Sparzwang Elf Millionen Euro fehlen: Uni Erfurt informiert über Kürzungen - Studierendenrat protestiert

Das Präsidium der Uni Erfurt hat in einem Rundschreiben seine Studierenden über umfangreiche Leistungskürzungen informiert. Die Uni muss unter anderem stark gestiegene Kosten für einen Neubau auffangen. Die Kürzungen betreffen die Neubesetzung offener Forschungsstellen, ausgeschriebene Stipendien sowie den Forschungsetat und das Budget der Bibliothek. Der Studierendenrat fürchtet um die Qualität der Lehre und protestiert.

Haupteingang der Universität Erfurt
Der Universität Erfurt fehlen in den nächsten drei Jahren bis zu elf Millionen Euro. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Patricia Geissler

Schon Anfang Mai hatte die Universität Erfurt von einer für sie finanziell "hochangespannten Situation" gesprochen und Leistungskürzungen angekündigt. Jetzt hat das Uni-Präsidium auch die Studierenden in einem Rundschreiben darüber informiert.

Einstellungsstopp und Stellenabbau

Voran steht die Zusage an die Studierenden, trotz "unterschiedlicher Einschnitte" ein angefangenes Studium in jedem Fall beenden zu können. Die Kürzungen treffen insbesondere die Neubesetzung offener Forschungsstellen sowie ausgeschriebene Stipendien für die Promotion. Dazu kommen ein Stellenabbau im Servicebereich sowie ein stark reduziertes Budget für die Forschungsbibliotheken in Erfurt und Gotha. Außerdem soll fakultätsübergreifend bei Lehraufträgen und Anschaffungen gespart werden.

Nach MDR THÜRINGEN-Informationen aus Mitarbeiterkreisen sollen außerdem teilweise Elternzeitvertretungen ausgesetzt werden. Bereits vereinbarte Vorstellungsgespräche auch für Stipendien seien mitunter wieder abgesagt worden.

Kostensteigerung von Forschungsneubau trifft Uni hart

Die knapp 20 Millionen Euro Rücklagen der Universität sind nach eigenen Angaben nahezu vollständig zweckgebunden, 13,8 Millionen davon für Bauvorhaben. Die Universität tritt als Bauherr für einen Forschungsneubau auf, dessen Kosten von ursprünglich veranschlagten elf auf 20 Millionen Euro gestiegen seien. Von dieser Summe muss die Universität demnach zwölf Millionen aus dem eigenen Etat finanzieren, sofern das Bau- oder Finanzministerium nicht zusätzliches Geld zur Verfügung stellten.

Weitere zusätzliche Belastungen führt die Universität mit einer Kürzung von 4,2 Millionen Euro über zwei Jahre als Folge der sogenannten "Globalen Minderausgabe" auf, dazu weitere vier Millionen zehn bis elf Millionen Euro von 2022 bis 2025.

"Naiv": Studierendenvertreter kritisieren Finanzentscheidung des Präsidiums

Der Studierendenrat (Stura) und die Promovierendenvertretung der Universität befürchten laut einer Stellungnahme unmittelbare Folgen für die universitäre Lehre. Außerdem kritisieren sie das Präsidium für Finanzentscheidungen. Trotz der verschiedenen Posten sei die "Quasi-Verdopplung der Kosten des Forschungsgebäudes [...] der entscheidende Kostenpunkt" für die Kürzungen. Rückblickend erscheine es bezüglich des Forschungsneubaus "naiv, dass die Universität damals beim Abschluss der Verträge zwischen den Geldgebern zugestimmt hatte, dass sämtliche Verteuerungen durch sie allein getragen werden."

Dennoch seien die Attraktivität des Projekts sowie die besonderen wirtschaftlichen Umstände durch Pandemie und Ukraine-Krieg als Ursache für die Mehrkosten zu berücksichtigen.

Ein Betonplattengebäude im Rohbau.
Die Kosten für den Forschungsneubau der Universität Erfurt sind stark gestiegen. Bildrechte: MDR/Selina Hartung

Sorge vor überfüllten Seminaren

Letztlich bedeuteten die Kürzungen nach Ansicht der Vertreter, dass nach und nach Promovierende die Universität verlassen, aber kein Nachwuchs folgt. Weil die Doktoranden aber einen wesentlichen Teil der Lehre leisteten, seien durch weniger Personal und dadurch weniger Angebote zukünftig übervolle Seminare zu erwarten. Das sei bereits jetzt ein Problem. Außerdem seien sie für Studierende wichtige Ansprechpartner.

Als Resultat fürchten die Vertreter weniger Wahlfreiheit und eine schlechtere Qualität des Seminar-Angebots. Studierende könnten demnach "wichtige Weichenstellungen für ihren weiteren Lebensweg nicht vornehmen".

Vertreter befürchten auch Schaden für die Forschungsleistung

Zwar würden nach Angaben der Studierenden- und Promovierendenvertreter Verträge eingehalten, dennoch seien für eine Promotion oft Verlängerungen notwendig, insbesondere vor dem Hintergrund erschwerter Pandemie-Bedingungen, die an den Doktoranden nicht "spurlos vorbeigegangen" seien. Sie befürchten weiter, dass fehlende Promotionsaussichten die Hochschule weniger attraktiv für Forschende und Studierende macht.

Damit betreiben wir Raubbau an der Universität, was nicht nur zulasten der Lehre, sondern auch der Forschung geht.

Stellungnahme Studierendenrat Erfurt zu Sparplänen der Universität

Die Vertreter beschließen ihre Stellungnahme mit einem Appell an das Präsidium und die Ministerien, die Pläne zu ändern: "Das Sparen bei Lehre und Forschung ist fatal für eine Universität. [...] Wir werden nichts unversucht lassen, um diese geplanten Einsparungen abzuwenden. Die Sparpläne sind kopflos, sie haben keine Vision für die Zukunft der Universität, sondern berauben sie vielmehr ihrer Zukunft."

MDR

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