Bauvorhaben Weimar: Streit um Supermarkt in denkmalgeschützter Schlachthofhalle

Die Pläne für einen neuen Supermarkt in Weimar kommen nicht bei allen gut an. Obwohl im sogenannten Kirschberg-Quartier aktuell ein Wohngebiet mit rund 500 neuen Appartements entsteht, halten viele die Ansiedlung eines 1.200 Quadratmeter großen Ladens für überdimensioniert. Der Widerstand wächst.

Geplanter Supermarkt Weimar
In den alten Schlachthof Weimar soll ein Tegut-Supermarkt einziehen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Mehr als 240 Unterschriften hat die Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft eG gesammelt und ans Rathaus übergeben. Eine Anliegerin geht sogar juristisch gegen das Vorhaben vor. Sie hat einen Widerspruch verfasst, will, dass die Baugenehmigung für den Supermarkt zurück genommen wird.

Dabei herrscht Konsens zwischen Stadt und Beschwerdeführern. Sie sind sich einig: Es braucht einen Nahversorger, bei dem die Menschen im Viertel einkaufen können. Doch über die Größe wird heftig gestritten.

"Vor etwa zehn Jahren", berichtet David Hildebrandt, Vorstand der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft (EVG), "hat sich die Gemeinschaft selbst um den alten Schlachthof bemüht." Das denkmalgeschützte Gebäude ist Dreh- und Angelpunkt des Streits. "Wir selbst wollten einen Laden dort eröffnen, mit Produkten aus der Region. Aber damals wurde unsere Bitte abgewehrt."

Geplanter Supermarkt Weimar
Zu groß für einen Bio-Laden, aber groß genug für Tegut? Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Kleiner Bio-Laden neben großem Supermarkt

Vertreter der EVG hatten sich mit ihrem Anliegen an den damaligen Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) und seine Baudezernentin gewandt. "Es gab Gespräche, aber keine schriftlichen Bauvoranfragen", berichtet Ulla Schauber, Aufsichtsratsvorsitzende der EVG. "Man hat unsere Pläne gleich abgewiegelt, mit der Begründung, wir hätten zu Großes vor. Wir wollten auf gut 350 Quadratmeter verkaufen, das war damals wohl für den Einzelhandel zu groß."

Auf die Aussagen aus dem Rathaus haben sich Hildebrandt und seine Mitstreiter damals verlassen. Sie haben ein anderes Objekt gefunden und in unmittelbarer Nähe ihren Bio-Laden aufgebaut. Nun aber die Wendung. Vor wenigen Wochen hat die Stadt nun doch einen Einzelhandel zugelassen. "Und zwar einen, der knapp 1.200qm beansprucht." Die EVG versteht die Welt nicht mehr, fühlt sich ungerecht behandelt.

Wie groß darf ein Nahversorger sein?

Im MDR THÜRINGEN-Gespräch zeigt die amtierende Baudezernentin Claudia Kolb Verständnis. Sie kann die Sorgen der EVG verstehen und auch den Unmut, doch ihr Amt habe nach Recht und Gesetz gehandelt. Der neue Eigentümer der alten Schlachthofhalle hat mit Tegut einen potenziellen Investor gefunden, der einen Nahversorger im Kirschberg-Quartier etablieren will.

"Aber ein Markt in der Größe ist doch kein Nahversorger mehr", werden die Beschwerdeführer laut. Doch Tegut hat den Beweis erbracht. "Ein Gutachten bescheinigt, es handelt sich trotz dieser Größe sehr wohl um einen Nahversorger, der gut zu Fuß und per Rad von den Menschen im Wohngebiet erreicht werden kann. In bestimmten Fällen werden Ausnahmen zugelassen", so Claudia Kolb.

Anwohner befürchten Lärmbelästigung

Die EVG und auch Anwohner fürchten, dass Verkehr und Lärm zunehmen. Laut Kolb gibt es ein Immissionsschutzgutachten und einige Auflagen. "So darf der Supermarkt nur zu Tageszeiten beliefert werden und in Richtung Rosenthalstraße entsteht eine Lärmschutzwand. Außerdem haben Einkaufswagen dort eine Art Flüsterreifen", so die Beigeordnete.

Was aber ist mit dem Verkehr? Die Sorge vor Überlastung einer ohnehin schon unübersichtlichen Kreuzung ist groß. "Und der angrenzende Kindergarten wurde gar nicht in beachtet", so Ulla Schauber von der EVG. Nicht zuletzt fürchten die Händler um Konkurrenz.

Geplanter Supermarkt Weimar
Hinter den Parkplatz grenzt der Kindergarten des Viertels. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

"Die Angst kann man nachvollziehen. Es wäre dumm zu glauben, dass ein neuer Mitbewerber keine Eingriffe in die Umsätze bestehender Märkte bringt. Aber letztendlich ist das kein Thema, was man übers Baugenehmigungsverfahren berücksichtigen kann. Unsere Rechtsordnung kennt keinen Schutz vor gewerblicher Konkurrenz", argumentiert Dezernentin Claudia Kolb.

Die Genossen der EVG sind enttäuscht. Von der Stadt hätten sie sich Unterstützung gewünscht. "Unterstützung für den kleinteiligen, eigentümergeführten oder bürgerschaftlich organisierten Einzelhandel", wie es im Brief zur Unterschriftensammlung heißt. Doch das, so Kolb, sei nicht Gegenstand des Verfahrens. Es ging rein um die Baugenehmigung und "die war zu erteilen. Wen der Eigentümer ins Boot holt, sei seine Sache."

Der Widerspruch steht im Raum. Die Stadt setzt sich gerade mit den Einwänden auseinander. Doch einen Einfluss auf den Baubeginn hat das nicht. Der Bau kann weitergehen. "Der Widerspruch hat im Bauverfahren keine aufschiebende Wirkung", heißt es. Und somit bleibt es wohl dabei - 2024 soll der Tegut eröffnen.

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MDR (dvs)

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