Bundeswehr Die Rekruten vom Hain – Der Abschlussmarsch

Vor acht Wochen haben sie Jeans und Winterjacke gegen die Bundeswehr-Uniform eingetauscht: 127 junge Frauen und Männer aus ganz Deutschland haben sich in Thüringen zum freiwilligen Dienst gemeldet. 99 sind nun – bei der Abschlussübung im Zeitzer Forst - noch dabei.

Qualm steigt auf aus der Feuergrube, Zelte stehen unter Birken. Ein idyllisches Bild. Doch hier geht es um Leben und Tod – wenn auch nur fiktiv in der Abschluss-Ausbildung. "Rekrutenbesichtigung" heißt das im Militärdeutsch.

Realistisches Szenario abarbeiten

Hochkonzentriert sitzt die Gruppe im Halbkreis, macht sich Notizen. Der Ausbilder klärt die Rekruten über die Lage auf; erläutert ihren Auftrag. Schon am Vortag haben sie ihre Stellung ausgehoben und den Alarmposten – das "Auge voraus". Aus dem Funkgerät des Ausbilders tönt es: "Falke an alle – Gefechtsbefehl in 5. Falke Ende." Jetzt wird es ernst. Es geht in den Feuerkampf.

Auf dieses Szenario wurden sie die letzten Wochen ausgebildet: Verhindern, dass der Feind zum Ziel gelangt; den Feind bekämpfen. Die letzten Meter zu ihrer Stellung müssen die Rekruten robben. Auch wenn das in der Militärsprache "gleiten" heißt – leichter wird es dadurch nicht. Ein Pfiff, dann fallen die ersten Schüsse - Manövermunition. Und auch die ersten Feinde.

Ukraine-Krieg macht die Übung besonders

Gerade in der aktuellen Krisen-Situation in Europa gehen die Rekruten anders in ihre Abschlussübung: "Auch wenn es hier nur die fiktive Lage ist – man muss sich da wirklich rein versetzen. Wenn es in ein paar Monaten oder Jahren dann wirklich so sein sollte, kann man es auch nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagt Marius.

Rekruten der Bundeswehr in Uniform im Wald bei ihrer Abschlussübung
Auch unter der Tarnschminke kann man ihm die Erschöpfung ansehen. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Alle hier hoffen, dass es keinen Ernstfall geben wird. Aber die Soldaten werden - auch mit dieser Übung - darauf vorbereitet.

Das Grundhandwerk ist natürlich das hoch intensive Gefecht.

Oberstleutnant Daniel Spieß Panzergrenadierbataillon Gera

"Ich war am Anfang gespannt, wie sich diese Grundausbildung unter den aktuellen politischen Herausforderungen entwickeln wird. Weil sie natürlich genau in dem Zeitfenster hier begonnen hat. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Verlauf. Wir haben weniger Abbrecher dieses Mal als in den letzten Grundausbildungen. Und ich habe gemerkt, dass vielen bewusst ist, welchen Arbeitgeber sie hier wählen", sagt der Kommandeur, Oberstleutnant Daniel Spieß.

Rekruten der Bundeswehr in Uniform im Wald bei ihrer Abschlussübung
Von anfangs 127 Rekruten sind jetzt noch 99 dabei. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Der 18-Kilometer-Marsch ist hart. Am Körper tragen die Soldaten rund zehn Kilo Ausrüstung – dazu kommt der Rucksack, 15 Kilo schwer. Davon allein wird die Luft schon knapp. Dann plötzlich der Befehl: "ABC-Schutzmaske aufsetzen!" Mit jedem Kilometer werden die Nerven dünner. Hinter jeder Wegbiegung gibt es neue Aufgaben – überall könnte der Feind stehen.

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so anstrengend ist. Aber das gehört dazu.

Rekrut Marius

Plötzlich: Schreie aus dem Wald. Hilferufe. Mit vollem Gepäck rennen die Rekruten einen steilen Hang nach oben zum Sanitätsübungspunkt. Die Beinverletzung eines Kameraden muss versorgt werden. Wer sichert ab, wer versorgt und wie? Das alles muss in kürzester Zeit besprochen werden - unter den strengen Augen der Ausbilder. Dazu kommt, dass der "Verwundete" seinen Job richtig gut macht und permanent lauthals schreit und jammert.

Kameradschaft ist wichtig

Unter Druck richtig entscheiden: Das kann überlebenswichtig sein. "Jetzt müssen wir das anwenden, was uns in den letzten acht Wochen vermittelt wurde oder was die Ausbilder versucht haben, uns beizubringen", sagt Marius.

Auf Knopfdruck klappt noch längst nicht alles. Aber wozu ist man ein Team? "Es gibt immer wieder einen, der weiß das dann oder konnte sich das besser merken. In den Ruhephasen heißt es dann sich mit ihm zusammen zu setzen und darüber zu reden, damit man seine Fehler nicht wiederholt."

Für Marius ist das die Kameradschaft, die er von Anfang an bei seiner Berufswahl erwartet hat und die sich für ihn immer wieder bestätigt.

Rekruten der Bundeswehr in Uniform im Wald bei ihrer Abschlussübung
In der Übung wird alles verlangt, was sie in acht Wochen gelernt haben. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Als seine Gruppe am Nachmittag endlich wieder in der Kaserne ankommt, will Marius - wie alle anderen auch - nur das schwere Gepäck loswerden. Verständlich. In zwei Wochen werden die Rekruten in Gera öffentlich ihr feierliches Gelöbnis sprechen. Dann kommen sie in verschiedene Standorte in Deutschland und werden für ihre weitere Verwendung qualifiziert.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. April 2022 | 19:00 Uhr

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