Musik Klänge der Heimat: Polina aus der Ukraine spielt nun Bandura in Erfurt

Als Polina ihre Heimatstadt Mariupol gemeinsam mit ihrer Mutter verließ, war kein Platz für die Bandura. Inzwischen spielt die Zehnjährige in Erfurt dank einer Spende auf einem neuen Instrument - und übt für den Tag der ukrainischen Unabhängigkeit am Mittwoch (24. August).

Ein Mädchen spielt auf dem ukrainischen Instrument Bandura.
"Die Bandura muss aber ganz aufs Foto." Polinas Wunsch ließ sich aufgrund des Bildformats leider nicht erfüllen. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Ihre Finger schweben über die 55 Saiten, zupfen die passenden Töne, verbinden sie zur Melodie. Die zehnjährige Polina entlockt der Bandura, die beinahe so groß ist wie sie selbst, Klänge ihrer Heimat. Vor wenigen Monaten musste das Mädchen mit seiner Mutter die Stadt Mariupol im Osten der Ukraine verlassen. Es ging Richtung Westen, gelandet sind sie in Thüringen.

In Erfurt lernt Polina inzwischen Tag für Tag ein bisschen Deutsch, knüpft Freundschaften und freut sich auf den Schulstart nach den Ferien. Doch bisher vermisste sie das Instrument, mit dem sie sich seit zwei Jahren in Mariupol beschäftigt hat. Denn für die Bandura war kein Platz, als es darum ging, sich so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen.

Ein Mädchen spielt auf dem ukrainischen Instrument Bandura.
Stück für Stück hat sich Polina Miroshnyk mit den vielen Saiten der Bandura vertraut gemacht. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Alte Volksweisen und moderne Popsongs

Kürzlich telefonierte ihre Mutter mit einer Musiklehrerin aus der Heimat. Das Gebäude, in dem zuletzt nicht nur Instrumente untergebracht waren, sondern auch Menschen Schutz fanden, sei bei einem Angriff stark beschädigt worden, ein Kind sei verletzt worden. "Aber lassen Sie uns lieber über schöne Dinge sprechen."

Während die Erwachsenen kurz verstummen, ergreift Polina selbstbewusst das Wort. "Früher habe ich Trommel gespielt", erzählt sie auf Ukrainisch. "Aber meiner Mama war ein Instrument lieber, auf dem man Melodien spielen kann." So kam sie zur Bandura. Diese erinnert an Zither und Laute und gilt als traditionelles ukrainisches Instrument. Alte Volksweisen gehören zu den Klassikern. "Am liebsten spiele ich aber moderne Lieder", sagt Polina. Auf der Bandura sei alles möglich, manche Pop-Bands verknüpfen sie gar mit Elektro-Sounds. "Es gibt übrigens verschiedene Banduras, meine hat 55 Saiten, manche haben weniger, manche sogar noch mehr."

Spende aus Hamburg, Bandura aus der Ukraine

Dass das Mädchen wieder eine Bandura in den Händen halten kann, ist einem glücklichen Zufall und einer großzügigen Spende zu verdanken - und den engagierten Mitgliedern des Vereins der ukrainischen Landsleute in Thüringen. Ilona Mamiyeva vom Verein schildert, eine Profi-Musikerin aus Hamburg habe in einem Beitrag von MDR THÜRINGEN, in dem Polina am Rande vorkam, von dem Verlust des Instruments erfahren. Die Musikerin überwies daraufhin einen hohen dreistelligen Betrag für Polina, der vom Verein aufgerundet wurde.

Erworben wurde das Instrument schließlich im ukrainischen Lwiw. Zuvor wurde es vor Ort von einem Kenner restauriert und für den Gebrauch in Erfurt fit gemacht. Eine ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, die zwischen der Ukraine und Thüringen hin und her pendelt, brachte es schließlich über die Grenze und zu seiner jungen neuen Besitzerin. "Die Kette der Güte funktioniert", sagt Ilona Mamiyeva.

Konzert in Erfurt zum Tag der ukrainischen Unabhängigkeit

Derzeit übt Polina fleißig, denn am 24. August möchte sie mehr Menschen zeigen, wie die Bandura klingt. Der Verein möchte sich zum Tag der ukrainischen Unabhängigkeit farbenfroh in Erfurt präsentieren. Gegen 17 Uhr soll ein Umzug am Domplatz starten, ab 18 Uhr ist am Anger ein Konzert mit mehreren Musikern geplant. Polina freut sich, dass sie mit dabei sein kann.

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MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 23. August 2022 | 16:00 Uhr

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