Ein ganzes Jahr beim Landwirt Schlechte Maisernte in Thüringen

Jetzt, Ende August, werden die Früchte monatelanger Arbeit eingefahren. Deswegen ist die Erntezeit für den Landwirt die schönste Zeit des Jahres, eigentlich. Denn dieses Jahr will sich dieses schöne Gefühl nicht so richtig einstellen.

Mann im Maisfeld
Wie im Maislabyrinth. Kleiner Mann, großer Mais. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Landwirt Rene Döring schlägt mir zunächst eine kleine Rundreise vor. Er möchte mir seine verschiedenen Maisfelder bei Andisleben im Kreis Sömmerda zeigen. Den Anfang macht das Prachtstück, das den meisten Regen abbekommen hat. Die einzelnen Maispflanzen sind größer als er selbst. Es sieht nach einer guten Ernte aus. Für den späteren Vergleich nehmen wir einen gut gewachsenen Maiskolben mit.

Zu wenig Regen in diesem Jahr

Auf Maisfeld Nummer zwei läuft gerade die Ernte. Die Pflanzen sehen im Vergleich zum Vorgängerfeld ganz schön mickrig aus. Eben haben wir noch in das Feld hineingeschaut, jetzt schauen wir locker darüber hinweg. „Deutlich zu wenig Regen“, sagt Rene Döring. Und dabei liegen beide Felder nicht mal einen Kilometer auseinander. Am Tag zuvor haben sie ein ähnliches Feld abgeerntet. Normalerweise hätte die Maismenge zwei bis drei Futtersilos gefüllt. Diesmal reichte es nicht mal für ein Silo.

Erntemaschinen auf Maisfeld
Kleine Pflanzen, kleine Kolben - die Maisernte ist schnell erledigt. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Für unseren Vergleich brechen wir noch zwei Maiskolben ab, steigen wieder ins Auto und fahren weitere zwei Minuten. Die Staubwolke hinter dem Auto lässt schon eine gewisse Vorahnung aufkommen. Es wird noch schlimmer. Wenn es so was wie „Bonsai-Mais“ gibt, dann steht der auf Feld Nummer drei. Die Maiskolben sind kaum oder gar nicht entwickelt.

Mann im Maisfeld
Fürs Maislabyrinth ungeeignet. Kleiner Mais, großer Mann. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Landwirte haben noch Vorräte aus guten Erntejahren

Jetzt ist es Zeit für unseren Vergleich. Geschält platzieren wir die Maiskolben von unseren drei verschiedenen Feldern auf der Ladefläche von Rene Dörings Auto. Die Unterschiede sind gravierend, erschreckend, vielleicht gar existenzbedrohend.

Maiskolben
Unser Maiskolbenvergleich: oben der große vom ersten Feld mit viel Regen, in der Mitte zwei Kolben vom zweiten Feld, unten das dritte Feld mit ganz wenig Regen. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Noch haben die Andislebener Landwirte Vorräte aus dem gutem Maiserntejahr 2021. Wird aber 2023 ähnlich trocken wie dieses Jahr, dann würde das Futter nicht mehr reichen, dann müssten sie wahrscheinlich Milchkühe verkaufen.

Sojabohnen aus Thüringen

Und weil wir gerade über die Zukunft nachdenken, stellt mir Rene Döring noch die Sojabohne vor. Denn jammern hilft bekanntlich nicht. Der Ausweg sind Feldpflanzen, die mit Trockenheit und Hitze besser klarkommen. Erste Versuche hätten schon gezeigt, dass die wärmeliebende Sojabohne auf den Andislebener Feldern ganz gut gedeiht, als Folge der Klimaerwärmung.

Maisfeld
Mais in Thüringen, eine Pflanze ohne Zukunft? Bildrechte: MDR/Jens Roder

Allerdings schränkt Döring ein, bräuchte man dann auch Abnehmer für die neue Feldfrucht. Die Nahrungsmittelhersteller müssten also ihre Sojaimporte reduzieren und stattdessen Soja aus Thüringen verarbeiten. Netter Nebeneffekt: Soja aus Andisleben hätte dank der kurzen Transportwege auch eine deutliche bessere CO2-Bilanz.

Alle Teile der Serie "Ein ganzes Jahr beim Landwirt"

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 19. August 2022 | 12:30 Uhr

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