Pandemie Dönerladen-Besitzer bedankt sich nach Corona-Genesung mit Abendessen

Viele Menschen haben in den vergangenen Jahren wegen einer Corona-Erkrankung ums Überleben gekämpft. Einer von ihnen ist Siho Polat aus Heldrungen, der sich nun auf besondere Weise bei seinem Arzt bedankte. Und zwar, indem er ihn zum Abendessen in seinen Dönerladen einlud.

Drei Männer sitzen an einem Tisch und essen Döner.
Siho Polat (Mitte) lud Chefarzt Heinrich Groesdonk (rechts) und einen Kollegen nach Heldungen zum Essen ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass er seinen Döner-Drehspieß einmal dem Chefarzt eines Krankenhauses überlassen würde, hätte Siho Polat sich nicht mal im Traum vorstellen können. Doch dass es dazu im März dieses Jahres gekommen ist, hat einen ernsten Hintergrund.

Der aus der Türkei stammende Gastronom betreibt in Heldrungen im Kyffhäuserkreis seit Jahren ein gut gehendes Grillrestaurant. Zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern ist der 48-Jährige vor 17 Jahren nach Thüringen gekommen. Hier hat er sich seine Existenz aufgebaut und fast jeder in Heldrungen kennt das Geschäft an der Hauptstraße.

Angehöriger stirbt an Corona-Erkrankung

Auch Siho Polat hat die Corona-Pandemie stark getroffen. Allerdings lange Zeit nur geschäftlich. Corona war für ihn, wie für viele andere Thüringer auch, eine nicht fassbare und eher unwirkliche Bedrohung. Bis er einen nahen Angehörigen an das Virus verlor und er miterlebte, wie auch modernste Intensivtechnik und gut ausgebildete Mediziner irgendwann nichts mehr tun können.

Nach Corona-Infektion auf Intensivstation

Als er dann selbst an Corona erkrankte, glaubte er an seine sonst so starken Abwehrkräfte. Ein paar Tage im Bett, dann würde es schon wieder gehen. Schließlich hatte er eine Familie zu versorgen.

Jedoch kam Siho Polat nach kurzer Zeit in die Notaufnahme des Krankenhauses in Sangerhausen, wo sich sein Zustand weiter verschlechterten. Aus diesem Grund wurde er schließlich auf die Intensivstation des Erfurter Helios-Klinikums überführt, die eine bessere Spezialisierung für schwere Covid-Verläufe bietet.

Spätestens jetzt wurde Siho Polat klar, dass es ernst um ihn stand. Seine Frau Medina konnte ihn noch einmal besuchen und für die Angehörigen ein Video mit Grüßen aus dem Krankenhaus filmen. Da sah man schon, wie wenig Kraft ihm geblieben war.

Sechs Wochen an Maschine angeschlossen

Schließlich sanken seine Sauerstoffwerte so stark, dass nur noch die sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung blieb. Ein Verfahren, bei dem eine Maschine teilweise oder vollständig die Atemfunktion außerhalb eines Körpers übernimmt. Dabei wird in der Regel aus einer großen Vene Blut entnommen und nach der Anreicherung mit Sauerstoff wieder in den Blutkreislauf geleitet.

Das Verfahren kommt bei akutem Lungenversagen zum Einsatz. Die Sterberate der Patienten, die an eine solche Maschine angeschlossen werden, liegt bei über 50 Prozent - was zum Teil auch mit hohem Alter und schweren Vorerkrankungen zusammenhängt.

Ein Arzt und ein Krankenpfleger stehen neben einem Bett im Erfurter Heliosklinikum.
Siho Polat musste sechs Wochen von einer Maschine beatmet werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch Siho Polat kämpfte um sein Leben. Auch Heinrich Groesdonk, der behandelnde Chefarzt am Helios Klinikum, war beeindruckt:

Herr Polat war und ist ein Kämpfer. Er wusste genau, was er wollte. Auch wenn er viel Angst hatte am Anfang und auch Angst hatte vor dieser künstlichen Beatmung. Aber er hat uns immer gesagt: Ich vertraue euch und ihr bringt mich wieder zurück ins Leben.

Prof. Dr. Heinrich Groesdonk

Nach Sechs Wochen Therapie auf der Intensivstation wurde er zur Reha nach Bad Tennstedt entlassen. Bei seiner Entlassung versprach er:

Das vergesse ich euch nie - ich lade euch zu einem ausgiebigen Abendessen zu mir ein.

Siho Polat

Chefarzt übernimmt Drehspieß

Auch wenn es etwas gedauert hat - versprochen ist versprochen. Und so kam Chefarzt Groesdonk Ende März mit einem Kollegen zum Döneressen nach Heldrungen.

Doch nur zum Essen allein wollte er nicht kommen. Einmal selbst hinter dem Drehspieß stehen, war sein Wunsch. Und so schlecht machte er das offenbar nicht, denn Polat überließ ihm nach einer kurzen Einweisung seinen Drehspieß.

Zwei Männer neben einem Dönerspieß.
Wiedersehen am Dönerspieß nach überstandener schwerer Covid-19-Erkrankung. Bildrechte: MDR/Robert Müller

Natürlich wurde auch gemeinsam gegessen. Ein solches kulinarisches Dankeschön erlebt auch ein Chefarzt nicht alle Tage. Doch wichtiger war für Heinrich Groesdonk etwas anders:

Es ist für uns natürlich auch ein ganz besonderer Moment, zu sehen, dass die Familie glücklich ist, dass er glücklich ist, und dass alles wieder zurück ins Leben gekommen ist.

Prof. Dr. Heinrich Groesdonk

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14. April 2022 | 19:00 Uhr

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