Covid-19 Ein Thüringer auf der Suche nach dem Corona-Medikament

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Die Suche nach einem wirkungsvollen Medikament gegen das Coronavirus. An einem Fraunhofer Institut in Hamburg untersuchen Forscher rund 6.000 Wirkstoffe. Mit dabei ist auch ein Thüringer. Der Biochemiker Bernhard Ellinger aus Ollendorf im Landkreis Sömmerda.

Mann arbeitet im Labor
Der Biochemiker Bernhard Ellinger aus Ollendorf im Landkreis Sömmerda forscht an einem Medikament gegen Corona. Bildrechte: Frauenhofer ITMP/Martin Kunze

Sie ist wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Suche nach einem Wirkstoff, der das Coronavirus stoppt. Für die Forscher begann diese Suche schon Anfang letzten Jahres, als die ersten Coronafälle nach Deutschland kamen. Ärzte, die die ersten Patienten untersuchten, meldeten sich bei den Wissenschaftlern in Hamburg - am Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie. Denn: Sie haben eine der größten Medikamenten-Bibliotheken der Welt, in der rund 6.000 Wirkstoffe abgelegt sind. Mithilfe von Computern begannen die Wissenschaftler diese Wirkstoffe zu untersuchen. Einer von ihnen: Der Thüringer Biochemiker Bernhard Ellinger.

Mit Corona infizierte Zellen unter der Lupe

Bernhard Ellinger ist aufgewachsen in Ollendorf im Landkreis Sömmerda. Seit zehn Jahren lebt er in Hamburg, schaut sich unter dem Mikroskop an, wie Medikamente in den menschlichen Zellen wirken.

Mann arbeitet im Labor
Ellinger in seinem Labor in Hamburg. Bildrechte: Fraunhofer ITMP/Bernd Müller

Seit etwa einem Jahr hat er auch Zellen von Coronapatienten unter der Lupe. Zum Beispiel Zellen aus einer Lunge, die mit dem Coronavirus infiziert wurden. Gemeinsam mit einem Team von rund 20 Biologen, Biochemikern und Bioinformatikern untersucht er, welche Stoffe das Virus bremsen können. Das wiederum kommt auch anderen Wissenschaftlern zugute, in Hamburg, Frankfurt am Main oder Tübingen.

6.000 Wirkstoffe getestet

Der Vorteil bei den rund 6.000 Wirkstoffen aus der Bibliothek in Hamburg: Sie sind für Arzneimittel schon zugelassen. Das ist wichtig, denn die Uhr tickt. "Wir wollen ja etwas finden, dass schnell bei den Patienten ankommt", sagt Bernhard Ellinger. "Tatsächlich haben wir relativ schnell Stoffe gefunden, die gewirkt haben." 80 Substanzen seien am Ende übrig geblieben.

Mit ihnen begann dann das Puzzlespiel, welche Stoffe auf unsere Hitliste kommen.

Bernhard Ellinger

Besonders vielversprechend: "Ein Medikament, das schon bei Osteoporose eingesetzt wird." Es blockiert einen Baustein in der menschlichen Zelle. Ohne ihn kann sich das Coronavirus nicht vermehren.

Forscher der Universität Tübingen haben daran weitergearbeitet. Sie haben eine Schwachstelle gefunden: Ein menschliches Enzym, an das sich das Virus anheftet. Wird dieses Enzym ausgeschaltet, kann sich das Virus nicht mehr vermehren, sagt Bernhard Ellinger. Das würde vor allem in einem frühen Stadium der Krankheit helfen, den Krankheitsverlauf abzumildern.

Klinische Studien mit Patienten laufen

Im Dezember seien in Italien die ersten klinischen Studien dazu gestartet - mit 450 Patienten. Im Frühjahr wollen die Forscher die Ergebnisse auswerten. "Dann können wir sagen, wie gut der Stoff wirkt." Weltweit gäbe es derzeit 1.500 Studien zu Medikamenten gegen das Coronavirus. 150 davon würden zurzeit schon an Corona-Patienten laufen.

Insgesamt am vielversprechendsten seien Wirkstoffe, die bestimmte Bausteine in den Zellen hemmen, meint Ellinger. Bekanntestes Beispiel: Dexamethason, das bei schweren Verläufen eingesetzt wird, um eine starke Reaktion des Immunsystems zu unterdrücken. "Auch eine Therapie mit mehreren Wirkstoffen, ähnlich der Therapie gegen HIV, werde kommen", sagt Ellinger.

Die Hoffnung besteht, so der Wissenschaftler, dass in einigen Monaten wirksame Medikamente gegen das Virus eingesetzt werden können. Sie werden dringend gebraucht. Gerade auch wegen der Mutationen des Virus und der Befürchtung, die Impfungen könnten gegen neuen Mutation nicht wirken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 23. Januar 2021 | 19:00 Uhr

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