Helfen statt Ruhestand Krankenschwester aus Mühlhausen im Einsatz in Afrika

Statt ihre Rente zu genießen, engagiert sich Krankenschwester Marietta Strümpfler in internationalen Hilfsprojekten. Die 73-Jährige war bereits sechsmal im Einsatz - für Flüchtlinge und in afrikanischen Gefängnissen. Und auch dieses Jahr will sie wieder nach Afrika fliegen.

Eine Frau sitzt in einem Wohnzimmer und zeigt Andenken.
Krankenschwester Marietta Strümpfler will nicht nur zu Hause sitzen, sondern helfen - auch als Rentnerin. Keramik und andere Mitbringsel erinnern an mittlerweie vier Einsätze in Afrika. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Marietta Strümpfler war 50 Jahre OP-Schwester im Hufeland-Krankenhaus in Mühlhausen. Mit 67 hat sie sich verabschiedet, aber nicht zur Ruhe gesetzt. "Weil ich einfach noch helfen und nicht unnütz in der Ecke sitzen wollte", sagt die mittlerweile 73 Jahre alte Mühlhäuserin.

Eine Woche psychische Vorbereitung

Mit 67 hat sie noch Englisch gelernt, zunächst bei einer Privatlehrerin und dann noch in der Volkshochschule. Bei der Hilfsorganisation "Humedica" ist sie auf ihren ersten Einsatz vorbereitet worden. "Man lebt eine Woche in Zelten, es werden Terroreinsätze und andere brenzlige Situationen simuliert", schildert Strümpfler. "Dabei wird die Psyche beobachtet und dann eingeschätzt, ob man für Einsätze tauglich ist".

Und das war die Mühlhäuserin. Mittlerweile hat die Krankenschwester sechs humanitäre Hilfseinsätze absolviert. Sie half 2015 und 2016 Flüchtlingen auf der Balkanroute und in Idomeni in Griechenland, sie war in einer Provinz in Äthiopien unterwegs und in einem Gefängnis im Sudan. Danach wieder in Gefängnissen - in Togo. Erstmals 2019 und nach einer pandemiebedingten Zwangspause im November 2021 erneut.

Gefängnispfarrer rufen um Hilfe

Die Gefängnisse in Togo sind laut "Humedica" überbelegt. Viele Insassen müssen stehen; auch nachts. Marietta Strümpfler hat die schlechten hygienischen Bedingungen gesehen - deswegen gebe es Krankheiten wie Krätze. Die Inhaftierten seien isoliert, in der Regel gebe es keinen Arzt zur medizinischen Versorgung. Der Hilferuf aus Togo kommt von den Gefängnispfarrern.

Landesweit 15 Gefängnisse haben die Helfer beispielsweise im November besucht. Da werden medizinische Untersuchungen durchgeführt und Medikamente verabreicht. Alle Insassen können nicht untersucht werden, sagt Strümpfler. Das wäre nicht zu schaffen. Das internationale Team besteht aus Krankenschwestern und Ärzten. Weil fast alle noch im Berufsleben stehen, dauert ein Einsatz maximal zwei Wochen. Flug und Unterkunft, etwa 900 Euro, zahlen die Helfer selbst.

Marietta Strümpfler: Sechs Einsätze für Flüchtlinge und in Gefängnissen in Afrika

Statt ihre Rente zu genießen, engagiert sich Krankenschwester Marietta Strümpfler in internationalen Hilfsprojekten. Die 73-Jährige war bereits sechsmal im Einsatz - für Flüchtlinge und in afrikanischen Gefängnissen.

Zwei Frauen streicheln den Rüssel eines Elefanten.
"Afrika ist mein Kontinent", sagt Marietta Strümpfler. Bildrechte: MDR/Marietta Strümpfler
Zwei Frauen streicheln den Rüssel eines Elefanten.
"Afrika ist mein Kontinent", sagt Marietta Strümpfler. Bildrechte: MDR/Marietta Strümpfler
Vier Menschen sitzen und stehen um einen Tisch herum.
Der Verein "Humedica" ist eine Nichtregierungsorganisation, die 1979 gegründet wurde. Die Helfenden arbeiten mit Partnern vor Ort. Bildrechte: MDR/Marietta Strümpfler
Die Sonne scheint auf einer unasphaltierten Straße.
Auch wenn das Leben in Afrika ganz anders ist als hier, kommt die Rentnerin gut damit klar. Bildrechte: MDR/Marietta Strümpfler
Eine Frau untersucht den Rücken eines Mannes.
Um besser helfen zu können, hat sie schon Englisch gelernt, jetzt kommt Französisch dran. Bildrechte: MDR/Marietta Strümpfler
Viele Menschen sitzen nebeneinander mit Urkunden in den Händen.
Sie ist immer wieder überwältigt von der großen Dankbarkeit der Menschen. Bildrechte: MDR/Marietta Strümpfler
Eine Frau und ein Mann halten gemeinsam ein Dokument in die Kamera.
Auch in diesem Jahr will sie wieder zu einem neuen Einsatz starten. Bildrechte: MDR/Marietta Strümpfler
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Große Dankbarkeit verspürt

"Ich bekomme ganz viel zurück von den Leuten, es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn ich in Afrika bin", spricht Marietta Strümpfler von der erlebten Dankbarkeit. Die Menschen dort seien trotz ihrer Armut immer fröhlich. "Das macht vielleicht auch die Sonne. Das ist mein Kontinent". Zu Hause hat sie inzwischen eine Schale aus Äthiopien, Keramik aus dem Sudan und eine Tasche aus Togo.

Die Hilfsorganisation Humedica

Humedica e. V. mit Hauptsitz in Kaufbeuren (Bayern) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die seit ihrer Gründung im Jahr 1979 in mehr als 90 Ländern humanitäre Hilfe leistete. Ziel der Arbeit von Humedica ist es, Menschen zu helfen, die durch Katastrophen oder strukturelle Armut in Not geraten sind.

Neben dem Schwerpunkt auf medizinischer Not- und Katastrophenhilfe engagiert sich Humedica auch im Bereich der Versorgungshilfe sowie in langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Möglich wird diese Arbeit durch die Unterstützung ehrenamtlicher Einsatzkräfte und Helfer sowie lokaler Partnerorganisationen und Mitarbeiter in den einzelnen Projektländern.

"Man kommt runter", sagt sie angesichts des Erlebten. "So etwas sollte jeder mal mitmachen, man findet zu sich selbst", ergänzt die Rentnerin. Sie habe nur positive Erfahrungen gemacht. Das Miteinander sei viel intensiver, auch die Hilfsbereitschaft beispielsweise der Häftlinge und die Aufmerksamkeit den Helfern gegenüber und untereinander. "Ich habe da Sachen entdeckt, die in Deutschland schon lange nicht mehr üblich sind". Trotzdem freut sie sich nach jedem Einsatz wieder auf zu Hause.

Planung für nächsten Einsatz läuft schon

Neben Englisch lernt die Helferin aus Deutschland derzeit auch noch Französisch. Die Hilfe sei einfacher, wenn man nicht immer auf einen Dolmetscher angewiesen ist, sagt sie. Ihr Wunsch ist es, einmal in Uganda helfen zu können. Diese Einsätze seien im Frühjahr und zuletzt wegen Corona immer wieder abgesagt worden. Wenn es auch 2022 nicht klappt, will die Krankenschwester im November wieder nach Togo fliegen.

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Spenden für Äthiopien 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Schwarze und ein weißer Mann stehen neben einem weißen Wagen. 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR (gh)

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