Jüdisches Leben in Thüringen Kulturelles Erbe erhalten: Hochschule Nordhausen digitalisiert Jüdische Friedhöfe

Porträt Regionalkorrespondentin Franziska Gutt
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Jüdische Friedhöfe sind in vielen Städten die letzten Orte, die an jüdisches Leben erinnern. Details zu den dort begrabenen Menschen stehen auf den Grabsteinen. Viele Steine sind aber Hunderte Jahre alt und verfallen. So gehen historische Quellen vollkommen verloren. Die Hochschule Nordhausen löst das Problem mit einem neuen Forschungsprojekt auf digitalem Weg.

Eine Frau mit Kamerastativ auf einem jüdischen Friedhof
Marie-Luis Zahradnik erforscht die Schriften und Symbole der Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Nordhausen. Bildrechte: MDR/Franziska Gutt

David Schönberger war zu seiner Zeit ein bedeutsamer Mann für die jüdische Gemeinde in Nordhausen. Das steinerne Buch auf seinem Grabstein ist ein Beleg dafür. Er soll zum inneren Gelehrtenkreis gehört haben, war vermutlich Rabbi. Symbole wie diese, nimmt die Historikerin Marie-Luis Zahradnik besonders in den Blick.

Sie und ihre Kollegen der Hochschule Nordhausen erforschen die Jüdischen Friedhöfe im Landkreis. Neben Nordhausen zeugen auch die Begräbnisstätten in Bleicherode und Ellrich von jüdischen Leben in der Region.

Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof
Die Friedhöfe im Kreis Nordhausen umfassen 670 Grabmale. Viele Steine sind hunderte Jahre alt und verfallen inzwischen. Bildrechte: MDR/Franziska Gutt

Neue Methoden der Erinnerungsarbeit

Orte wie diese sind oft die letzten, die das Erinnern an jüdische Menschen und Gemeinden möglich machen. Dabei sind die meisten Grabmale aufgrund ihres Alters von Verfall bedroht. Wie der Grabstein von David Schönberger - die hebräische Schrift unter dem Buch aus Stein ist kaum lesbar. Die Hochschule Nordhausen entwickelte nun neue Methoden der Erinnerungsarbeit. Marie-Luis Zahradnik und ihre Kollegen dokumentieren die Friedhöfe mithilfe von 2D- und 3D-Techniken.

Um zum Beispiel mehr über das Leben von David Schönberger zu erfahren, fotografiert die Wissenschaftlerin den Grabstein mit einer beinahe gewöhnlichen Kamera. Mithilfe einer speziellen Software kann sie dann später die verwitterte Schrift am Computer entschlüsseln. Über dieses neue Verfahren sammelt die 38-Jährige neues Wissen über die Juden aus dem Kreis Nordhausen.

Friedhöfe virtuell begehen  

Es sei nicht machbar, alle 670 Grabmale der Jüdischen Friedhöfe im Landkreis auf herkömmliche Weise zu restaurieren. Daher soll die Digitalisierung der Orte helfen, sie als solche zu konservieren und damit das Erinnern wachhalten.

So können die Friedhöfe in Zukunft virtuell begangen werden. Wissenswertes über bedeutsame Persönlichkeiten wie David Schönberger aus Nordhausen soll dann auch online abrufbar sein. 

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Ulf Nguyen 15 min
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 28. Juli 2021 | 19:30 Uhr

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