Kyffhäuserkreis Abriss der Schokoladenfabrik in Greußen ist besiegelt

Der Abriss der alten Schokoladenfabrik in Greußen im Kyffhäuserkreis ist trotz Widerstandes beschlossen worden. Weil auf dem Gelände geschützte Tiere brüten, können die Arbeiten aber wohl erst im Oktober beginnen.

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Das Gelände der Schokoladenfabrik soll komplett beräumt werden. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Der Abriss der 140 Jahre alten Schokoladenfabrik in Greußen (Kyffhäuserkreis) ist beschlossene Sache. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte am Donnerstag einen Förderbescheid über 2,35 Millionen Euro für die Abrisskosten an Greußens Bürgermeister Torsten Abicht (pl) übergeben. Das Gelände soll nun komplett beräumt werden. Wie Abicht MDR THÜRINGEN sagte, müsse mit den Arbeiten bis mindestens Oktober gewartet werden, weil auf dem Gelände geschützte Tiere brüten.

Bund Deutscher Architektinnen forderte Erhalt der Immobilie

Bei der Übergabe des Förderbescheides durch Minister Tiefensee hatten Architekturstudenten der Fachhochschule Erfurt mit Transparenten für den Erhalt des verschachtelten Natursteingemäuers protestiert. Ihrer Ansicht nach wäre eine Nutzung der alten Bausubstanz möglich. Auch der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) hatte die Stadt und das Wirtschaftministerium in einem offenen Brief aufgefordert, den Abriss zu überdenken und der Schokoladenfabrik "eine Chance vor dem unwiederbringlichen Verschwinden einzuräumen."

Michael Rommel, Landesvorsitzender der BDA Thüringen, sagte MDR THÜRINGEN neu Bauen sei derzeit zu energie- und materialintensiv. Ein Umdenken sei dringend nötig. Es müsse mehr Achtung vor dem vorhandenen Baubestand geben.

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Eine Sanierung der alten Schokoladenfabrik würde die Stadt Greußen 25 bis 30 Millionen Euro kosten. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Sanierung zu teuer

Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee sagte MDR THÜRINGEN, auch er stehe zu diesen Grundsätzen, das habe man beispielsweise beim Eiermannbau in Apolda gezeigt. Im Fall der Schokoladenfabrik in Greußen sei man aber an wirtschaftlich machbare Grenzen gekommen. Das habe er auch den protestierenden Studenten erklärt.

Asbestverseuchung und viele andere Probleme würden eine Sanierung des Ensembles zu teuer machen. Greußens Bürgermeister Abicht spricht von Kosten zwischen 25 und 30 Millionen Euro, das könne sich die Stadt einfach nicht leisten.

Nach Abriss soll Gewerbestandort

Der Abriss wird sich nun wegen der brütenden Tiere erneut verzögern. Im Dezember 2020 hatte die Stadt das Gebäude gekauft, nachdem der Vorbesitzer gestorben war. Nach dem geplanten Abriss soll auf dem 12.000 Quadratmeter großen Gelände ein Gewerbestandort entstehen. Drei Interessenten habe man, so Abicht.

Die Architekten, die befürchten, dass man abreiße aber für die Neubauten nicht ausreichend Abnehmer finde, regen gewissermaßen als Plan B an, wenigstens die Baustoffe sinnvoll wiederzuverwenden. Also die Natursteine, Klinker, Stahlträger und Pflastersteine zu sichern. Michael Rommel vom BDA sieht die Schokoladenfabrik in Greußen als eine verpasste Chance. Sie sei nur ein Beispiel in Thüringen, bei dem sich eine Sanierung gelohnt hätte.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 14. Januar 2022 | 12:30 Uhr

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