Pandemie-Geschichte Die Leistung der Apotheker: Ausstellung erinnert an Beginn des ersten Lockdowns 2020

Kein Desinfektionsmittel, keine Masken und recht schnell auch kein Toilettenpapier. Auch die Thüringer standen vor zwei Jahren wegen der Pandemie vor völlig neuartigen Problemen. An diese Zeit erinnert seit Sonntag eine Sonderausstellung im Thüringer Apothekenmuseum Bad Langensalza.

Eine Ausstellung im Apotheken-Museum Bad Langensalza zum Thema Corona.
Masken aus Stoff waren vor zwei Jahren heiß begehrt. Der THW Kiel erinnert mit einer Maske an die 2020 zugesprochene Handball-Meisterschaft, nachdem die Saison abgebrochen worden war. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Einkaufskörbe voller Toilettenpapier, Stoff-Masken in vielen Farben und mit vielen Motiven in einer Vitrine. Dazu das komplette Zubehör für die Produktion von Desinfektionsmitteln. Nur zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie erinnert das Apothekenmuseum in Bad Langensalza an eine neue und schwierige Zeit - auch für Apotheker. "Sie mussten kreativ sein", erklärt der frühere Landespharmazierat Reiner Danz aus Ilmenau.

Gemeinsam mit seiner Frau Astrid Reidenheister-Danz hat er in Thüringer Exponate aus diesen Wochen gesammelt und viele Informationen festgehalten. Die Apotheker mussten in kurzer Zeit große Mengen Desinfektionsmittel herstellen. Der Bedarf war riesig.

Große Mengen Desinfektionsmittel

Aus Alkohol, Propanol, Wasser und Wasserstoffperoxid entstehen wirkungsvolle Desinfektionsmittel. Die erste Ausstellung zum Thema Corona-Pandemie zeigt Behälter, Glasflaschen, Verschlüsse, Etiketten und Spender. Zu Beginn der Pandemie haben die Apotheker rund um die Uhr gearbeitet und 70- beziehungsweise 80-prozentigen Alkohol verarbeitet. Der Bedarf war riesig, erinnert sich Reiner Danz. Der Alkohol kam beispielsweise auch von Nordbrand in Nordhausen.

Die Geschichte der Desinfektion ist viel älter

Desinfektion gab es schon im 19.Jahrundert, beispielsweise beim Chirurgen und Geburtshelfer Ignaz Semmelweis (1818 - 1865); der sich die Hände mit chlorhaltiger Substanz abwusch und damit Gebärenden das Leben rettete. Die ersten Masken bei Operationen seien Ende des 19. Jahrhundert von Ärzten getragen worden, so Danz.

Bei der Spanischen Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts sei sie ein wirksamer Schutz gewesen. Bei der Corona-Pandemie sei am 15. April bekannt geworden, dass Masken braucht werden. Am 24. April gab es die allgemeine Maskenpflicht.

Theater produzieren Masken

Es gab aber keine Masken, erst recht kein Depot. Privatleute haben genäht, auch Theaterwerkstätten; Firmen haben ganz schnell ihre Produktion umgestellt. Freiwillige haben mehr als 2.000 Stoffmasken für die Ilmkliniken genäht. Entstanden sind vielfältige Stoff-Variationen. Einige Dutzend sind in der Ausstellung im Bad Langensalzaer Apothekermuseum zu sehen.

Hamsterkäufe gehören zu jeder Pandemie

Zu jeder Pandemie gehören auch Hamsterkäufe. Toilettenpapier, Knäckebrot, Thermometer und Hefe in Deutschland; Kondome und Rotwein in Italien und Frankreich. Auch daran erinnert die Ausstellung. Für den neuen Museumschef Stefan Schuchardt kommt sie genau richtig. "Hier wird die Leistung der Apotheker gewürdigt. Das passt in die Zeit und natürlich in unser Museum".

Seit langem wieder Ausstellung im Apothekenmuseum

Das 2014 eröffnet Apothekenmuseum zeigt seit längerer Pause wieder eine Sonderausstellung. Bis zum Jahresende ist die Schau zu sehen. Auch der Garten mit Heil- und Blühpflanzen lädt zu einem Bummel ein.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. April 2022 | 18:00 Uhr

Mehr aus der Region Nordhausen - Heiligenstadt - Mühlhausen - Sömmerda

Mehr aus Thüringen