Vandalismus Pavillon mit dem Titel "Weimar hat ein Neonazi-Problem" umgeworfen

Mit einem Ausstellungspavillon auf dem Weimarer Theaterplatz sollte laut Veranstalter an die Stadtgesellschaft Weimars appelliert werden, mehr Zivilcourage gegen Neonazis, Rassismus und Faschismus zu zeigen. In der Nacht zum Mittwoch wurde er umgeworfen. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei.

Der Pavillon "Weimar hat ein Neonazi-Problem" liegt zerstört auf dem Boden, Bodo Ramelow besichtigt die Schäden
Wer den Pavillon umgeworfen hat, muss die Polizei ermitteln. Bildrechte: Daniel Schmidt

Unbekannte haben in Nacht auf Mittwoch eine Installation auf dem Weimarer Theaterplatz umgeworfen. Der beschädigte Pavillon mit der Aufschrift "Weimar hat ein Neonaziproblem" wurde am frühen Morgen entdeckt.

Der Pavillon "Weimar hat ein Neonazi-Problem" liegt zerstört auf dem Boden, Bodo Ramelow besichtigt die Schäden
Bereits am Dienstag war der Pavillon beschmiert worden, in der Nacht darauf wurde er umgeworfen. Bildrechte: Daniel Schmidt

Wie das Bürgerbündnis gegen Rechts als Unterstützer der Installation mitteilte, wurde Anzeige erstattet. Die Kriminalpolizei ermittelt. Die Beamten gehen von einer politisch motivierten Tat aus.

Seit Aufstellen der Installation wurde der Pavillon mehrfach am Tag von Polizisten kontrolliert, zuletzt in der vergangenen Nacht um 1:20 Uhr. Eine Streife habe zu diesem Zeitpunkt keinerlei Schaden festgestellt, teilte ein Polizeisprecher mit. Bereits am Dienstag hatte es Schmierereien im Inneren der temporären Ausstellungsfläche gegeben.

Veranstalter wollen Diskussion anregen

Mit dem Ausstellungspavillon soll laut Veranstalter an die Stadtgesellschaft Weimars appelliert werden, mehr Zivilcourage gegen Neonazis, Rassismus und Faschismus zu zeigen. Gleichzeitig gibt dieser einen Überblick über Beratungsstellen und Ansprechpartner für Betroffene.

ein Holz-Pavillon auf einem großen Platz mit der Aufschrift "Weimar hat ein Neonazi-Problem"
Im Inneren werden rechte Übergriffe aufgelistet und Beratungsstellen benannt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Nach Ansicht der Initiatoren hat die Stadt ein Neonaziproblem. In Weimar gebe es viele Fälle rechter Gewalt. So würden Stolpersteine mit Farbe beschädigt, Fenster von Cafés mit Steinen eingeworfen und Menschen aus rassistischen Motive beleidigt, bedroht und angegriffen.

All dies spiegele die politische und gesellschaftliche Situation in Thüringen. Auch die Gedenkstätte des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Buchenwald werde immer wieder mit Beleidigungen und Sachbeschädigung konfrontiert.

Stadt Weimar sieht kein Neonazi-Problem

Die Stadt Weimar hatte für die Installation in der Innenstadt eine Sondernutzung genehmigt. Allerdings, erklärte Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos), habe er nicht gewusst, um welche Art von Pavillon es sich handelt.

Er hätte sich gewünscht, dass die Aussage "Weimar hat ein Neonaziproblem" mit einem Fragezeichen versehen worden wäre. Das, so Kleine, gebe mehr Stoff zur Diskussion.

ein Holz-Pavillon auf einem großen Platz mit der Aufschrift "Weimar hat ein Neonazi-Problem"
Die Stadt Weimar stimmt dieser Aussage nicht zu. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Prinzipiell findet Peter Kleine es gut, dass über das Thema gesprochen werde, auch wenn er der Aussage nicht zustimme. In Weimar gibt es nach seiner Aussage rechte Straftaten, das sei aber ein Unterschied zu einem Neonaziproblem, so der OB.

Ministerpräsident Ramelow verurteilt die Zerstörung

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) war am Mittwoch in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Dort erhielt er den diesjährigen Friedenspreis "Löwenherz". Vorher war er nach Weimar gekommen, um mit den Initiatoren des Pavillons zu sprechen.

Der Pavillon "Weimar hat ein Neonazi-Problem" liegt zerstört auf dem Boden, Bodo Ramelow besichtigt die Schäden
Bodo Ramelow konnte sich am Vormittag selbst vor Ort ein Bild machen. Bildrechte: Daniel Schmidt

MDR THÜRINGEN sagte Ramelow: "Die Schändung des Pavillons gerade am heutigen Tag - dem Gedenktag an die Novemberpogrome 1938 - ist unerträglich. Es zeigt, dass die Warnungen vor einen zunehmend sichtbaren menschenverachtendem Denken und Handeln mehr als berechtigt sind." Die "demokratische Gesellschaft" müsse solchen Tendenzen jeden Tag und in jeder Stunde entschlossen entgegentreten.

Genehmigung für Pavillon endet am Donnerstag

Inzwischen wurde die Installation repariert und wieder aufgestellt. Nach dem Ablauf der Genehmigung am Donnerstag muss der Pavillon entfernt werden.

Die Initiatoren fordern unabhängig davon weiter beispielsweise mehr finanzielle Mittel für eine unabhängige Antidiskriminierungsstelle, die konsequentere Verfolgung rechter Straftaten von den Sicherheitsbehörden, sowie "eine öffentlichkeitswirksame und unmissverständliche Positionierung der Stadtverwaltung gegen Neonazis, rassistische Diskriminierung und faschistische Ideologien, auch in staatlichen Institutionen".

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. November 2022 | 16:00 Uhr

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