Thüringer Awo-Skandal Prozessauftakt: Ex-Awo-Manager Hack wehrt sich gegen Rausschmiss

Der Skandal um überzogene Manager-Gehälter bei der Thüringer Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat eine erste juristische Folge: Am Landgericht Erfurt hat am Mittwoch ein Prozess um die Entlassung des früheren Chefs der Awo-Tochterfirma AJS gGmbH, Michael Hack, begonnen. Der wehrt sich gegen seinen Rausschmiss. Zum Prozessauftakt machten beide Parteien deutlich, dass sie an einer gütlichen Einigung kein Interesse haben.

Zentrale der Awo in Erfurt
Der Skandal um Manager-Gehälter und Intransparenz hatte die Thüringer Arbeiterwohlfahrt im vergangenen Jahr erschüttert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Landgericht Erfurt hat am Mittwoch ein Prozess um die Entlassung des damaligen Geschäftsführers des Awo-Tochterunternehmens AJS gGmbH, Michael Hack, begonnen. In dem Verfahren wehrt sich Hack gegen seine Kündigung im August 2020. Bei dem Gütetermin am Mittwoch lehnten beide Parteien eine gütliche Einigung ab. Der nächste Termin ist für den 27. Oktober anberaumt.

Bislang keine Angaben zu Kündigungsgründen

Hack war im Sommer vergangenen Jahres zunächst freigestellt und im August dann gekündigt worden. Womit die Kündigung konkret begründet wurde, ist bislang unklar. Hack und sein Anwalt Carsten Sewtz bemängeln, dass die neue AJS-Geschäftsführung keine Angaben dazu gemacht habe. Die AJS hatte bislang dazu erklärt, dass man die Gründe vor Gericht vortragen werde. In einem Revisionsbericht der AJS vom November 2020 wird Hack unter anderem vorgeworfen, unberechtigt Altersteilzeit-Regelungen und Urlaub in Anspruch genommen sowie seinen Dienstwagen und eine Firmen-Kreditkarte für private Zwecke genutzt zu haben. Außerdem soll er Menschen aus seinem Umfeld persönliche Vorteile verschafft haben. Hack weist diese Vorwürfe nach Angaben seines Anwalts zurück.

Zwei Männer sitzen in einem Gerichtssaal
Klagt gegen seine Entlassung: Ex-Awo-AJS-Manager Michael Hack (re.) mit seinem Anwalt Carsten Sewtz. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Die Falschen verklagt?

In dem Gütetermin am Landgericht beantragte der Anwalt der AJS, Christian Stückrad, die Abweisung der Klage. Sie sei gegen das falsche Organ der AJS gerichtet. Hack habe gegen die Geschäftsführung der AJS geklagt, hätte aber gegen den Aufsichtsrat des Unternehmens klagen müssen. Stückrad sagte MDR THÜRINGEN nach dem Prozess, er rechne aus diesem Grund mit einer Abweisung der Klage.

Hacks Anwalt Sewtz teilte MDR THÜRINGEN mit, die Gegenseite verschleppe das Verfahren weiter und setze stattdessen auf eine öffentliche Vorverurteilung seines Mandanten. Sewtz hatte die Klage gegen die Kündigung im August 2020 beim Arbeitsgericht Erfurt eingereicht. Das Arbeitsgericht hatte sich jedoch für nicht zuständig erklärt und das Verfahren an das Landgericht weitergegeben. Hintergrund ist, dass GmbH-Geschäftsführer laut Gesetz nicht als Angestellte gelten, sondern als Organ des Unternehmens. Hierbei handelt es sich um ein privatrechtliches Beschäftigungsverhältnis. Hack will mit seiner Klage erreichen, dass seine Entlassung für ungültig erklärt wird.

Die Interimsgeschäftsführer der AJS gGmbH, Katja Glybowskaja und Andreas Krauße
Die neue AJS-Geschäftsführung Katja Glybowskaja und Andreas Krauße. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Skandal um Gehälter und Intransparenz

Der einstige Awo-Manager Hack stand im vergangenen Jahr im Mittelpunkt eines Skandals um überzogene Geschäftsführer-Gehälter und mangelnde Transparenz bei der Thüringer Arbeiterwohlfahrt. Der Awo-Bundesverband war nach einer Prüfung zu der Auffassung gelangt, dass Hacks Jahresgehalt von rund 300.000 Euro deutlich über dem liege, was laut Governance-Kodex des Verbandes als angemessen eingeschätzt wird. Hack wurde außerdem von Kritikern in der Awo vorgeworfen, über Jahre hinweg ein System der Intransparenz aufgebaut zu haben. Im Zuge der Affäre war nahezu der vollständige Awo-Landesvorstand im vergangenen Jahr zurückgetreten.

Ermittlungsverfahren wegen Untreueverdachts

Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt gegen Hack und weitere Beschuldigte seit Juni 2020 unter anderem wegen des Verdachts der Untreue. Auslöser war eine Anzeige wegen überzogener Gehälter. Das Ermittlungsverfahren laufe noch, teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. September 2021 | 19:00 Uhr

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