Mundspülung im Verdacht Rätselhafte 5,5 Promille Atemalkohol bei Autofahrer

Wenn jemand bei gemessenen 5,5 Promille noch gehen kann, stimmt wahrscheinlich etwas mit dem Messwert nicht. Die Autobahnpolizei prüft nun mögliche Folgen eines Zahnarztbesuchs.

Promillemessung mit einem Alkomat
Können 5,5 Promille mit rechten Dingen zugehen? Die Polizei im Kreis Nordhausen zweifelt. (Symbolbild) Bildrechte: imago/xcitepress

Nach einem Unfall auf der A38 bei Großwechsungen (Landkreis Nordhausen) haben Polizeibeamte einen ungewöhnlich hohen Alkoholholwert bei einem Autofahrer gemessen. Wie die Polizei mitteilte, war er am Montagabend aus bislang unklarer Ursache auf einen Lkw aufgefahren. Der Atemalkoholtest ergab 5,5 Promille.

Mann spricht von Sekundenschlaf

Da das Ergebnis nicht stimmen könne - der unverletzte Fahrer hat nach Polizeiangaben noch sprechen und gehen können - wurde ein Bluttest angeordnet. Das Ergebnis steht noch aus. Der Unfallfahrer habe angegeben, kurz zuvor beim Zahnarzt gewesen zu sein und sprach von "Sekundenschlaf". Die Polizei prüft nun, ob es einen Zusammenhang mit einer zahnärztlichen Behandlung und einer dortigen Mundspülung geben könnte.

Zahnarztbesteck
Polizei muss sich nun bei Zahnarzt nach Mundspülung und Desinfektion erkundigen. Bildrechte: dpa

Auf einer Informationsseite der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung heißt es zwar, dass es Mundspülungen mit Alkoholgehalt bis zu 30 Prozent gebe. Ein Fachartikel zu einer aufwändigen Fallrekonstruktion bei einer ähnlichen Vermutung hielt aber fest: "Die sachgemäße Anwendung von alkoholhaltigen Agenzien im Rahmen zahnärztlicher Behandlungen (...) beeinflusst die Blut- und Atemalkoholkonzentration eines Patienten nicht", an anderer Stelle ist nur noch von fehlendem Einfluss auf den Blutalkoholspiegel die Rede.

Christian Demuth, Rechtsanwalt für Verkehrsdelikte, geht davon aus, dass selbst nur eine Stunde nach dem Zahnarzttermin alkoholhaltige Mundspülungen keinerlei Auswirkungen auf die Atemalkoholkonzentration mehr hätten. Es sei aber nicht ausgeschlossen - allerdings nur für sehr kurze Zeit und mit geringen Messwerten. 5,5 Promille seien nicht möglich.

Der Wagen des Mannes wird als Totalschaden eingestuft. Der Schaden liegt bei knapp 10.000 Euro.

MDR (csr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Dezember 2022 | 11:00 Uhr

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