SIM-Automation Heiligenstadt Maschinenbauer erholt sich nach Umsatz- und Corona-Krise

Im ersten Corona-Jahr brachen die Umsätze des Heiligenstädter Maschinenbauers SIM drastisch ein. Nach Einstieg eines neuen Investors sieht das Unternehmen nun wieder Land.

Auf Glasscheibe ausgebreitete Medizintechnikprodukte wie Kanülen, Röhren, Behälter
Medizintechnik - ein immer wichtigeres Standbein des Unternehmens aus Heiligenstadt Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Der Heiligenstädter Sondermaschinenbauer SIM Automation hat seinen Auftragseingang Ende 2021 wieder fast verdoppelt: Von zwölf Millionen Euro Ende 2020 auf 23 Millionen Euro Ende 2021. Das Nachfolge-Unternehmen der Traditionsfirma Solidor-Heiligenstadt hatte während der Corona-Pandemie Probleme bekommen. Dank eines neuen Investors aus Hamburg mit neuer Strategie und neuer Kunden geht es nun nach Unternehmensangaben wieder aufwärts. Inzwischen seien wieder 186 Mitarbeiter und Auszubildende beschäftigt; vor zwei Jahren noch mussten 25 entlassen werden.

Jede Maschine ein Einzelstück

Laborfilter, Einwegrasierer, Zahnfeilen, Dichtungen, Schläuche, Ventile - die Wunschliste der Kunden der Heiligenstädter SIM Automation ist inzwischen wieder sehr lang. Seit dem Vorjahr sind viele Aufträge dazu gekommen: Renommierte Medizintechnikfirmen und weiterhin Autohersteller lassen am Liesebühl in Heiligenstadt Voll- und Halbautomaten entwickeln und produzieren. Jede Maschine sei ein Unikat, erklärt Geschäftsführer Peter Grosse. Viele Kunden wollten auch zusätzliche Zuführlösungen; damit die Montageautomaten noch effektiver arbeiten könnten.

Spitz zulaufendes Metallwerkzeug mit Bohrer ähnlicher Oberfläche, eine Zahnkanalfeile
Mit SIM-Maschinen herzustellendes Präzisionswerkzeug der vermutlich nicht übermäßig beliebten Art: Eine Zahnkanalfeile Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Maschine braucht neun Monate

Vom Auftragseingang bis zur Lieferung der entwickelte Maschine vergehen neun Monate. "Wie bei einem Baby", sagt Montageleiter Matthias Montag. Kunden aus der Automobilbranche, Medizintechnik und Luftfahrt bestellen eine Maschine mit genauen Vorgaben. Damit beginnt in Heiligenstadt die Tüftelei. Sie endet, wenn das gewünschte Produkte auch wirklich von der entwickelten Maschine hergestellt werden kann.

Montageleiter Matthias Montag steht an Maschine mit Bildschirm für ihre Bedienung
Montageleiter Matthias Montag Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Viele Jahre kamen die Aufträge überwiegend von renommierten Automobilzulieferern. Vor mehr als zwei Jahren hat deren Krise auch die Heiligenstädter erreicht; die Aufträge gingen zurück. Maschinen für klassische Fahrzeuge wurden nicht mehr gebraucht. Der Jahresauftragseingang von 32 Millionen im Jahre 2018 sank auf zwölf Millionen Ende 2020.

25 Mitarbeiter mussten gehen

Wegen des Auftragsrückgangs aus der Autoindustrie mussten viele Mitarbeiter über Monate in Kurzarbeit; 25 wurden gekündigt. Andere sind von selbst gegangen oderin Rente. "Nach 30 Jahren hat uns die Marktwirtschaft und vor allem die Krise in der Automobilbranche eingeholt"; sagt Betriebsratsvorsitzender Holger Schatz. Einige der gekündigten Kollegen sind wieder zurück. Mittlerweile arbeiten noch 186 Menschen im Unternehmen.; im Jahre 2018 waren es noch 240. Für den neuen Geschäftsführer Peter Grosse steht fest: "Wir wollen alle an Bord halten und möglichst viele zurückholen, zum Beispiel auch ehemalige Auszubildende".

Erfahrene Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital, das wir haben

SIM-Automation-Geschäftsführer Peter Grosse

Viele Aufträge aus Medizintechnik-Branche

Im April 2020 ist ein neuer Gesellschafter aus Hamburg ins Unternehmen eingestiegen. Geändert hat sich seitdem auch der Kundenkreis: Der Anteil von Aufträgen aus der Medizintechnik ist von 20 auf 60 Prozent gestiegen. Die Auftraggeber kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie wollen hochproduktive Maschinen für ihre Erzeugnisse. Dass mehr Aufträge aus der Medizintechnik kommen, hat für Peter Grosse eine Grund: Die Einnahmen sind durch Corona gestiegen und werden in neue Maschinen investiert. Auch aus der Automobilbranche kommen weiterhin Wünsche für neue Maschinen. Denn auch Elektroautos haben Kunststoffteile wie Dichtungen, Schläuche, Ventile oder Airbag-Generatoren. Die Maschinen werden in Heiligenstadt auf den Kunden zugeschnitten entwickelt und produziert. In den USA, Brasilien, Malaysia und Russland stehen Maschine mit dem SIM-Logo.

Rasierklingen
Rasierklingen aus Eisfeld Bildrechte: IMAGO / ari

Auch in Thüringen werden Maschinen aus Heiligenstadt genutzt, beispielsweise im südthüringischen Eisfeld bei einem Hersteller von Einwegrasierern. Die in Heiligenstadt entwickelte Maschine schafft z.B. 120 Teile pro Minute

Lieferkrise ist sehr aktuell

Derzeit werden bei SIM Heiligenstadt die Lagerkapazitäten erhöht. Montageleiter Matthias Montag will so der aktuellen Lieferkrise begegnen. "Normalerweise ist das Lager unterwegs auf Lkw oder Schiffen", sagt Montag. Wenn die nichts geladen haben oder im Hafen bleiben, gibt es Probleme. Dem will man in Heiligenstadt mit Vorräten vorbeugen.

Auch eine Ausbildung zum Industriemechaniker, Mechatroniker oder Zerspanungsmechaniker biete das Unternehmen in der eigenen Ausbildungswerkstatt an. Derzeit sind es dort 15.

Quelle: MDR (csr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Januar 2022 | 06:00 Uhr

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