Landkreis Greiz Gnadenhof in Ostthüringen vor dem Aus - Verein sucht neues Pferde-Quartier

Was passiert, wenn Pferde alt und krank werden? Für sie gibt es Menschen wie Kerstin Kubik. Sie betreibt in Großsaara in der Nähe von Gera mit einem Verein einen Gnadenhof für Pferde. Doch der Besitzer des Hofes hat jetzt Eigenbedarf angemeldet. Wohin mit sieben Pferden? MDR THÜRINGEN-Reporterin Kathleen Bernhardt hat den Verein besucht.

Drei Pferde stehen auf einer Koppel.
Wo die Pferde vom Schutzhof Saara bald grasen werden, ist ungewiss. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist pure Landidylle. Die beiden Ponys Jury und Lena schnurpsen Möhren, die drei Meerschweinchen im Stall mümmeln im Heu. Auf der Pferdekoppel genießen vier stattliche Pferde ihre Freiheit. Es sind alte und kranke Tiere, die niemand mehr haben will.

Hier auf dem Gnadenhof in Großsaara werden sie von ehrenamtlichen Tierliebhabern umsorgt. Doch wie lange noch? Denn der Vierseithof ist nur gepachtet; der Besitzer hat Eigenbedarf angemeldet. Sein gutes Recht. Doch für den Verein bedeutet es wohl das Aus. Am 31. Mai geht der Hof zurück an seinen Besitzer.

Sorgenfalten hat Ralf Steidel auf der Stirn. Er ist Chef des Vereins Reit- und Begegnungsstätte Saara und derzeit rund um die Uhr für die Tiere da; wie fast alle der zehn Vereinsmitglieder. Zurzeit ist er ständig online - grast die Immobilienportale ab auf der Suche nach einer neuen Heimat für den Gnadenhof.

Hof im Landkreis Greiz gesucht

Alle Vereinsmitglieder wohnen rund um Großsaara. Sie können schnell zur Stelle sein, wenn Hilfe gebraucht wird oder wenn die Pferde am Nachmittag von der Koppel geholt werden. Viel Arbeit übernimmt Kerstin Kubik. Sie hatte sich 2006 ihren Traum vom Gnadenhof erfüllt. Der Hof in Großsaara war perfekt - mit viel Platz für ihre Tiere und einer Wohnung für sie selbst und ihre Töchter. Ende Mai muss auch sie sich eine neue Bleibe suchen. Das dürfte weitaus leichter sein, als einen Platz für die Tiere zu finden.

Eine Frau steht auf einer Pferdekoppel.
Janett Kubik und die anderen Mitglieder des Vereins Reit- und Begegnungsstätte Saara hoffen auf eine neue Bleibe für die Pferde. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Kosten für Tierfutter und Medizin

Issy kommt mit ihrer Mutter Stefanie auf den Hof. Die beiden sind jede freie Minute hier. Bevor sie die Pferde von der Koppel holen, werden die Futtereimer mit kleinen Snacks gefüllt: Möhren, Hafer, Kleie - und Tabletten. Denn einige Pferde brauchen ihre tägliche Medizin. So wie Hengst Chris.

Als er vor Jahren auf den Gnadenhof kam, sah man jeden Knochen des Tieres. Der Verein um Kerstin Kubik hat Chris wieder aufgepäppelt. Der "ältere Herr" macht viel Arbeit. Er braucht Spezialfutter, tägliche Medizin, bekommt Behandlungen vom Physiotherapeuten. Das alles kostet. Mindestens 100 Euro braucht der Verein für ein Pferd monatlich. Die Versorgung von Chris ist deutlich teurer. Finanziert wird das alles aus Spenden von Tierfreunden. Aber auch privat schießt jeder hier ein bisschen was dazu.

Zwei Personen führen zwei Pferde durch einen Ort.
In Großsaara im Kreiz Greiz kümmern sich die Vereinsmitglieder um die altersschwachen Tiere. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Schlimmstenfalls droht Pferden die Einschläferung

Die kleine Helfergruppe macht sich auf den Weg zur Pferdekoppel. Noch rund hundertmal haben sie diesen Weg vor sich. Dann ist Ende Mai - Deadline. Was wird aus den Tieren? Jannett Kubik lächelt verzweifelt: "Entweder müssen wir versuchen, die Pferde zu vermitteln, was schwierig ist - weil ja jedes schon alt ist oder eine Krankheit hat. Oder sie müssen leider Gottes eingeschläfert werden."

Kann ein Tierheim helfen? "Wir sind ja ein Großtierheim. Ein normales Tierheim nimmt ja keine Pferde auf", sagt Jannett Kubik. Einige Pferde konnten die Tierfreunde bereits vermitteln. Für die letzten sieben Tiere aber hat sich noch kein neues Zuhause gefunden. Ab Mai stehen sie sozusagen auf der Straße.

Bisher ungenutzter Hof wäre ideale Lösung

"Am besten kann man uns helfen mit einem Vierseitenhof oder Dreiseitenhof, idealerweise im Landkreis Greiz", sagt Vereinschef Ralf Steidel. "Denn wir wohnen hier ja, müssen schnell da sein, damit wir uns um die Tiere kümmern können. Deshalb suchen wir einen Hof möglichst in der Nähe von Großsaara."

Doch der Immobilienmarkt ist leergefegt. Der Tag des Auszugs rückt unaufhaltsam näher. Niemand auf dem Hof will daran denken. Doch alle tun es ständig. Sie hoffen, dass sich doch noch jemand findet, der seinen leerstehenden Bauernhof mit neuem Leben füllen möchte.

MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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