Die Rekruten vom Hain "Man muss funktionieren im Gefecht" - Wie Bundeswehr-Rekruten das Schießen lernen

Kriegsbilder sind für uns in den vergangenen Wochen leider zur Normalität geworden. Und dennoch: Die 120 Rekruten in der Bundeswehrkaserne Gera halten durch. Sie bleiben bei ihrer Entscheidung, den Soldatenberuf zu ergreifen. Und das, obwohl ein möglicher Einsatz im Kriegsgebiet lange nicht mehr so aktuell war wie jetzt.

Es regnet. Mal wieder. Hier oben auf dem Hain pfeift der Wind. Freiwillig geht man bei dem Wetter eigentlich nicht raus. Seit 5 Uhr sind sie auf den Beinen: 120 Rekruten werden in der Bundeswehrkaserne in Gera ausgebildet. Heute stehen erneut Schießübungen an. Die sogenannten "Gewehr-Grundlagen-Übungen". Vier Prüfungen müssen die Rekruten schaffen. Dann steht das Schießen mit scharfer Munition an.

Es ist rauer geworden, das Rekrutenleben

"Es wird von Tag zu Tag anstrengender", sagt Marius. Der 27-Jährige gehört zu den Ältesten hier. Seit zehn Jahren hat er den Gedanken im Kopf, Berufssoldat zu werden. "Wann, wenn nicht jetzt? Ich werde nicht jünger, irgendwann bin ich den Anforderungen nicht mehr gewachsen", sagt Marius. "Ich bin schon fitter geworden durch die Ausbildung", schmunzelt er. "An der Ausdauer arbeite ich noch, aber ich merke Fortschritte!"

So geht es auch Jennifer. Sie ist eher zierlich. Das Joggen mit voller Montur ist für sie eine Herausforderung. "Doch langsam gewöhnt sich der Körper an die Belastung." Ganz am Anfang - gibt sie zu - gab es ihn, den Moment, in dem sie alles hinschmeißen wollte. Diesen Gedanken kennt auch Marius.

Vor allem, wenn die Kälte durch den Körper zieht, dann hab ich mich schon gefragt: Was mache ich eigentlich hier? Doch wir sitzen alle im selben Boot und meine Kameraden ziehen mich mit.

Rekrut Marius

Wer bis hier hin durchgehalten hat, bleibt bei der Truppe, so die Erfahrung.

Menschen in Tarnanzügen knien hinter Hindernissen.
Vier Prüfungen am Gewehr müssen die Rekruten schaffen, erst dann steht das Schießen mit scharfer Munition an. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Schießtraining: Erst Übungsmunition, dann scharfe Munition

Inzwischen hat jeder Rekrut seine Waffe, ein G36. Knapp vier Kilogramm wiegt die mit Munition. Vorerst wird mit Übungsmunition geschossen. Anschlagsarten üben steht danach auf dem Plan. Natürlich im Dauerregen. Die Rekruten bleiben hoch konzentriert. Es geht um viel. Nur wer alle vier Übungen besteht, darf mit scharfer Munition schießen. Es klappt bei allen.

In der Schießanlage im sächsischen Marienberg wird Munition verteilt. 30 Schuss, die auf Entfernungen zwischen 100 und 250 Meter treffen sollen. Bei den meisten klappt das gut. Hier auf der Bahn geht es nicht ums schnelle Schießen. Sondern vor allem darum, die Grundlagen zu vertiefen. "Man muss funktionieren im Gefecht und unter Drill. Denn nur so schützt man sein Leben und das seiner Kameraden", sagt ein Ausbilder.

Der Schneeregen hat nachgelassen. Im Wald neben der Schießbahn übt eine Gruppe das "Leben im Feld". Feuer anzünden mit Baumrinde oder anderen Hilfsmitteln, Unterkünfte bauen - einfache aber effektive Tipps zum "draußen durchhalten". Es hat ein bisschen was von Abenteuercamp. "Klar, man lernt viel Neues", sagt Marius. Wir müssen laut reden - die Schießbahn ist nicht weit.

Ein Rekrut liegt auf dem Bauch und hält ein Gewehr.
Die Thüringer Rekruten üben das Schießen im sächsichen Marienberg. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Was, wenn aus der Übung Ernst wird?

Die Rekruten zielen auf Scheiben in Form eines Menschen. Jetzt wird es ernst. Denn was ist, wenn die Rekruten tatsächlich in den Einsatz müssen und die Waffe auf Menschen richten? Jennifer hat dazu eine klare Meinung: "Wenn diese Situation kommt, ist es eine Gefahrensituation. Ich oder er. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen." Auch für Marius ist klar, dass jeder über solche Einsätze nachdenken muss. Am besten, bevor er zur Bundeswehr geht. Aus der Übung kann schnell Ernst werden - das ist ihm bewusst.

Wenn es dazu kommen sollte und es der Auftrag erfordert, werde ich es tun müssen.

Rekrut Marius

"Wie es einem damit geht, das weiß man erst im Nachhinein", sagt Marius nachdenklich. Für heute ist die praktische Ausbildung beendet. Doch entspannt wird es noch lange nicht für die Rekruten. Sie arbeiten auf die nächste große Herausforderung hin: ein Zweitagesmarsch in voller Montur mit dem ganzen Programm der Ausbildung. Für Marius ist klar: Es wird anstrengend. Aber er will durchziehen und am 18. Mai in Gera sein feierliches Gelöbnis sprechen.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. April 2022 | 19:00 Uhr

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