Treffpunkt Genossenschaft in Schönstedt führt erfolgreichen Dorfladen

Dass ein klassischer Dorfladen noch schwarze Zahlen schreiben kann, beweist der "Landmarkt mit Herz" in Schönstedt im Unstrut-Hainich-Kreis. Eine Bürgergenossenschaft hat den Laden dort vor zwei Jahren gerettet und bietet nicht nur Lebensmittel an. Das mittlerweile häufige 24-Stunden-Modell ohne Personal ist dabei nichts für die Schönstedter.

Menschen stehen an einer Kasse an.
Ohne die Genossenschaft könnten die Schönstedter hier vermutlich nicht mehr einkaufen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Der "Landmarkt mit Herz" in Schönstedt im Unstrut-Hainich-Kreis schreibt wie schon im Vorjahr schwarze Zahlen. Der Neuanfang vor zweieinhalb Jahren ist gelungen: Das Angebot der Bürgergenossenschaft wird gut angenommen, mehr als 1.000 Produkte stehen in den Regalen.

Auf 200 Quadratmeter Fläche gibt es außerdem einen Bäcker, eine Paketstation, eine Schuhreparatur, eine Reinigung und einen Lieferservice. Daneben bietet eine Sitzecke Platz für Kaffeeklatsch und regelmäßige Rentnertreffs.

2019 rettete die Genossenschaft den Laden

Ende 2019 drohte das Aus für den Landmarkt, der von einer privaten Betreiberin eröffnet worden war. Um die einzige Einkaufsmöglichkeit im 1.200-Einwohner-Ort zu retten, haben 120 Schönstedter eine Genossenschaft gegründet. Für 100 Euro konnte jeder Mitglied werden; einige haben mehrere Anteile erworben.

Für Initiator und Bürgermeister Egbert Zöllner schon damals eine einfache Rechnung: "Wenn jeder Schönstedter für 20 Euro im Monat hier einkauft, kann der Landmarkt über Jahrzehnte bestehen." Skeptiker habe es auch gegeben. Die meinten, so ein Laden lohne sich nicht.

Eine Frau und ein Mann stehen in einem Türrahmen.
Bürgermeister Egbert Zöllner und Verkäuferin Sylvia Preller Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Die Rechnung ging auf: Nach einem Minus im Gründungsjahr konnte die Genossenschaft im Vorjahr erstmals schwarze Zahlen schreiben und das Ergebnis in diesem Jahr bereits verdoppeln. Allerdings müsse abgewartet werden, was nach Abzug der Nebenkosten vom Gewinn übrigbleibt, so Zöllner.

Drei Verkäuferinnen werden regelmäßig von ehrenamtlichen Helfern beim Auspacken unterstützt. Der Laden öffnet täglich acht Stunden - von 7 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr.

Vielfältiges Angebot

Die Schönstedter sind zufrieden mit ihrem Dorfladen. "Gutes Angebot, hilfsbereite und freundliche Verkäuferinnen", sagt Anita Koch. Die 74-Jährige kommt mit ihrem Wippchen mindestens zweimal pro Woche. Dass man hier auch Sachen zum Reinigen, Pakete und kaputte Schuhe abgeben kann, kommt bei den Kunden gut an. Frische Brötchen gibt es ebenfalls von der Backstation. Neuerdings können Kunden auch Geld abheben.

Eine Frau zieht einen Wagen.
Anita Koch kommt regelmäßig zum Einkaufen vorbei. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Lieferdienst zu Corona-Zeiten

Zum Jahresbeginn 2020 hatte die Genossenschaft den Laden übernommen - zehn Wochen später begann der erste Lockdown. "Wir haben sofort begonnen, mit dem Landmarkt-Auto zu liefern. Das kam gut an", erinnert sich Bürgermeister Zöllner. Dieser Service sei beibehalten worden. Wenn ein Kunde weitere Wege hat, wird ihm der Einkauf nach Hause gebraucht. Das gilt auch für Waren, die kurzzeitig nicht vorrätig sind. Die werden besorgt und nachgereicht.

Kaffeeecke gehört zum Einkauf dazu

Die Sitzecke im Kassenbereich ist ein beliebter Ort, um den Einkauf zu unterbrechen. Wer will, bekommt einen Kaffee und frischen Kuchen. Immer dienstags treffen sich die Frauen zum Kaffee. Alle vier Wochen mittwochs ist Rentnernachmittag mit Kaffee, Kuchen und Würstchen im großen Raum. Auch das gehört zum "Landmarkt mit Herz" dazu.

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch.
Zum Einkauf gehört auch Kaffee und Kuchen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Teamwork aus Festen und Ehrenamtlichen

Um den Verkaufsbetrieb kümmern sich drei Verkäuferinnen mit 20 und 30 Stunden Arbeitszeit sowie einem Minijob. Das sind Sylvia Preller, Ute Krumbein und Silke Jünger. Damit die Ware montags und donnerstags schnell in die Regale kommt, helfen immer Ehrenamtliche beim Auspacken.

Zum Einkaufen kommen inzwischen auch viele junge Kunden. Auch weil sie Sprit sparen wollen und es hier Produkte aus der Region gibt. Konserven aus Großengottern, Wurst aus Keul, Eier aus Carola. Die Kinder vom Spielplatz gegenüber oder auf dem Weg zur Schule holen sich hier ein Eis oder ein Brötchen.

24-Stunden-Modell keine Option

Weil viele ältere Menschen allein leben, kommen sie auch deshalb gern hierher. Um Bekannte zu treffen und sich auszutauschen. Hinzu kommt, dass viele nicht mobil und deshalb froh über den Laden im Dorf sind. Der 24-Stunden-Laden sei keine Option für Schönstedt. "Hier treffen wir uns und das wollen wir erhalten", sagt Egbert Zöllner.

Zwei Frauen stehen in einem Laden.
Der Dorfladen ist Treffpunkt für die Menschen aus dem Dorf. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Gemeinsam mit Renate Zerhacke gehört er auch zum Vorstand der Genossenschaft. In Ballstädt im Kreis Gotha hatten sie sich einen solchen Dorfladen angeschaut und nach diesem Vorbild eröffnet.

Als im Vorjahr das Dach des Landmarktes kaputt war und repariert werden musste, ist die Genossenschaft kurzerhand in die Gemeindeschenke gezogen. Der Saal diente als Lager und die Gaststätte war der Verkaufsraum. Fast vier Monate dauert die Reparatur und bis zu 30 Helfer waren bei den beiden Umzügen zur Stelle.

Mehr zu Dorfläden und dem 24-Stunden-Modell

Dorfladen steht auf einem Schild, das über einer Tür hängt 24 min
Bildrechte: Thomas Reimer/Adobe Stock

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 09. August 2022 | 10:39 Uhr

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