Landkreis Greiz Mit Didgeridoo und Gebetsglöckchen: Musikunterricht in Münchenbernsdorf

Die Kinder der Grundschule Münchenbernsdorf im Landkreis Greiz hatten in dieser Woche eine besondere Musikstunde mit einem Künstlerehepaar aus Gera: Die Dritt- und Viertklässler sind auf eine musikalische Weltreise gegangen - und haben dabei 20 Instrumente aus 17 Ländern kennengelernt. Bei der Wissensvermittlung stellen die Künstler jedoch große Unterschiede zur Vor-Corona-Zeit fest.

Ein Mann spielt Instrumente auf einem Turnhallenboden.
Alan Torres tourt seit Jahren mit seiner Frau durch thüringische und sächsische Schulen, um Kindern unterschiedliche Instrumente nahezubringen. Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Alan Torres bläst in eine riesige Meeresschnecke, eine sogenannte "Mayatrompete". Die Begrüßung in der Grundschule Münchenbernsdorf klingt ein bisschen wie ein Schiffshorn - nur schöner. Gespannt schauen die rund 100 Mädchen und Jungen zu dem Mann aus Mexiko mit der schwarzen Kappe. Was kommt als nächstes? "Wenn ich mit Kindern arbeite, kann ich selbst wieder Kind sein, das ist einfach schön", sagt Torres, bei dem man die Liebe zur Musik in jeder Faser spürt.

20 Instrumente aus 17 Ländern

Die Turnhalle ist vollgestopft mit Instrumenten, die viele Kinder sicher noch nicht gesehen haben. Eine Maultrommel aus Indien, Gebetsglöckchen aus Tibet, ein Didgeridoo aus Australien, eine neuartige Zungentrommel aus Deutschland (Tongue Drum), eine Laute aus dem Orient (eine Oud) und eine Art Bambus-Xylophon aus Bali (ein Rindik) und viele andere warten auf ihren Einsatz.

Viele Kinder sitzen in einer Turnhalle.
Gespannt lauschen die Schülerinnen und Schüler erst... Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Nach seinem Musikstudium in Mexiko hat Torres die Instrumente auf Reisen durch die Welt kennen und spielen gelernt. "Mich hat schon immer interessiert, wie Menschen auf aller Welt musizieren. Da habe ich angefangen zu spielen und zu probieren", erzählt er.

Das schwierigste Instrument? Kann er nicht benennen, aber mit der Zirkulationsatmung beim Didgeridoo hatte er wohl anfangs schon seine liebe Mühe. Dafür lauschen Torres jetzt etwa 200 Kinderohren gespannt. Welche Tierlaute kann man mit dem Didgeridoo nachmachen? "Elefant." "Löwe", tönt es aus dem Publikum. Conny Torres schmunzelt. "Na, die haben wohl mal aus Indien und Afrika rübergebrüllt nach Australien." Affe und Dingo passen da schon eher.

Eine Frau und ein Mann erklären ein Instrument.
... bevor Conny und Alan Torres das Didgeridoo erklären. Das australische Instrument wird gespielt, indem man gleichzeitig ein- und ausatmet. Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Seit Corona große Wissenslücken

Das Ehepaar Torres besucht seit Jahren gemeinsam Schulen vor allem in Thüringen und Sachsen. Seit der Corona-Pause hat sich einiges geändert. Die Kinder könnten sich schwerer konzentrieren und nicht so lang still bleiben, ist Conny Torres aufgefallen. Und viel Wissen sei verloren gegangen. "Da gibt es große Wissenslücken in Geografie und bei den Instrumenten. Vor Corona konnten fast alle Kinder unsere Fragen beantworten. Jetzt haben wir Schulen, wo von 100 Kindern manchmal nur zwei oder drei etwas wissen", erzählt Conny Torres betrübt. Das würden auch die Lehrer bestätigen.

Die kleinen Münchenbernsdorfer hingegen sind richtig fit - ein Junge weiß sogar, dass der Regenmacher aus Mexiko ein getrockneter Kaktus ist. "Das wusste noch nie jemand", staunt Conny Torres, bevor ihr Mann mit Regenmacher, Trommeln und Glocken den Geist seiner Heimat nach Thüringen bringt.

Schüler spielen ein Instrument.
Natürlich probieren auch die Kinder die Instrumente selbst aus. Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Der etwas andere Musikunterricht

Die Instrumentenkunde gehört zum Lehrplan der vierten Klasse und ist für die Kinder eine willkommene Abwechslung. Mit Begeisterung trommeln und klatschen sie mit und sind manchmal nur schwer zu bremsen angesichts der vielen unterschiedlichen Klänge.

"Gemeinschaft, Zusammenhalt, Musikalität und Freude" bringt diese Musikstunde der etwas anderen Art in den Unterricht, freut sich Iris Stürmer, die Klassenlehrerin der 4a. Und die Mädchen und Jungen sind sowieso begeistert, vor allem von der Meeresschnecke und dem balinesischen Holzxylophon. "Bei manchen Musikstücken konnte ich voll entspannen und manches war so aufregend, da musste ich gleich mittanzen", erzählt ein Junge. Und eine Schülerin freut sich, dass alle so schön mitgemacht haben.

Ein Mann spielt Instrumente auf einem Turnhallenboden.
Insgesamt 20 Instrumente hat das Ehepaar Torres mitgebracht. Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Zum Abschluss dürfen alle Kinder noch einmal gemeinsam rasseln, trommeln, klatschen - ganz so wie es in vielen afrikanischen Ländern gemacht wird. "Wir zeigen den Kindern, dass man gemeinsam viel schaffen kann", sagt Alan Torres.

Er ist für die Kinder der Held des Tages, als er vier Instrumente gleichzeitig bedient: Mbira und Trommeln aus Afrika, das australische Didgeridoo und Holzrasseln am Fußgelenk - wie eine Ein-Mann-Kapelle.

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 01. Oktober 2022 | 13:40 Uhr

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