Eröffnung für nur einen Tag? Was Händler und Gäste auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt sagen

Der Erfurter Weihnachtsmarkt wurde am Dienstagvormittag wie geplant eröffnet. Noch wissen die Händler und Kunden dort nicht, ob er bald wieder schließen muss. Eine Reportage.

Weihnachtsmarkt Erfurt
Die Eröffnung des Erfurter Weihnachtsmarktes lief reibungslos. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Einen Satz hört man heute hier sehr häufig: "Dann drücken wir Ihnen mal die Daumen". Adressiert ist er an die Händler des Erfurter Weihnachtsmarktes. Seit einer Stunde ist er geöffnet, und noch weiß hier keiner sicher, dass er wegen der geplanten Verschärfung der Corona-Regeln in Thüringen bald wieder schließen muss. Das Aus droht wohl schon am Mittwoch, nur einen Tag nach der Eröffnung.

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Schausteller Jürgen Stoll vor seinem Kinderkarussell Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

"Wir hoffen einfach, dass der Weihnachtsmarkt offen bleibt", sagt Jürgen Stoll, der hier ein Kinderkarussell betreibt. Der Erfurter war schon als Kind auf dem Weihnachtsmarkt mit dabei, in dritter Generation sei er Schausteller, sagt er. Kurz vor der Eröffnung des Marktes fegt er noch Laub zusammen und erzählt, dass er vier Tage lang sein Karussell aufgebaut habe. Länger als der Markt geöffnet sein wird. Aber das ist zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.

Man kann doch nicht schon wieder alles schließen.

Jürgen Stoll Schausteller

"Es kann doch keiner etwas dafür, dass eine Krankheit da ist, aber man muss langsam damit leben können. Man kann doch nicht schon wieder alles schließen." Das sei jetzt schon das zweite Jahr. Die Sicherheitsvorkehrungen in Erfurt und die 2G-Regel findet er gut und ausreichend. Und ja, er sei für eine Impfpflicht. "Zu DDR-Zeiten wurde auch nicht danach gefragt."

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Jeder muss vorweisen, dass er geimpft oder genesen ist. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Am Eingang zum Weihnachtsmarkt bildet sich eine kurze Warteschlange, jeder muss nachweisen, dass er geimpft oder genesen ist. Doch noch ist der Andrang nicht so groß. Deshalb und weil der Markt vielleicht bald wieder schließe, ist Michael Truxa hier.

"Das gehört zur Weihnachtszeit dazu", sagt der Erfurter. Und das solle auch so bleiben: "Wenn jeder geimpft oder genesen ist, ist dagegen doch nichts einzuwenden. Man muss ja nicht gleich die Notbremse ziehen". Vor allem um die Händler gehe es hier. "Wenn geschlossen wird, fragt keiner nach ihnen."

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Der Brezelbäcker Robert Rudolf-Becher versucht, optimistisch zu bleiben. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler


Einer dieser Händler ist Robert Rudolf-Becher aus dem Erfurter Umland. Er hat hier eine Brezelbude und sagt: "Ich fände es natürlich nicht schön, wenn der Weihnachtsmarkt wieder geschlossen werden sollte. Man darf die Gesundheit nicht außer Acht lassen, aber die Menschen brauchen das. Ich denke an die Kinder, die Familien. Ich wünsche jedem, Weihnachten zu erleben".

Alle sind geimpft oder genesen

Und wie ist es für ihn persönlich? "Wenn ich pessimistisch da rangehe, habe ich nichts gewonnen. Ich hoffe einfach, dass der Weihnachtsmarkt geöffnet bleibt." Es gebe schließlich Möglichkeiten, alles so umzusetzen, dass es für niemanden gefährlich sei. "Wir sind alle geimpft", sagt er.

Extra für den Weihnachtsmarkt frei genommen

Conni Wrobel aus Waltershausen steht mit ihrer Tochter Lisa vor einem Punschstand, auf dem Tischchen vor ihnen stehen ein Eierpunsch, ein Glühwein und eine Portion Poffertjes. "Das ist immer das erste, das wir essen", sagt Lisa Wrobel lächelnd. Jedes Jahr seit über zehn Jahren kommen sie zur Eröffnung des Erfurter Weihnachtsmarktes; Lisa Wrobel hat sich dafür extra frei genommen.

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Conni und Lisa Wrobel aus Waltershausen freuen sich, hier zu sein. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Wir haben uns so gefreut.

Conni Wrobel aus Waltershausen

"Wir haben uns so gefreut und haben dem richtig entgegengefiebert. Wir wollten wieder ein bisschen gesellschaftliches Leben sehen", erzählt ihre Mutter. Und wenn der Markt wieder schließt? Conni Wrobel: "Das wäre sehr traurig. Das würde mir sehr leid tun, für die Händler und die anderen Besucher".

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Noch ist die Zahl der Besucher überschaubar. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Allmählich füllt sich der Domplatz, aber noch ist viel Luft zwischen den Menschen. Die meisten Besucher tragen einen Mund-Nasen-Schutz. Es sind keine Weihnachtslieder zu hören, die Stimmung scheint insgesamt ein wenig bedrückter als sonst, der kalte feine Nieselregen passt perfekt dazu. Da fällt eine Gruppe fröhlicher Frauen besonders auf.

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Die Frauen aus Bitterfeld-Wolfen sind extra angereist. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Sie kommen aus Bitterfeld-Wolfen und sind heute Morgen extra mit dem Reisebus hierhergefahren, "weil’s so schön" und außerdem Tradition ist. "Heute fehlt uns die Musik", sagen sie. Das 2G-Konzept finden sie gut, "da fühlen wir uns auf der sicheren Seite". Und ja, es wäre traurig, wenn der Weihnachtsmarkt schließen müsste, "es wäre schön, wenn er bliebe, weil er zu Weihnachten dazugehört. Aber wenn es sein muss, muss es sein", sagt Doris Erben, eine der Frauen.

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Susanne Seiler aus Neustadt/Coburg: "Wir arbeiten das ganze Jahr für Weihnachten". Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Wir arbeiten das ganze Jahr für Weihnachten. Wenn der Markt zumacht, kann ich nichts verkaufen, dann bleibt die Ware stehen.

Susanne Seiler Christbaumschmuck Seiler Glas

Nah bei der Krippe steht ein Stand mit gläsernem Christbaumschmuck aus Lauscha. Die Händlerin Susanne Seiler hat gut zu tun. Doch auch sie macht sich Sorgen. "Unsere Familie lebt vom Christbaumschmuck. Es ist eine ganz schwierige Zeit. Es wäre sehr schlimm, wenn der Markt in zwei Tagen zumachen würde. Da spielen Existenzängste mit. Das ist ja schon das zweite Jahr." Das Kapital sei gebunden an die Ware.

"Davon kann man sich ja kein Heizöl kaufen", sagt die Neustädterin, die seit sechs Jahren Weihnachtsschmuck auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt verkauft. "Wir arbeiten das ganze Jahr für Weihnachten. Wenn der Markt zumacht, kann ich nichts verkaufen, dann bleibt die Ware stehen."

Besser kann man ein Hygienekonzept nicht machen.

Susanne Seiler Christbaumschmuck Seiler Glas

Das Hygienekonzept der Stadt sei vollkommen ausreichend. "Die haben sich wirklich Mühe gegeben und haben Geld in die Hand genommen. Es gibt Zähler, alle sind geimpft oder genesen. Besser kann man es nicht machen", sagt Susanne Seiler. Eine Kundin sagt: "Ich hoffe, dass Sie voll da sind". "Ja, das hoffen wir auch", erwidert Susanne Seiler, und fügt hinzu: "Die Regierung müsste mal über den Markt laufen und sich anschauen, wie sicher das hier ist".

"Die entscheiden nur von oben", antwortet die Kundin und sagt noch: "Dann wollen wir mal die Daumen drücken", bevor sie ihrer Wege geht. Es wird umsonst gewesen sein.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. November 2021 | 19:00 Uhr

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