Religion Aus alter Schule in Erfurt soll bald ein Tempel werden

In Erfurt wird es künftig einen buddhistischen Tempel geben: Der Vietnamesische-Buddhistische Kulturverein hat die symbolische Grundsteinlegung dafür gefeiert und will die alte Schule in Gispersleben zur Pagode umbauen.

Betende Menschen stehen um einen großen Stein.
Vertreter der vietnamesischen Delegation und der Kommunalpolitik feiern am Sonntag die Grundsteinlegung für die neue Pagode. Bildrechte: MDR/Boris Hajduković

Es fällt sofort auf: Mitten in Gispersleben, einem nördlichen Vorort von Erfurt, wehen hinter den Mauern eines Grundstücks zahlreiche bunte Flaggen. Sie zieren weiße Statuen, spannen sich von Mauern zu Bäumen und bis in die Mitte des Grundstücks - dorthin, wo die alte Schule des Stadtteils steht.

Mönche aus Vietnam beim Fest in Erfurt

Vor drei Jahren hat der Vietnamesisch-Buddhistische Kulturverein Erfurt-Thüringen die Schule gekauft und am Ostersonntag den symbolischen Grundstein für den Umbau des Hauses gelegt - mit großen Blumenkränzen und einem Feuerwerk am Abend. Zu Gast waren neben Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und Gisperslebens Ortsteilbürgermeisterin Anita Pietsch (CDU) auch Abgesandte des vietnamesischen Konsulats und Mönche aus Vietnam.

An einer Straße steht ein umzäunter Klinkerbau.
Mitten im 4.000-Einwohner-Vorort Gispersleben sieht man schon von Weitem die buddhistischen Fahnen wehen. Bildrechte: MDR/ David Straub

Bisher verraten vor allem die weißen Buddha-Figuren im Garten der ehemaligen Schule, dass hier bald ein richtiger Tempel entstehen soll. Die Figuren stellen den Lebenskreislauf dar, gegenüber dem Eingang der Schule steht außerdem eine große und schwere Glocke, die nur von Mönchen geläutet wird.

Seit 20 Jahren schon haben wir uns über eine Pagode hier in Erfurt Gedanken gemacht.

Binh Hoang vom Vietnamesisch-Buddhistischen Kulturverein

"Seit 20 Jahren schon haben wir uns über eine Pagode hier in Erfurt Gedanken gemacht", sagt Binh Hoang, der von den meisten nur Herr Binh genannt wird. Als dann der Buddhismus auch in Deutschland populärer wird und die Community in Erfurt größer, und schließlich Huyen Tischler vor ungefähr zehn Jahren den Verein gründet, wird ein Tempel immer realistischer. Ein wichtiger Anlass auch für die sieben Mönche, die extra aus Vietnam mit angereist sind, meint Binh Hoang: "Die vietnamesische Delegation hat sich riesig gefreut, dass es hier bald einen echten Tempel in Erfurt geben wird."

Aus Vietnam in die DDR

Binh ist neben der Vorsitzenden Huyen Tischler Stellvertreter des Buddhistischen Kulturvereins und lebt schon seit 1976 in Deutschland. Wie viele andere Vietnamesen kam er damals in den kommunistischen Bruderstaat DDR. Seine Noten waren gut genug für ein Auslandsstudium, in Berlin lernte er deshalb Maschinenbau und begann in Stadtilm, im Gelenkwellenwerk zu arbeiten. Irgendwann dann als Meister.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wollte er sich selbstständig machen, erzählt er: "Ich wollte selber was auf die Beine stellen, habe in Gispersleben ein Restaurant aufgemacht, dann auch eins in Arnstadt, und schließlich den Asia Großhandel im Erfurter Norden."

Es sind die Spenden seiner Firma und die anderer Vietnamesen in Deutschland und Vietnam sowie die Beiträge der circa 200 Mitglieder des Kulturvereins, die den Verein und den Umbau der alten Schule in einen buddhistischen Tempel finanzieren. Insgesamt werden es am Ende fast zwei Millionen Euro sein, die der Verein für alles kalkuliert.

Offener Tempel für alle

Binh Hoang erklärt, dass die Pagode sowohl Gebets- als auch kultureller Begegnungsort werden soll. So solle der neue Tempel auch den Zusammenhalt und die Solidarität in der Gesellschaft fördern und offen für alle sein, die den buddhistischen Glauben kennenlernen und leben wollen. Wenn die Pagode fertig ist, will der Verein beim zuständigen Komitee in Vietnam einen Antrag stellen, so Binh Hoang, damit immer ein ausgebildeter Mönch in Gispersleben vor Ort ist, um die Betenden anzuleiten.

Mehrere Menschen posieren im Halbkreis für ein Foto.
Am Ostersonntag waren nicht nur Vertreter der Kommunalpolitik und dem Ausländerbeirat Erfurt, sondern auch eine Delegation aus Vietnam vor Ort. Bildrechte: MDR/ Boris Hajduković

Gleichzeitig, so erhofft es sich Binh, solle die Pagode eine Attraktion für Touristen werden. Neben Ausflügen zur Krämerbrücke und dem Dom, könnte die Stadt mit einer von wenigen buddhistischen Pagoden in ganz Deutschland locken.

Alte Schule bekommt neues Dach

Vor dem Gebäude der ehemaligen Schule lehnt ein Plakat - darauf ist zu erkennen, wie der buddhistische Tempel bald aussehen soll. "Die Eingänge sollen neugestaltet werden und auf das alte Schuldach wollen wir ein Dach setzen, wie es typisch bei buddhistischen Tempeln in Vietnam ist. Darunter sollen in einem Gebetsraum bis zu 300 Menschen Platz finden können," beschreibt Herr Binh die Entwürfe.

Vor einem Haus hängt ein Plakat mit einem Bauplan.
Auf dem Bauplan vor dem Gebäude lässt sich das geplante neue Dach bereist erkennen. Bildrechte: MDR/ David Straub

Nicht jedes Dorf habe eine solche Pagode zu bieten, sagt Anita Pietsch. Sie pflege schon lange Kontakt zur buddhistischen Gemeinde in Gispersleben und sei von Anfang an auch in die Planung mit eingebunden gewesen.

Dass sich der Verein hier so einbringt, ist eine gute Sache für unser Dorf.

Anita Pietsch Ortsteilbürgermeisterin (CDU) in Gispersleben

Sie freue sich, erzählt die Bürgermeisterin, dass im 4.000-Einwohner Dorf nun bald ein für alle offener buddhistischer Tempel stehen wird und sich "die Vereinsmitglieder auch so aktiv einbringen. Das Fest am Ostersonntag war schon eine Wahnsinnssache" und die vielen hochangesiedelten Mönche aus Vietnam hätten dem Projekt und der Veranstaltung Gewicht verschafft.

Menschen stehen mit einem Blumenstrauß auf einer Bühne.
Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Ortsteilbürgermeisterin Anita Pietsch feiern am Ostersonntag mit der Vorsitzenden Huyen Tischler und einem Abgesandten aus Vietnam. Bildrechte: MDR/ Boris Hajduković

Keine Furcht vor Anfeindungen

In der Vergangenheit haben kleinere Religionsgemeinschaften in Erfurt wie die Ahmadiyya-Gemeinde in Marbach auch schlechte Erfahrungen mit Anfeindungen und Rassismus gemacht, wenn es um den Bau von eigenen Stätten ging.

In Gispersleben habe der Kulturverein aber bisher weitgehend gute Erfahrungen gemacht, sagt Binh Hoang: "Manchmal gibt es Menschen, die schimpfen, aber die meisten sind begeistert von unserem Projekt. Wir machen hier ja nichts Falsches, sondern wollen dazu beitragen, dass Erfurt ein zusätzliches kulturelles Programm hat."

Momentan wartet der Verein noch auf die Zusage vom Bauamt und rechnet damit bis zum Ende des Jahres. Und Herr Binh hofft, "dass wir dann in einem Jahr die richtige Einweihung mit dem neuen Dach feiern können".

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 21. April 2022 | 08:30 Uhr

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