Landwirtschaft Händler beim Weimarer Zwiebelmarkt bangen um ihre Zwiebeln

Ohne sie geht nichts beim Weimarer Zwiebelmarkt - doch die Zwiebeln in der Region Heldrungen im Kyffhäuserkreis kämpfen wohl nicht nur mit der Trockenheit. Wie ist die Situation vor Ort und wie reagieren die Beteiligten?

Zwiebelhändler Ralf Zander aus Heldrungen vor dem trockenen Feld mit nur wenig Zwiebelsprossen.
Zwiebelhändler Ralf Zander aus Heldrungen vor dem trockenen Feld mit nur wenig Zwiebelsprossen. Bildrechte: Thomas Kalusa

Zwiebelzöpfe grün und rot, und manchmal mit winzig kleinen Zwiebeln spitz zulaufend: So lieben die Besucher des Weimarer Zwiebelmarktes den traditionellen Weimarer Zwiebelzopf. Obendrauf noch ein buntes Sträußchen Trockenblumen. Doch wird es sie dieses Jahr wieder geben?

Die Frage scheint aktuell eher: Disteln oder Zwiebeln, was wird dieses Jahr geerntet? Das fragen sich derzeit rund 20 Händler des Weimarer Zwiebelmarktes. Denn die besonderen Zwiebeln, die rund um Heldrungen im Kyffhäuserkreis in Nordthüringen angebaut werden, stehen auf den Feldern der Händler offensichtlich alles andere als gut da.

Ralf Zander auf der Suche nach den Zwiebelsprossen.
Zwiebelhändler Ralf Zander auf der Suche nach den Zwiebelsprossen. Bildrechte: Thomas Kalusa

Aber von Anfang an. Ralf Zander aus Heldrungen ist seit seiner Jugend in den 1970er-Jahren als Händler auf dem Weimarer Zwiebelmarkt. Früher, so erzählt er, seien die Heldrunger Bauern mit ihren kunstvoll geflochtenen Zwiebelzöpfen im Pferdewagen oder auch mit dem Handwagen aus der Schmücke nach Weimar gereist. Viele Zwiebeln gab es damals nicht, der Weimarer Zwiebelmarkt fand nur am Samstag statt und die leckeren Zwiebeln waren schon nach kurzer Zeit ausverkauft.

Noch rund 50 Zwiebelhändler aus Heldrungen

Inzwischen gibt es noch um die 50 Zwiebelhändler aus Heldrungen und Umgebung, die immer am zweiten Wochenende im Oktober in der Schillerstraße in Weimar den eigentlichen traditionellen Kern des Zwiebelmarktes bilden.

Blick auf den Weimarer Zwiebelmarkt
Blick auf den Weimarer Zwiebelmarkt Bildrechte: Ralf Zander

Früher, so Ralf Zander, habe jeder selbst seine Zwiebeln angepflanzt. Da aber die Zwiebelbauern älter werden und sie auch Nachwuchsprobleme haben, haben viele die örtliche Agrar-GmbH "Zum Himmelsberg" beauftragt, ihnen ein Feld zu beackern, auf denen die besonderen Zwiebeln wachsen sollen.

Es sind ausschließlich 'Stuttgarter Riesen' (die gelben) und (dunkel)rote 'Braunschweiger'. Andere Zwiebeln schmecken nicht so fein, findet Zander und sie lassen sich nur schwer zu den akkurat geflochtenen Zwiebelzöpfen binden, die früher als Vorrat in mancher Küche hingen und heute auch als Wanddekoration beliebt sind.

Einer der bekannten Zwiebelzöpfe. Doch nur wenige Zwiebelsorten eignen sich dafür.
Einer der bekannten Zwiebelzöpfe. Doch nur wenige Zwiebelsorten eignen sich dafür. Bildrechte: Ralf Zander

Doch es gibt ein Problem: Die Agrar GmbH hatte ein Feld für den wichtigen Zwiebelanbau ausgesucht. Jedem Händler sollte dort über die ganze Länge ein zwei Meter breiter Streifen für die Zwiebeln zugewiesen werden, den sie später abernten konnten. Aber dieses Jahr klappte der Anbau nicht überall so gut.

Agrarbetrieb kämpft mit schlechten Bedingungen

Auf dem Acker, den die Agrar GmbH dieses Jahr ausgesucht hatte, sei der Boden nicht gut vorbereitet worden, erklärt Ralf Zander. Er ist einer der etwa 20 Bauern, die ihre Zwiebeln auf dem Feld der Agrar-GmbH anbauen lassen. Er rechnet mit einem Totalausfall seiner Ernte, der Feldbauleiter der Agrargesellschaft vermutet dagegen einen Verlust von etwa 30 Prozent.

Auf dem Acker, den die Agrar GmbH dieses Jahr ausgesucht hatte, sei der Boden nicht gut vorbereitet worden, erklärt Ralf Zander. Er ist einer der etwa 20 Bauern, die ihre Zwiebeln auf dem Feld der Agrar-GmbH anbauen lassen. Der Feldbauleiter sagte MDR THÜRINGEN, dass die Aussaatbedingungen schlecht waren. Die Trockenheit im März zwang ihn, den Boden zu walzen, damit nicht zu viel Feuchtigkeit aus dem Boden verloren geht. Was nun wuchs, waren stattdessen Disteln.

Das sieht nicht gut aus: Disteln statt Zwiebeln
Das sieht nicht gut aus: Disteln statt Zwiebeln. Bildrechte: Thomas Kalusa

Ein Vergleich der Felder, wie sie zu dieser Jahreszeit aussehen sollten und wie die Felder von Zander und 20 anderen aussehen, macht es Kennern deutlich - auch wenn für Laien die Unterschiede kaum erkennbar scheinen.

Wie am Schnürchen aufgereiht: So sollte ein Zwiebelacker Anfang Mai aussehen.
Wie am Schnürchen aufgereiht: So sollte ein Zwiebelacker Anfang Mai aussehen. Bildrechte: Thomas Kalusa

Zarte Zwiebelsprossen kämpfen mit betonhartem Boden

Denn wo keine Disteln wachsen, müssen sich die zarten Zwiebelsprossen durch den fast betonharten Boden kämpfen. Die Agrar GmbH Oldisleben bewirtschaftet 3.700 Hektar und gehört zum 7.000 Hektar bewirtschaftenden Unternehmen des Multi-Agrar-, Immobilien- und Autohaus-Unternehmers Markus Hercher.

"Raps können sie gut, auch Mais, Weizen und Sonnenblumen", sagt Ralf Zander. Aber bei Gemüse müsse man etwas zärtlicher vorgehen. Es sei ein bisschen so, als wenn man beim Autobauer ein filigranes Fahrrad in Auftrag gibt, vergleicht Ralf Zander.

Agrarbetrieb hat reagiert

Doch inzwischen hat das Landwirtschaftsunternehmen reagiert und bietet den Zwiebelbauern etwa einen Rabatt für den Anbau der Zwiebeln an.

Stadt Weimar sieht weniger schwarz

Das Marktwesen der Stadt Weimar ist dem auf Anfrage von MDR THÜRINGEN ebenfalls nachgegangen. Wie ernst man die Entwicklung des Zwiebelanbaus dort nimmt, zeigt, dass jedes Jahr Ende Mai der Marktleiter des Weimarer Zwiebelmarktes und der Oberbürgermeister sich persönlich einen Eindruck von der Zwiebelernte im Heldunger Land verschaffen.

Marktleiter Christian Schwarzer fragte bei den ihm bekannten Händlern nach und meldet erst einmal Entwarnung. Die Bedingungen in diesem Jahr seien generell nicht die besten, aber die Pflanzen entwickeln sich auf den von den Händlern selbst bewirtschafteten Feldern noch so, wie sie sollen.

Man müsse noch rund zwei Wochen warten, um eine klare Aussage zu treffen, so Schwarzer. Und dann findet auch die jährliche Feldbereisung des Weimarer Oberbürgermeisters statt. Doch der Regen fehlt aber nach wie vor in Thüringens trockenster Ecke. Doch woanders in Deutschland Zwiebeln zu ordern, kommt für Ralf Zander nicht infrage. Er hofft nun, bei seinem Bruder, der selbst angepflanzt hat, noch Zwiebeln zu bekommen.

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Video
Ausgetrockneter Ackerboden 118 min
Bildrechte: Colourbox.de

MDR (rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. Mai 2022 | 18:00 Uhr

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