Wahlen Vier Bürgermeister-Kandidaten: Wer regiert künftig Leinefelde-Worbis?

Friseurmeister und AfD-Abgeordnete, die Querdenken-Demos besucht, fordern Amtsinhaber heraus: solche Schlagzeilen gibt es wohl nur zu Bürgermeister-Wahlen. In den nächsten Wochen finden diese in den Thüringer Gemeinden statt. So auch in Leinefelde-Worbis.

Das Ortsseingangsschild von Leinefelde in Thüringen
Der Bürgermeister von Leinefelde-Worbis wird am 12. Juni gewählt. Drei Kandidaten fordern den Amtsinhaber heraus. Bildrechte: dpa

In den nächsten Wochen werden in mehreren Thüringer Kommunen die Bürgermeister neu gewählt. So auch in der Eichsfelder Gemeine Leinefelde-Worbis: Der amtierende Bürgermeister Marko Grosa (CDU) strebt eine zweite Amtszeit an und will erneut antreten. Herausgefordert wird er von gleich drei Gegenkandidaten.

Amtsinhaber Grosa: Einiges erreicht, trotzdem sind nicht alle zufrieden

Der 53-Jährige konnte in seiner ersten Amtszeit einige Erfolge verbuchen. Die Landesgartenschau 2025 holte er in die Stadt. Und im Leinefelder Süden werden in den nächsten Jahren Projekte im Umfang von 130 Millionen Euro umgesetzt. Saniert wurden in Worbis zudem die letzten Straßenabschnitte. Für den Umbau des Klosters gab es bereits eine Förderung mit sieben Millionen Euro. Doch nicht jeder ist mit der Arbeit des Bürgermeisters zufrieden.

Marko Grosa, Bürgermeister der Stadt Leinefelde
Bürgermeister Marko Grosa will noch einmal. Doch drei weitere Kandidaten fordern ihn heraus. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Herausforderer Zwingmann kritisiert Kommunikation des Bürgermeisters

Christian Zwingmann ist 44 Jahre alt und kommt aus dem Ortsteil Worbis. Er ist seit 21 Jahren Friseurmeister und betreibt einen Salon in der Worbiser Innenstadt. Tagtäglich hört er, was die Menschen beschäftigt und möchte das nun als Bürgermeister umsetzen. Zwingmann stört vor allem die mangelnde Kommunikation: "Momentan wird nicht mehr mit den Leuten gesprochen. Man hört immer nur, dass, wenn man Herrn Grosa erreichen will, ihn nicht erreicht. Natürlich hat er viel zu tun. Aber man sollte sich ab und zu Zeit nehmen für die normalen Bürgerinnen und Bürger."

Wann findet die Bürgermeister-Wahl statt? Die Wahl des hauptamtlichen Bürgermeisters findet am 12. Juni statt.

In den Ortsteilen Hundeshagen und Kallmerode werden zudem die Ortsteilbürgermeister gewählt.

Als Beispiel führt er den Abriss der Garagen in Leinefelde an. Dieser hatte zu Unmut bei den Mietern und auch bei den Leinefeldern generell geführt. Die Garagen sollten für das Gelände der Landesgartenschau weichen. "Es war klar, dass das früher oder später passieren musste. Die Kommunikation mit den Leuten war aber nicht gut. Hätte man darüber einfach mal gesprochen, wäre das Ganze vermutlich anders abgelaufen", findet Zwingmann.

Herausforderer Egerer wünscht sich mehr Gegenwind

Auch Ronald Egerer aus dem Ortsteil Wintzingerode will zur Bürgermeister-Wahl der Stadt Leinefelde-Worbis antreten. Der 57-Jährige ist nicht einverstanden mit dem bisherigen Kurs von Bürgermeister Grosa. Er würde sich beispielsweise im Stadtrat häufiger mal Gegenwind wünschen: "Für mich sieht das so aus, dass Herr Grosa den Kurs vorgibt. Und im Stadtrat wird eigentlich nur gesagt: Okay, so machen wir es. Die CDU hat ja auch nicht so eine extreme Mehrheit im Stadtrat, also könnte man die ja auch überstimmen."

Amtsinhaber Grosa weist Kritik zurück

Marko Grosa kann den Vorwürfen aus zwei Gründen nicht zustimmen. Zum einen findet er, dass die beiden Kandidaten bisher nicht genug über die Abläufe in der Verwaltung wissen. Das sei schließlich eine Aufgabe: "Zunächst leitet man als Bürgermeister eine Verwaltung." Zwingmann und Egerer fehle der Einblick bisher. Keiner der beiden saß bisher im Stadtrat oder hatte ein anderes politisches Amt inne. Für Grosa zählen Taten. Er ist der Meinung, dass es der Stadt nicht hilft, wenn er auf den Straßen unterwegs ist und mit den Leuten spricht. "Man muss da unterwegs sein, wo man Fördermittel rekrutiert, wo man was erreicht für die Stadt."

AfD-Stadträtin Voigt kandidiert als Einzelbewerberin und gegen Willen von Björn Höcke

Anja Voigt sitzt seit 2019 im Stadtrat und auch im Kreistag für die AfD. Die 46-Jährige wurde von ihrer Fraktion als Bürgermeister-Kandidatin nominiert. Jetzt tritt sie jedoch als Einzelbewerberin an, also ohne ihre Partei. Der Vorgang ist regelkonform, aber ungewöhnlich. Voigt sagt: "Ich mache aber auch kein Geheimnis daraus, dass es an anderen Stellen nicht gewünscht ist, dass ich kandidiere."

Der Ortsteil Birkungen in Leinefelde-Worbis in Thüringen aus der Vogelperspektive.
Der Ortsteil Birkungen in Leinefelde-Worbis in Thüringen aus der Vogelperspektive. Bildrechte: dpa

Dabei bezieht sie sich auf den Kreisverbandsvorsitzenden der AfD, Björn Höcke. Genaueres möchte sie dazu nicht sagen. Voigt ist gebürtige Worbiserin, lebt heute aber in Leinefelde. Dort hat sie schon öfters an den Demonstrationen der Querdenken-Bewegung an Montagabenden teilgenommen. Sie besteht jedoch auf die Bezeichnung "Spaziergänge".

Voigt fordert Online-Befragungssysteme

Eines der wichtigsten Anliegen von Anja Voigt ist eine höhere Bürgerbeteiligung. Sie würde gerne Bürgerentscheide für die Stadt einführen oder kann sich auch Online-Befragungssysteme vorstellen. Bürgermeister Grosa weist darauf hin, dass diese Daten erstmal verarbeitet werden müssten. Für die Verwaltung würde das mehr Zeit, Aufwand und Kosten bedeuten. Im Prinzip ist es auch eine doppelte Struktur, denn in den Ortsteilräten kann sich jeder äußern.

Grosa setzt dagegen auf die funktionierende Demokratie: "In den Ortsteilräten sind auf den Versammlungen manchmal zehn, manchmal 50 Teilnehmer, die im Saal sitzen und sich anhören, was dort passiert. Und da werden ja die Themen beraten und diskutiert. Was ist uns wichtig? Auch was wir in den Haushalt aufnehmen: Das wird ja alles zusammengetragen über die Ortsteile." Vor allem auf den Dörfern sei die Beteiligung immer groß. Die Gremien zur Beteiligung sind da. Sie müssten nur genutzt werden, meint Grosa.

Auf Veranstaltungen wie diesen hat er außerdem oft ein offenes Ohr: "Wenn die Sitzung dann bis halb elf dauert, bleibe ich auch noch bis halb zwölf auf ein Bier. Der Abend ist dann eh schon gelaufen. So hat man aber noch ein paar gute Gespräche."

Landesgartenschau als Streitthema

Alle drei Herausforderer haben Bedenken, sobald es um das Thema Landesgartenschau geht. Christian Zwingmann sieht das Projekt generell positiv: "Den Tourismus muss man fördern." Er hat nur Bedenken, ob sich die Stadt mit dem Projekt nicht übernommen hat. Auch das höre er von seinen Kunden.

Für Ronald Egerer ist die Landesgartenschau "ein Fass ohne Boden". Er würde deshalb gerne die Region mehr einbeziehen. Das Leinetal, also die Orte von Wingerode bis Heiligenstadt, verfügt seiner Meinung nach über mehr Infrastruktur. Ob sich das noch realisieren lasse, müsste er allerdings noch erfragen. Er würde außerdem gerne mehr E-Mobilität im öffentlichen Nahverkehr zur Landesgartenschau umsetzen. Auch Anja Voigt sorgt sich, dass man sich mit der Veranstaltung und deren Finanzierung übernimmt.

Die Kosten zur Landesgartenschau beunruhigen Bürgermeister Grosa dagegen nicht. Nach der Schau könne das Gelände als Wohngebiet genutzt werden. Dadurch gibt es viel geringere Folgekosten. Es wird jedoch etwa ein Defizit entstehen von vier Millionen Euro, da durch die Schau selbst über 172 Tage hohe Ausgaben für die Stadt entstehen.

Dieses Geld habe die Stadt jedoch bereits angespart auf einem Bausparvertrag liegen. "Das Defizit ist also schon finanziert und man braucht sich darum keine Sorgen zu machen", sagt Grosa. Zudem habe die Stadt durch die Landesgartenschau zahlreiche Fördermittel erhalten.

Die Ziele der Kandidaten für Jugend und Vereine in Leinefelde-Worbis

Vereint werden die Kandidaten durch viele ähnliche Ziele. Alle, auch Amtsinhaber Grosa, wollen das Thema Jugend mehr angehen. Grosa gibt zu, dass dafür in den letzten Jahren zu wenig getan wurde. Christian Zwingmann kann beispielsweise nicht nachvollziehen, warum der Worbiser Jugendclub schon jetzt verkauft werden musste: "Die Jugend hat in den letzten Jahren genug gelitten unter Corona." Ein neuer existiert noch nicht.

Grosas neuester Plan ist, diesen gemeinsam mit der Verwaltung im Gebäude des Worbiser Krankenhauses unterzubringen. Bisher sollte dieser gemeinsam mit einem Saal im Worbiser Bahnhof angesiedelten werden. Das Projekt ist jedoch vermutlich gescheitert. Aktuell gibt es somit keinen Treff für die Jugendlichen in Worbis.

Auch Ronald Egerer und Anja Voigt wollen mehr für die Jugend tun. Voigt will mehr kostenfreie Treffpunkte für Jugendliche und auch Senioren. Egerer will vor allem das Vereinsleben wiederbeleben. Er ist selbst im Leinefelder Karnevalsverein, im Kulturraum Eichsfeld und in der Feuerwehr Mitglied. Er beobachtet, dass immer weniger Nachwuchs nachkommt: "Man muss wieder mehr Begeisterung für das Vereinsleben in die Jugend bringen."

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MDR (rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 19. Mai 2022 | 18:00 Uhr

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