Vorort von Gera Ein Jahr nach Brand in Dürrenebersdorf: Neues Haus wächst dank vieler Spenden

Kurz vor Weihnachten 2020 war ein Haus in Gera-Dürrenebersdorf komplett abgebrannt. Viele Menschen spendeten für die betroffene Familie. Ein Ortsbesuch.

Ein Ehepaar vor einer Baustelle.
Eberhard und Helga Ruppe an der Baustelle. Der Einzug ist für den Sommer geplant. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Wenn die Sirene im Dorf aufheult, wird wohl sofort jedem flau. Noch viel schlimmer muss es sein, wenn man nachts von der Sirene aus dem Schlaf gerissen wird, um dann festzustellen: Es brennt in meinem Haus. So erging es am 19. Dezember 2020 Familie Ruppe aus Dürrenebersdorf bei Gera.

Feuerwehrleute löschen ein brennendes Wohnhaus.
19. Dezember 2021: Feuerwehrleute löschen das brennende Wohnhaus der Ruppes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es gab einen lauten Knall, dann loderten die Flammen. Aus dem der Feuerwehr ursprünglich gemeldeten "Brand eines Carports" wurde ein Wohnhausbrand. Meterhoch loderten die Flammen aus dem Haus, in dem Eberhard Ruppe geboren wurde und in dem er 46 Jahre mit seiner Ehefrau Helga lebte. In eine Decke gehüllt, schaute Helga Ruppe den Flammen fassungslos zu. Eberhard Ruppe lief hin und her, konnte nichts tun.

46 Jahre gemeinsames Leben. Erinnerungen, Familienglück. Alles dahin. Stundenlang ist die Feuerwehr im Einsatz. Auch die Nachbarhäuser, die dicht am Brandhaus stehen, müssen geschützt werden. Erst am nächsten Tag war das ganze Ausmaß der Katastrophe klar.

Ich will die Bilder nicht mehr sehen - nicht mehr an diesen Tag denken.

Eberhard Ruppe

Innenwände stehen, Küche ist bestellt

Jetzt, ein Jahr später, stehen Eberhard und Helga Ruppe wieder am gleichen Platz - dieses Mal mit glücklichem Gesicht. Denn vor ihnen steht ein nagelneues Haus. Das Dach ist drauf, die Innenwände stehen. Die Küche ist schon bestellt. Wenn alles klappt, wird im Sommer eine große Einzugsparty gefeiert, kündigt Eberhard Ruppe freudestrahlend an.

Dass dies so schnell möglich ist, grenzt an ein Wunder. Ermöglicht haben es unzählige Helfer, Spender, Freunde, Vereine und Firmen der Region. Einer der Helfer ist der Geraer Kameramann Björn Walther. Er hatte die Bilder der tragischen Brandnacht eingefangen. Das Schicksal der Familie hat ihn nicht losgelassen. In den sozialen Medien teilte er ein kurzes Video und rief zu Spenden auf. "Im Gespräch mit ihm habe ich dann auch gemerkt, dass es aufrichtige Menschen sind, so nett und lieb. Die haben so ein Leid nicht verdient."

Diese Hilflosigkeit, das hat mir einfach so leidgetan.

Björn Walther Kameramann und Spendensammler

Freude über große Hilfsbereitschaft

Er konnte selbst kaum glauben, wie hilfs- und spendenbereit die Menschen sind. In nur zehn Tagen kamen sage und schreibe 37.500 Euro zusammen. Einen großen Scheck übergab Björn Walther am 31. Dezember 2020 der Familie - zum 69. Geburtstag von Eberhard Ruppe.

Auch der Gemeindeverein Dürrenebersdorf konnte in der kurzen Zeit mehr als 23.000 Euro sammeln. "Die Menschen haben mich in der Stadt erkannt, haben einfach so einen Schein aus der Tasche gezogen", sagt Eberhard Ruppe. "Also mit so was haben wir nicht gerechnet. Diese Hilfsbereitschaft, da kann man nur Danke sagen. Aber das klingt so profan. Die Dankbarkeit, die ist tief bei uns im Herzen!"

Versicherung zahlt Teil der Baukosten

Die Versicherung hat bereits einen Teil der Baukosten bezahlt. Doch sie übernimmt nicht alle Kosten. So musste das Grundstück neu vermessen werden, Bauanträge mussten gestellt, ein neuer Schornstein und Abwasserschächte gebaut werden. "Das ist schon eine erhebliche Summe. Die hätten wir alleine überhaupt nicht stemmen können", so die Familie. Ruppes sind auch froh, dass die Nachbarn ihr Geld bekommen haben. Denn Flammen und die Hitze hatten auch deren Häuser zugesetzt.

Helga und Eberhard inspizieren noch einmal den Rohbau ihres Hauses. Im Schlafzimmer wird künftig die Sonne durch die neuen bodentiefen Fenster strahlen. Fast wunschlos glücklich ist das Ehepaar. Fast, sagt Eberhard Ruppe: "Ich wünsche mir, dass wir das hier zusammen noch ein paar Jahre erleben dürfen."

Quelle: MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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