Ampelsystem für Abstand Leinefelde: Transponder statt Maske bei der Arbeit

Die Mitarbeiter eines Automationsunternehmens im Eichsfeld tragen Transponder anstelle eines Mund- und Nasenschutzes. Die kleinen Geräte erinnern die Träger mit Licht und Geräuschen an ausreichend Abstand und ermöglichen Kontaktverfolgung.

Ein Mann hält einen Transponder in der Hand.
An dem Terminal registrieren die Mitarbeiter der Firma Tobol jeden Morgen ihre Transponder, wie auch Geschäftsführer Tobias Funke. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Wenn Cornelia Weißenborn am Morgen die Firma betritt, greift sie nicht zur Maske, sondern zu einem kleinen Gerät. Ein Transponder, nicht größer als eine Streichholzschachtel. Dieses wird sie den gesamten Arbeitstag bei sich tragen, genauso wie alle anderen Mitarbeiter des Unternehmens Tobol in Leinefelde. Am Gürtel, als Hals- oder Armband.

Eine Ampel für Abstand

Die Transponder, vom Hersteller Kinexon "Tags" genannt, funktionieren wie eine Ampel. Leuchtet das Lämpchen grün, gibt es ausreichend Abstand zwischen zwei Personen. Bei Rot sind sich die Kollegen zu nah. Das Gerät gibt einen Piepton von sich, sobald man sich mehrere Sekunden im roten Bereich aufgehalten hat.

Transponder leuchten in grün, gelb und rot in einer Ladestation.
Die Geräte in der Ladestation: Die Lämpchen zeigen wie eine Abstandsampel, ob sich zwei Personen zu nah sind. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Jeder Transponder misst per Funkstandard Ultra-Wideband im Sekundentakt, wie nah er einem anderen Gerät kommt. Dabei lassen sich verschiedene Abstände einstellen. Bei der Firma Tobol in Leinefelde sind es anderthalb Meter, entsprechend den Hygieneempfehlungen. "Wir haben 65 Mitarbeiter, aber durch Corona immer nur 30 Personen gleichzeitig vor Ort. Für alle Kollegen stehen Transponder zur Verfügung", sagt Geschäftsführer Tobias Funke.

Erhebliche Erleichterung für die Mitarbeiter

Prokuristin Cornelia Weißenborn sagt, sie ist froh über die Technologie. "In meinem Bekanntenkreis haben sich viele erstmal lustig gemacht, wir würden eine Fußfessel bekommen. Tatsächlich erspart uns das Gerät das Maske-Tragen über Stunden hinweg. Für uns Arbeitnehmer ist das eine deutliche Erleichterung", sagt sie.

Tobol ist ein Automationsunternehmen für Klima- und Heizungstechnik in Gebäuden. Im Leinefelder Werk produzieren die Mitarbeiter unter anderem große Schaltschränke. Die Geschäftsführung entschied sich vergangenen Herbst für die Corona-Technologie als die Inzidenzen stark stiegen. Seit Jahresbeginn sind die "Tags" im Einsatz.

Kontakte verfolgen bei Corona-Fall

Die Abstandsmesser speichern weder den Standort noch die Bewegungsprofile der Mitarbeiter. Gemessen und gespeichert wird der relative Abstand zwischen zwei Geräten, so Geschäftsführer Funke. Bis auf zehn Zentimeter genau, laut Herstellerangaben.

Ein Transponder an einem Schlüsselband
Die Transponder der Firma Kinexon messen mit Nahfunktechnik in Echtzeit den Abstand zwischen ihren Trägern. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Die Mitarbeiter nehmen sich zu Arbeitsbeginn einen beliebigen Transponder und registrieren sich mit ihrer persönlichen Identifikationsnummer. Am Abend wird das Gerät wieder in die Ladestation gelegt. Dort liest die Software die Kontaktdaten aus. Sollte ein Corona-Fall im Unternehmen auftauchen, lassen sich über das System später die Kontakte zurückverfolgen. "Aber bisher hatten wir noch keinen positiven Test in der Firma", so Funke.

Die Technik hat ihren Preis. Für dreißig Transponder, eine Ladestation und die Software hat das Unternehmen 9000 Euro bezahlt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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