Riethgen Wie eine Tischlerin allein ein altes Rittergut saniert

Allein ein Rittergut zu sanieren, klingt für den einen oder anderen nach anstrengender Arbeit und viel Fleiß - für die gelernte Tischlerin und Holztechnikerin Dorrit Schulze-Uhrich ist es der Anfang eines dreijährigen Projektes. Aus dem früheren Pächterhaus in Riethgen soll ein Hofcafé mit Ferienwohnungen werden.

Frau steht neben bebauten Hauseingang
Mit Videos aus dem Internet und eigener Handwerkserfahrung fing Dorrit Schulze-Uhrich vor drei Jahren an, das Rittergut zu sanieren. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Wo andere hadern und durchrechnen, ob etwas funktioniert, packt sie einfach an: Dorrit Schulze-Uhrich, 54 Jahre alt, gelernte Tischlerin und Holztechnikerin. Seit drei Jahren saniert sie in der Thomas-Müntzer-Siedlung in Riethgen im Landkreis Sömmerda im Alleingang ein ehemaliges Rittergut, das eigentlich schon dem Verfall preisgegeben war. Ihr Ziel: Sie will im früheren Pächterhaus künftig ein Hofcafé betreiben, um Radfahrer und Wanderer des 200 Meter entfernt gelegenen Unstrut-Radweges anzulocken. Auch Ferienwohnungen sollen in dem Haus entstehen.

Bebautes Haus
Um ihren Traum eines Hofcafés erfüllen zu können, hat Dorrit Schulze-Uhrich ihren alten Hofladen in Sömmerda verkauft. Das war sozusagen das Startkapital für die Sanierung. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Haus verfiel mehr und mehr

Immer wieder ging Dorrit Schulze-Uhrich vor einigen Jahren ihre Runden mit dem Hund durch die Siedlung. Dabei lief sie auch immer wieder am mittelalterlichen Pächterhaus vorbei, das zum alten Rittergut gehört. Immer wieder dachte sie: Es kann doch nicht sein, dass dieses Haus mehr und mehr verfällt. Für die gelernte Tischlerin und leidenschaftliche Handwerkerin schwer zu ertragen.

Sie entschied sich, es zu kaufen und nach und nach zu sanieren. Zu dem Zeitpunkt war das 900 Quadratmeter große Pächterhaus in ihren Worten eine Ruine: "Katastrophe. Müll bis unters Dach, DDR-kaputt-saniert, überall Linoleum-Belag, die Dielen waren aufgequollen, so hoch gegangen, weil dieses Linoleum das praktisch versiegelt hat, es war schon kein schöner Anblick. Da muss man schon ein bisschen verrückt sein, um sich das anzutun."

Container steht neben Hauswand
Mittlerweile weiß sie nicht mehr, wie viele dieser Container schon mit Müll beladen wurden, erzählt Dorrit Schulze-Uhrich. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Schulze-Uhrich vom Ehrgeiz gepackt

Während andere bei diesem Anblick die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden, war Dorrit Schulze-Uhrich vom Ehrgeiz gepackt, sie fing einfach an. Da sie unter der Woche in einer Firma in Weißensee angestellt ist, arbeitet sie meist an den Wochenenden. Zuerst hieß es, den Müll loszuwerden, containerweise.

Dann begann sie, mit einem Hammer die Innenwände einzuschlagen, kratze alte Tapeten ab und brachte sich selbst das Fliesenlegen bei - mit Videos aus dem Internet. Die Arbeit hat sich inzwischen bereits ausgezahlt: Im Untergeschoss ist eine modern sanierte Wohnung entstanden, in der sie seit diesem Jahr wohnt. Von hier aus kann sie sich nun im Haus weiter voran arbeiten.

Dachboden mit Möbeln
Neben ihrem Ziel, ein Hofcafé eröffnen zu können, möchte Dorrit Schulze-Uhrich im ehemaligen Pächterhaus auch Ferienwohnungen für Touristen anbieten. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Über das Rittergut ist nicht viel bekannt

Über das mittelalterliche Haus selbst ist nicht viel bekannt. Dorrit Schulze-Uhrich weiß nur, dass das damalige Rittergut von einem Pächter verwaltet wurde und dieser vermutlich samt der Bediensteten in diesem Haus gelebt haben. In dem 300 Quadratmeter großen Kellergewölbe war früher vermutlich ein Verlies.

Einen Goldschatz habe sie in dem Haus leider noch nicht gefunden, sagt sie schmunzelnd. Um das Haus überhaupt sanieren zu können, hat sie ihren alten Hofladen in Sömmerda verkauft und hatte damit sozusagen ein Startkapital. Dazu kamen noch mal Fördermittel von der regionalen Aktionsgruppe Sömmerda-Erfurt. So konnten inzwischen auch das Dach und die Fenster des Hauses saniert werden.

Ihr nächstes Ziel ist ein Hofcafé im Erdgeschoss. Wenn sie die noch wüsten und leeren Räume betritt, hat sie bereits Bilder vor Augen, wie es einmal aussehen soll. Ihre Vorstellung ist, mit dem Hofcafé Rad- und Wandertouristen vom Unstrut-Radweg anzulocken, eventuell auch Paddler. Denn Unstrut sowie Radweg sind nur rund 200 Meter von dem Gut entfernt.

Frau steht mit einem Hund in bebauten Raum
Auch Hünding Emma fühlt sich im künftigen Hofcafé wohl. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Café soll nächsten Sommer öffnen

"Die meisten Radfahrer auf dem Unstrut-Radweg sind ja am Wochenende unterwegs und da hab ich mir gedacht: "Da haben die ein schönes Ziel und hier einen schönen Hof, wo sie auf der Terrasse sitzen, einen Kaffee trinken, ein bisschen Kuchen essen. Und dann ist das vielleicht so ein kleines Ausflugsziel für Sömmerda und Umgebung, weil: Wenn man den Unstrut-Radweg befährt, gibt es nicht viel."

Das Café will sie, wenn alles gut läuft, im nächsten Sommer eröffnen. Aber sie hat auch langfristige Pläne: Im Obergeschoss des Pächterhauses sollen Ferienwohnungen entstehen, auf dem Gelände um das Haus können Camper ihre Zelte aufschlagen.

Und als Tierfreundin ist ihr Wunsch zudem, künftig irgendwann Schweine, Schafe und Hühner auf dem Gelände zu haben: "Ich muss ja auch irgendwie das alles beweiden und bewirtschaften dann. Vielleicht sogar im Hofcafé die Eier von den eigenen Hühnern dann zum Backen verwenden oder fürs Frühstück oder so. Also, so ist der Plan."

Bebautes Haus mit Enten im Vorgarten
Die begeisterte Handwerkerin hat sogar geplant, Tiere auf dem Grundstück zu halten. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Anfangs wurde sie belächelt

Für ihre Ideen und Pläne wurde die 54-Jährige von ihrem Umfeld anfangs belächelt. Auch als sie die Bank nach einem Förderkredit fragte, war die Skepsis vonseiten der Bank groß. Doch inzwischen sei vielen um sie herum klargeworden, dass die Ideen nicht bloß Spinnereien waren, sondern dass sie das, was sie vorhat, auch umsetzt.

Für Dorrit Schulze-Uhrich selbst ist das Sanieren und Einrichten einfach ein Hobby, sagt sie: "Andere gehen ins Fitnessstudio - ich hab meinen Vorschlaghammer oder meinen Beton oder meine Mischung, die ich mache. Es macht mir Spaß! Und das Schöne ist, man sieht am Ende des Tages: Das habe ich gemacht und das ist wieder ein Schritt weiter."

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 23. Juni 2022 | 15:10 Uhr

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