Prozess in Gera Baby zu Tode geschüttelt? Zweifel an Schuld der Angeklagten

Im Prozess um den Tod eines Pflegekindes muss sich eine 46-jährige Pflegemutter vor dem Landgericht Gera verantworten. Sie soll den Säugling 2018 zu Tode geschüttelt haben. Die Verteidigung weist die Vorwürfe zurück.

Im Prozess um den Tod eines Säuglings am Landgericht Gera gibt es Zweifel an der Täterschaft der Angeklagten. Möglicherweise ist die 46-jährige Pflegemutter nicht für die tödlichen Verletzungen des ihr anvertrauten Babys verantwortlich.

Laut Anklage soll die Frau ihr Pflegekind im Januar 2018 so stark geschüttelt haben, dass es starb. Die Staatsanwaltschaft erklärte zum Prozessauftakt am Montag zudem, dass das elf Monate alte Mädchen von Geburt an gesundheitlich beeinträchtig gewesen sei. Es habe künstlich ernährt werden müssen.

Verteidigung weist Vorwürfe zurück

Der Verteidiger der Pflegemutter schilderte, dass das Kind mehrere Tage vor der Übernahme eine deutlich sichtbare Beule an der Stirn gehabt habe. Zu dem Zeitpunkt habe das Kind in einer Klinik gelegen. Die Pflegemutter hatte es dort besucht und ein Foto von dem Mädchen gemacht. Seitens der Klinik habe es keine Erklärung gegeben, wie es zu der Beule gekommen sei.

Meine Mandantin ist nicht verantwortlich für den Tod des Kindes.

Markus Kruppa Rechtsanwalt

Auch sei unbekannt, wer alles in der Klinik Zugang zu dem Kind gehabt habe - auch andere hätten mit dem Mädchen in Kontakt treten können. "Meine Mandantin ist nicht verantwortlich für den Tod des Kindes", sagte Rechtsanwalt Markus Kruppa.

Hände halten Akten
Um die Todesumstände des Kindes zu klären, sollen im Verlauf des Prozesses mehrere Gutachter befragt werden. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Todesumstände sollen geklärt werden

Drei Tage später wurde das Kind in der Wohnung der Pflegemutter bewusstlos. Sie rief den Notarzt, der das Baby ins Krankenhaus brachte, wo es trotz Not-Operation starb. Im Laufe des Prozesses will das Gericht mehrere Gutachter befragen, darunter einen Neuropathologen. Es soll geklärt werden, wie und wann die Verletzungen entstanden, die zum Tod des Babys führten.

Am ersten Prozesstag hieß es, die Angeklagte gelte als erfahrene Pflegemutter. Es gebe keine Hinweise auf eine Überforderung. Für die Frau spreche auch, dass sie später ein weiteres durch Schütteltrauma geschädigtes Kind aufnahm und es bis heute umsorgt. Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Ende April fallen.

MDR(cfr),dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 28. März 2022 | 15:30 Uhr

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