Textilindustrie Strickwaren aus Apolda: Strickchic kämpft mit Fachkräftemangel

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Strickchic ist ein Traditionsbetrieb. Seit 1896 wird in den Hallen in Apoldas Herderstraße schon gestrickt, inzwischen in fünfter Generation. Der Betrieb kennt Auf's und Ab's, hat zwei Kriege und eine DDR-Zeit durchlebt. Heute steht die Geschäftsführung vor einer neuen großen Herausforderung: Personal.

Blick in eine Fertigungshalle
Blick in die Produktion "Konfektion/Näherei" - dort sind viele Maschinen und Arbeitsplätze unbesetzt. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Anfang der 2000er-Jahre hatte es die Branche hart erwischt. Die EU beschloss neue Handelsrichtlinien. Der Markt für billige Produkte überwiegend aus Asien war geöffnet. "Es war, als wäre eine Staumauer aufgerissen. Wir wurden überflutet", berichtet Christoph Müller, Geschäftsführer der Firma. Er erinnert sich an eine Flut von Billigprodukten überwiegend aus China.

"Es gab Pullover für 10 Euro. Kaum ein Kunde war mehr bereit, den Preis deutscher Markenwaren zu zahlen." Für hunderte Textilbetriebe bedeutete das das Aus. "Nur eine einstellige Zahl an Industrie-Strickereibetrieben in Deutschland ist übrig geblieben. In Apolda sind wir die Einzigen", so Müller.

Ein Mann steht neben einer Maschine
Geschäftsführer Christoph Müller vor einer Strickmaschine. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Folge der Billig-Importe: Personalabbau in Apolda

Auch an Strickchic geht der Kelch nicht vorbei. Von den einst rund 70 Beschäftigen arbeiteten zeitweise nur noch 15 dort. Viele mussten sich neue Jobs suchen. Sie wurden entlassen.

Wenige Jahre darauf kam der Onlinehandel. Hier sprangen Müller und sein Team rechtzeitig auf. "Vor gut vier Jahren haben wir einen Großteil der Produkte nicht mehr rein an den Fachhandel verkauft. Wir sind schon länger online präsent." Das hat dem Betrieb vor allem in Corona-Zeiten gerettet. Die Hauptumsätze laufen inzwischen übers Netz.

Kunden gibt es nicht nur in der Bundesrepublik. Und noch einen Trend beobachtet Müller: "Die Leute kaufen wieder regional. Sie kaufen bewusst und fragen danach, wo die Produkte herkommen und wie sie gefertigt sind." Auch wenn die Umsätze der billigen Fast-Fashion-Industrie weiter wachsen, ist sie nicht mehr so gefährlich wie noch vor ein paar Jahren. Die Kundschaft ist zurück.

Aufträge wegen Personalmangels abgelehnt

Dennoch hakt es im Betrieb. "Wir müssen viele Designer wegschicken und Aufträge ablehnen. Es fehlt an Personal. Hätten wir nur fünf bis zehn Leute mehr, könnten wir den Umsatz signifikant steigern", so Müller. Menschen, die man Anfang der 2000er-Jahre weggeschickt hat, würde man am liebsten alle zurückholen.

Doch viele von ihnen haben das Rentenalter inzwischen erreicht. Die Stellenausschreibungen laufen, doch Bewerbungen gibt es nur wenige. Christoph Müller sucht inzwischen im Ausland nach Fachkräften. Eine Agentur hilft ihm dabei. Er hat Arbeiterinnen aus Syrien, Lettland, Mazedonien und Vietnam gewinnen können. Doch noch immer sind viele Stühle leer. "Vor allem in der Konfektion", sagt er. "Dort wird in erster Linie eine Meisterin gesucht."

Eine Frau arbeitet in einer Strickerei
Eine vietnamesische Arbeiterin bei Strickchic. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Strickchic beschäftigt Deutschlehrer für ausländische Facharbeiter

Strickchic goes international, hat keine Scheu vor Multi-Kulti, im Gegenteil. Die Firma hat einen Deutschlehrer engagiert. Seit Monaten kommt Tobias Marckardt regelmäßig. Einmal in der Woche unterrichtet er die Frauen. "Angefangen mit den Grundlagen, tasten wir uns zu den Fachbegriffen vor. Das Nähen, das Stricken und auch die Maschinen. Begriffe, die ich selbst erst mal lernen musste", so Marckardt.

Für Christoph Müller eine kleine Lösung, doch er hätte gern mehr, vor allem mehr Nachwuchs. "Einen Strickerlehrling gab es seit Jahren nicht. Der Beruf scheint nicht mehr 'in' zu sein." Hinzu kommt, dass die Berufsschule in Altenburg ist und Fachbetriebe, in denen man später arbeiten kann, rar sind. Dafür aber gibt Strickchic eine Übernahme-Garantie, verspricht der Geschäftsführer.

Quelle: MDR(ls)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 15. Januar 2022 | 17:30 Uhr

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