem stehen regelmäßige Teamtreffen an. "Die Qualität soll auf hohem Niveau gehalten werden und überall in Thüringen vergleichbar sein."

Verstärkung dringend gesucht

Während das Team rund um Apolda gut aufgestellt ist, suchen andere Notfallseelsorger noch Nachwuchs. In Weimar zum Beispiel braucht man Verstärkung. Dort ist Pfarrer Ulrich Matthias Spengler Leiter des Teams.

Notfallseelsorge ist eine herausfordernde Aufgabe, allerdings nicht für jeden gemacht. Es ist eine tolle Herausforderung, aber "man muss das entsprechende Rüstzeug mitbringen, damit man für die Einsätze gewappnet ist", sagt Katjana Hesse, die ganz und gar in ihrem Ehrenamt aufgeht.

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Di 22.08.2017 11:04Uhr 00:08 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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