Ein ganzes Jahr beim Landwirt Saisonstart der Bauern

Autor Jens Roder
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Gummistiefel an, Strohhut auf und den Trecker-Schlüssel in der Latzhose. Reporter Jens Roder will ein Langzeitprojekt starten: Ein Jahr in der heimischen Landwirtschaft. Hier berichtet er von seinem "Feldversuch".

Tankwagen auf dem Feld
Bildrechte: MDR/Jens Roder

Vermutlich haben wir in unserem Leben dieses Frühjahrslied alle schon mal geträllert, früher in der Schule oder dann später im Handwerkerchor: "Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt."

An den Zeitbezügen "früher" und "später" merken sie schon, das Lied scheint nichts an Aktualität zu verlieren. Was früher gestimmt hat, passt heute immer noch. Im März schüttelt der Landwirt den Winterschlaf ab und dann geht’s auf dem Feld so richtig los. Nur die Stelle mit den Rößlein müsste mal textlich überarbeitet werden. Denn heute kommt High-Tech zum Einsatz!

Langzeitbeoachtung: Ein Jahr Landwirtschaft

Das Leben als Landwirt ist extrem vielfältig und steckt immer voller Überraschungen. Das Wetter grätscht ständig dazwischen, genauso wie der Weltmarkt. Die Arbeit muss erledigt werden, wenn sie anfällt. Ein Zwölf-Stunden-Tag oder eine Nachschicht während der Erntezeit sind völlig normal. Da unser Wissen über die Arbeit und das Leben unserer Thüringer Landwirte eher begrenzt ist, wollen wir die Mitarbeiter der Geratal Agrar GmbH ein ganzes Jahr lang begleiten. Denn wenn wir ehrlich sind, Landwirtschaft ist für viele von uns mit vielen negativen Klischees behaftet: Massentierhaltung, Pestizide, Gülle und dann kommt noch dieser ständige Gestank dazu.

Wir schauen uns also an, welche Arbeiten zu welchen Jahreszeiten auf den Feldern stattfinden. Und Sie werden überrascht sein, mit welchem enormen Fachwissen Entscheidungen über Aussaat- und Erntetermine oder über die Dosierung der Düngemittel getroffen werden. Wir wollen natürlich auch wissen, wie läuft das mit der Familie bei den ständig wechselnden Arbeitszeiten? Wann machen Landwirte Urlaub? Gehen Landwirte auch in die Oper oder Gemäldegalerie? Und: suchen wirklich so viele Bauern noch immer eine Frau? Sie sehen also, es gibt genügend Stoff für ein ganzes Jahr und eigentlich auch für einen "Jahres-Song" der Landwirtschaft. Mal sehen, was der Bauer dann im April so alles anstellt.

Der erste Besuch

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Zu viel Schlamm zum Güllefahren. Reporter Jens Roder hat sich mit zwei Landwirten verabredet, eigentlich zum Düngen - doch das Wetter hat andere Pläne.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 19.03.2022 11:10Uhr 01:43 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-feldversuch-roder-guelle100.html

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Audio

Christian Urbach von der Geratal Agrar GmbH sitzt in seinem Traktor. Und der wiederum ist 360 PS stark. Um 8 Uhr ist Schichtbeginn, sein Chef hat ihn zum "Güllefahren" eingeteilt. Mag sein, dass das früher mal eine Strafarbeit war, für ständiges Zuspätkommen oder so. Da wurde die Gülle sehr grob und großflächig auf dem Feld verteilt. Und den Gestank gab es inklusive, besonders für den Fahrer. Ohne Dusche nach Feierabend lief da gar nichts.

Christian Urbach von der Geratal Agrar GmbH im Traktor
Christian Urbach von der Geratal Agrar GmbH im Traktor Bildrechte: MDR/Jens Roder

Es stinkt (nicht)

Diesen Hygienezwang nach getaner Arbeit kennt Christan Urbach mit seinen 30 Lebensjahren nicht mehr. Er hat auf der Landwirtschaftsschule gelernt, wie man Gülle umweltverträglich und nahezu geruchsneutral ausbringt. 

Landwirtschaftsmaschine
Punktgenau... Bildrechte: MDR/Jens Roder

Man braucht nur die entsprechende Technik: Sein Traktor zieht nicht einfach nur ein Güllefass, sondern ein Güllefass mit 30 Schläuchen an jeder Seite. So wird punktgenau jede Pflanzenzeile auf dem Feld getroffen. Die Güllemenge regelt der Computer. Geruchsbelästigung im Fahrerhaus gleich null! Und draußen stinkt es auch überraschend wenig.  

Christian Urbach von der Geratal Agrar GmbH im Traktor
Über die Technik wird die Menge des Düngers gesteuert. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Und moderne Landwirtschaft bringt die Gülle auch nicht bei jedem Wetter aufs Feld. Ist es zu feucht, würden die großen Traktorenräder jede Menge schlammige Erde mitreißen und so die kleinen Pflanzen beschädigen. Bei Frost ist das Gülleausbringen sogar verboten. Die stinkende Flüssigkeit könnte nicht im gefrorenen Boden versickern und dann wäre die Kacke am Dampfen, wie man so schön sagt.   

Tankwagen auf dem Feld
Ist hier die Kacke am dampfen...? Bildrechte: MDR/Jens Roder

Muss Gülle noch sein?

Man hört doch so viel von Nitrat im Trinkwasser... - "Das kann schon passieren", sagt Rene Döring, in der Geratal Agrar für den Pflanzenbau verantwortlich. "Aber das ist nicht unsere Art von Landwirtschaft." Für ihn geht es um den landwirtschaftlichen Kreislauf. Der sieht grob skizziert so aus: Die Futterpflanzen auf dem Feld landen im Magen von Schweinen und Kühen. Deren Mist und Gülle kommen dann als Stickstofflieferanten wohldosiert zurück auf die Felder, da Mais und Getreide dem Boden ja vorher Stickstoff "geklaut" hatten, um groß und stark zu werden. So wie es auch der kleinbäuerliche Familienbetrieb macht, nur im größeren Maßstab mit rund 90 Mitarbeitern. Also weit und breit keine Gefahr fürs Trinkwasser.     

Rene Döring, in der Geratal Agrar für den Pflanzenbau verantwortlich
Rene Döring, in der Geratal Agrar für den Pflanzenbau verantwortlich Bildrechte: MDR/Jens Roder

Regionaler Anbau

Aktuell kommt noch ein wirtschaftlicher Aspekt dazu. Wegen des Kriegs in der Ukraine sind die Preise für Stickstoffdünger explodiert. Durch den eigenen Stickstoff-Biodünger made by: eigene Schweine und Kühe kann Rene Döring viele Euro einsparen. Außerdem hat die Weltpolitik auch Einfluss auf seine Pläne für die Frühjahrsaussaat. Die Anbaufläche für Sonnenblumen wird um ein Viertel vergrößert, wegen der großen Nachfrage nach Sonnenblumenöl. Nebenbei hofft er noch, dass die stark gestiegenen Spritpreise zu einem Umdenken bei uns, bei den Verbrauchern führen. Bislang ist es ja üblich, Fleisch, Milch, Obst und Gemüse quer durch Deutschland und Europa zu fahren, um dann alles auf die Supermärkte zu verteilen. Wenn die Fahrtkosten aber die Preise in den Fleisch- und Gemüseabteilungen nach oben treiben, dann lohnt sich plötzlich der Blick zum regionalen Anbieter nahe der eigenen Haustür, der diese Kosten nicht hat. Nicht zu vergessen der Beitrag für den Klimaschutz …

Info zur Serie "Ein ganzes Jahr beim Landwirt" Gummistiefel an, Strohhut auf und den Trecker-Schlüssel in der Latzhose. MDR THÜRINGEN-Reporter Jens Roder hat ein Langzeitprojekt gestartet: Ein Jahr in der heimischen Landwirtschaft.

Was haben die Bauern in welcher Jahreszeit zu tun? Wie entstehen Milch-und Fleischpreise? Hier berichtet er von seinem "Feldversuch" - die dritte Woche bei der Geratal Agrar im Kreis Sömmerda.

Alle Beiträge zur Serie:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 18. März 2022 | 08:10 Uhr

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