Bildung Gera: Gymnasium Rutheneum noch Monate ohne Sozialarbeiterin

Die 600 Schüler am Gymnasium Rutheneum in Gera waren entsetzt, als der Vertrag mit ihrer Schulsozialarbeiterin Ende 2021 nicht verlängert wurde. Die Entscheidung beschäftigt die Gerichte. Bis heute ist die Stelle nicht besetzt. Wie geht es weiter an Geras ältestem Gymnasium?

Ein Schild neben der Tür ist alles, was im Moment zeigt: Hier ist das Arbeitszimmer der Schulsozialarbeiterin. Doch der Raum im ersten Stock des Gymnasiums "Rutheneum seit 1608" in Gera ist immer noch verwaist.

Im Dezember stellte der Trägerverein Streetwork seiner Sozialarbeiterin den Stuhl vor die Tür. Die Gründe dafür liegen bis heute im Dunkeln. Der Vertrag mit der Sozialarbeiterin war zwar bis zum 31. Dezember befristet, allerdings wollte sie sich mit der Art und Weise ihres plötzlichen Rauswurfs nicht so einfach abfinden.

Auch die Schüler, Eltern und Lehrer am Gymnasium machten gegen das Vertragsende mobil. In einem offenen Brief forderten die Schüler eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Sie beklagen, dass es bis heute darauf keine Reaktion seitens des Vereins gab. "Es wurde nicht mal eine Begründung genannt, warum es jetzt so weit gekommen ist. Dafür habe ich kein Verständnis", sagt Yannick Albert, Schüler der zwölften Klasse.

Zwei Schüler sitzen an einem Tisch.
Jonas Witt und Yannick Albert aus der 12. Klasse sind enttäuscht, dass es noch keine neue Schulsozialarbeiterin am Rutheneum gibt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Trägerverein schweigt zum Prozedere

Der Trägerverein will sich auf Nachfrage auch jetzt nicht zum Sachverhalt äußern. Klar ist nur: Auch zwischen Schulleitung und Streetwork e.V. hängt der Haussegen schief. Laut Schulleitung wurde ein klärendes Gespräch gleich zu Beginn vom Streetwork-Verein abgebrochen, weil die Schul-Elternsprecherin anwesend war.

Die ursprünglich ab dem 1. Januar vom Streetwork-Verein zugesagte Sozialarbeiterin wurde inzwischen an einer anderen Schule eingesetzt. Deshalb plante das Gymnasium, bei der Schulsozialarbeit mit einem anderen Träger zusammenzuarbeiten. Doch nach ersten positiven Signalen machten die angefragten Trägervereine einen Rückzieher.

Ein Schild hängt neben einer Tür.
Das Arbeitszimmer der Schulsozialarbeiterin ist verwaist. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Langfristige Beschäftigung aktuell nicht möglich

Das Jugendamt der Stadt Gera will die Sozialarbeit am Gymnasium nun selbst in die Hand nehmen. Bis zum 3. März konnten sich Bewerberinnen und Bewerber bei der Stadtverwaltung melden. Doch auch diese Stelle wird wieder befristet sein. Die Finanzierung ist an den Thüringer Landeshaushalt gekoppelt, damit ist keine langfristige Beschäftigung möglich.

Lernen in Zeiten von Corona und Ukraine-Krieg

Laut Stadtverwaltung soll die neue Sozialarbeiterin am 15. Juli mit ihrer Arbeit am Rutheneum beginnen. Die Schüler werden sie damit erst nach den Sommerferien kennenlernen. Bis es zwischen Schülern und Sozialarbeiterin eine Vertrauensbasis gibt, könnten noch viele weitere Wochen vergehen. Dabei wäre gerade in der aktuellen Lage eine funktionierende Sozialarbeit wichtig, sagt Schulleiterin Silva Wallstabe. "Die Schüler haben die Probleme beim Lernen mit Corona noch nicht richtig verdaut, da kommt mit dem Krieg in der Ukraine schon die nächste Krise auf sie zu."

Zwei Frauen unterhalten sich an einem Tisch.
Schulleiterin Silva Wallstabe und Elternsprecherin Katharina Trautmann im Gespräch. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Für die im Dezember entlassene Sozialarbeiterin steht in Kürze der nächste Gerichtstermin mit ihrem alten Arbeitgeber an. Nach MDR-Informationen soll sich der Streetwork-Verein dort zu den Gründen äußern, warum der Vertrag trotz gesicherter Finanzierung nicht verlängert wurde.

MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. April 2022 | 19:00 Uhr

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