Justiz Missbrauchsprozess: Leiter einer Kindereinrichtung zu Gefängnisstrafe verurteilt

Das Landgericht Gera hat einen 60-Jährigen zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Er soll Fotos vom Intimbereich von zwei Mädchen gefertigt haben. Der Mann saß fast zehn Monate in Untersuchungshaft.

Wegen Vergehen an Schutzbefohlenen und Anfertigen kinderpornografischer Fotos muss ein 60-Jähriger für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Gera hat den ehemaligen Geschäftsführer einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Hermsdorf (Saale-Holzland-Kreis) am Mittwoch verurteilt.

Dem zur Tatzeit 57-Jährigen wird vorgeworfen, mehrere Fotos vom Intimbereich eines schlafenden zehnjährigen Mädchens angefertigt zu haben, welches sich in der Obhut der Einrichtung befand. Zudem wird ihm zur Last gelegt, weitere Fotos vom Intimbereich eines weiteren minderjährigen Mädchens gefertigt und dieses auch im Innenschenkelbereich berührt zu haben.

Verteidigung fordert Bewährungsstrafe

Das Gericht sah die Vorwürfe am Mittwoch als gesichert an. Die Verhandlung habe anhand von Gutachten und Zeugenaussagen gezeigt, dass die Bilder alle vom Handy des Mannes gemacht wurden. "Wir sind davon überzeugt, dass die Lichtbilder von dem Angeklagten aufgenommen wurden", sagte die Vorsitzende Richterin.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren. Der Verteidiger hatte ein Strafmaß von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung gefordert. Er könne nicht komplett an den Beweisen vorbeiplädieren, erklärte Anwalt Thomas Siegel in seinem Plädoyer. Sein Mandant habe nachweislich Bilder von den Mädchen gemacht. "Wenn man die Bilder und das Spektrum des Missbrauchs sieht, bewegen wir uns trotzdem noch im unteren Bereich", sagte der Anwalt.

Schwerer sexueller Missbrauch nicht feststellbar

Schwerer sexueller Missbrauch sei laut Richterin in der Tat nicht feststellbar gewesen. Der Mann habe allerdings gewusst, dass es sich bei dem Mädchen um ein schwer traumatisiertes und geschädigtes Kind gehandelt habe, ohne Kontakt zu den Eltern, als es in die Obhut der Einrichtung kam.

Die Kammer sei davon überzeugt, dass dies im Urteil berechnet werden muss, sagte die Richterin. Zugunsten des heute 60-Jährigen sei jedoch berücksichtigt worden, dass er nicht vorbestraft war.

Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig, der Haftbefehl hat jedoch Bestand. Der Mann, der sich seit knapp zehn Monaten in Untersuchungshaft befand, bleibt somit inhaftiert. Laut Richterin besteht eine Flucht- und Wiederholungsgefahr.

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MDR (jn), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. April 2022 | 18:00 Uhr

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