Ein ganzes Jahr beim Landwirt "Schwein gehabt" war früher!

Autor Jens Roder
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Es gab Zeiten, da war "Schwein haben" noch was richtig Schönes. Da hat man als Schweinezüchter jeden Tag seine Ferkel gefüttert, und nach ein paar Wochen gab’s eine dicke Stange Geld vom Schweinemäster. Und der wiederum hat nach ein paar weiteren Wochen gutes Geld vom Schlachthof bekommen.

Ställe 2 min
Bildrechte: MDR/Jens Roder
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Es gab Zeiten, da war "Schwein haben" noch was richtig Schönes. Erst fütterte man als Schweinezüchter die kleinen Ferkel, dann gab's "dickes" Geld vom Mäster. Das ist nun vorbei.

MDR THÜRINGEN - Das Radio So 12.06.2022 08:20Uhr 01:40 min

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Info zur Serie "Ein ganzes Jahr beim Landwirt" Von der Aussaat bis zur Ernte und darüber hinaus: MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder begleitet ein Jahr lang Landwirte in Thüringen und berichtet über ihr Leben und ihre Arbeit.

Diese Zeiten sind lange vorbei. Aktuell machen Ferkelzüchter wie Bert Kämmerer rund 50 Euro Verlust pro Ferkel. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Schon im Januar wurde der Strom teurer. Ende Februar, mit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine, gingen die Strompreise weiter nach oben. Inzwischen bezahlt die Geratal Agrar den 4fachen Strompreis gegenüber dem Vorjahr.

Mann mit Brille in einem Stall
Das Lächeln fällt den Thüringer Schweinehaltern schwer. Auch bei Bert Kämmerer, Geschäftsführer von Geratal Agrar, ist das so. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Dann sind da noch die Nachwirkungen der zwei Corona-Jahre. Kaum Gastronomie, kaum Schnitzel auf den Speisekarten, macht ein Überangebot an Schlachtschweinen und damit sehr niedrige Preise, die die Schlachthöfe an die Schweinehalter zahlen.

Und ab Juli wird die Situation noch angespannter. Dann läuft der alte Futtermittelkontrakt zu moderaten Preisen aus. Der neue wird deutlich teurer, die Futtermittelpreise sind seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine stark gestiegen. Zu den 50 Euro Verlust pro Ferkel, die Bert Kämmerer jetzt schon hat, kommen dann noch 30 bis 40 Euro Verlust hinzu.

Ferkel trinken
Niedlich sind die kleinen Ferkel. Für ihren Besitzer aber ein teurer "Spaß". Bildrechte: MDR/Jens Roder

Dann kam am 7. Juni noch die Sache mit dem neuen Tierwohllabel des Bundesagrarministers. Auch das hat die Stimmung kein wenig aufgehellt. Ist zwar gut und schön für die Schweine, aber für den Schweinehalter wird es immer komplizierter, sagt Bert Kämmerer.

Wir haben einen Überbietungswettbewerb, was die Labels betrifft.

Landwirt Bert Kämmerer

Neben dem jetzt vorgestellten staatlichen Label gibt es seit einem Jahr schon das Label des Lebensmittel Einzelhandels, und die Landwirte haben seit fünf Jahren ihr eigenes Label. Wer soll da noch durchsehen. Und alle zwei Jahre den Schweinestall umbauen, weil sich die Vorgaben geändert haben, ist so etwas wie wirtschaftlicher Selbstmord.

Was also tun? Aufhören mit der Schweinehaltung? Für Bert Kämmerer ist das aktuell  noch keine Option. Elf Mitarbeiter sind in der Schweineproduktion beschäftigt und die  Schweinegülle wird für die Biogasanlage gebraucht. Nur so kann der landwirtschaftliche Kreislauf funktionieren:

  1. Schweine
  2. Gülle
  3. Biogasanlage/Dünger fürs Feld
  4. Weizen
  5. Schweine

Es hängt eben alles voneinander ab in der Landwirtschaft und macht nur zusammen Sinn. 

Alle Beiträge zur Serie:

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MDR (ifl)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 13. Juni 2022 | 08:20 Uhr

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