Religion Bischof zu ausgeräumter Kirche: "Hier endet Dialogbereitschaft"

Vergangene Woche hatte ein junger Muslim aus Afghanistan das bewegliche Inventar aus der Frauenbergkirche in Nordhausen geräumt. Nun haben sich Landesbischof Friedrich Kramer und Innenminister Georg Maier dazu geäußert.

Die Frauenbergkirche in Nordhausen
Die Frauenbergkirche in Nordhausen. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Für einen evangelischen Bischof von Mitteldeutschland äußert sich Friedrich Kramer ungewöhnlich deutlich zu dem Vorfall am Donnerstag vergangener Woche: Es sei schmerzlich, wenn auf eine solch respektlose Art und Weise die Würde eines Gotteshauses verletzt wird. Bei Gläubigen, die ihre Religion mit Gewalt durchsetzen wollten, ende jede Dialogbereitschaft. Doch bei aller Wut dürfe man wegen einer Einzeltat nicht einen ganzen Glauben verurteilen.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte MDR THÜRINGEN, wenn der Täter überführt würde, müsse er die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Was aber nicht gehe sei, grundsätzlich daraus zu schließen, dass hier Afghanen besonders auffällig seien.

Täter ist abgelehnter Asylbewerber

Laut MDR-Informationen handelt es sich bei dem 25-jährigen Mann um einen Asylbewerber, dessen Antrag abgelehnt wurde. Er war von Pfarrer Klemens Müller beim Heraustragen des Inventars beobachtet und zur Rede gestellt worden. Müller berichtete später, der Mann habe ihm geantwortet, das Christentum sei falsch, der Islam die einzige Wahrheit. Deshalb müsse er die Kirche ausräumen.

Ein stark beschädigtes Kruzifix
Das stark beschädigte Kruzifix vom Altarkreuz der Kirche. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Müller weiter: "Ich fragte, was wäre, wenn ich nach Afghanistan gehen würde und dort eine Moschee ausräume. Diesen Gedanken konnte er, meiner Meinung nach, nicht einmal denken."

Der Pfarrer betonte aber auch, dass er sich von dem Mann während der Ausräumaktion zu keinem Moment bedroht fühlte.

Verfassungsschutz im Austausch mit der Polizei

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mühlhausen ist der Afghane in Deutschland nicht vorbestraft oder anderweitig den Ermittlungsbehörden aufgefallen. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen Sachbeschädigung. Der Thüringer Verfassungsschutz teilte MDR THÜRINGEN mit, dass die Behörde wegen des Mannes mit der Polizei im Austausch sei.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 03. November 2021 | 18:45 Uhr

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