Bildung Schüler suchen mit Youtube-Video nach Chemie-Lehrer

Manche Schüler der Ronneburger Regelschule haben das Chemie-Kabinett noch nie von innen gesehen. Seit einem Jahr fehlt eine Chemie-Lehrkraft an der Schule. Die Schüler sorgen sich langsam um ihre Bildung.

Fünf Menschen stehen vor einem Fernseher, auf dem ein Video läuft.
Schulleiterin Silke Solf ist stolz auf ihre Video-Crew. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Zugegeben: Wenn in meiner Schulzeit dauerhaft der Chemieunterricht ausgefallen wäre – ich hätte gejubelt. Um dann irgendwann leider festzustellen – so ganz ohne geht's dann doch nicht. Dessen waren sich auch die Schüler der Friedrich-Schiller-Regelschule Ronneburg bewusst.

Seit über einem Jahr haben sie kein Chemie – denn die Lehrerin ist in Rente gegangen. Nachfolger: Fehlanzeige. Den Schülerinnen und Schülern passt das gar nicht, weiß Schulsprecherin Charlotte: "Uns fehlt eben die Chancengleichheit, die wir an anderen Schulen bekommen könnten, was aber für uns nicht möglich ist".

Langfristige Nachteile für die Jugendlichen

Eine Schülerin musste schon auf ihre Traum-Lehrstelle verzichten – die Firma forderte umfassende Chemiekenntnisse. Auch Adrian hat seine Berufswünsche geändert: "Ich wollte selbst in einen chemischen Beruf gehen – in Richtung Chemielaborant. Das wäre zwar immer noch möglich, aber ich würde schnell den Anschluss verlieren." Nun will er auf Lehramt studieren – Chemie und Physiklehrer werden.

Schulleiterin Silke Solf würde Adrian am liebsten gleich verpflichten, nach dem Studium an seine Heimatschule zurück zu kommen. "Ich brauche eigentlich zwei Chemielehrer. Wir haben 350 Schüler – da ist Bedarf!"

Stellen sind da - Bewerber fehlen

Zwar hat das Schulamt Ostthüringen die Stelle ausgeschrieben, doch bislang hat sich kein Chemielehrer darauf gemeldet. Dabei sind die Arbeitsbedingungen an der Schiller-Schule perfekt. Das Chemie-Kabinett ist auf dem neuesten Stand; die Absauganlage brummt, die Schränke sind mit allem gefüllt, was das Chemielehrerherz begehrt. Im Fachkabinett hängt ein großer Flatscreen unter der Tafel; es gibt sogar zwei Vorbereitungsräume.

Schulabschluss in Gefahr

Für die 10. Klassen war es besonders wichtig – ohne Lehrer keine Noten. Ohne Noten – kein Schulabschluss. Immerhin gibt es eine Notlösung für die Abschlussklassen: Einmal pro Woche werden sie von einem sogenannten "Abordnungslehrer" aus dem Gymnasium Greiz unterrichtet. Der Schulabschluss ist gesichert. Dennoch – das kann nicht die Lösung sein.

Schülerinnen und Schüler werden selbst aktiv

Die Jugendlichen haben sich deshalb überlegt, was sie selber tun können. In ihrem "Darstellen-und-Gestalten-Kurs" kam dann die Idee zum Video. Mit dem stellvertretenden Schulleiter Andreas Hermann und anderen technischen Helfern war die Idee schnell umgesetzt.

Seit knapp zwei Wochen steht das Video auf youtube – wurde inzwischen schon fast 2.000 Mal geklickt - und das vielleicht sogar schon mit Erfolg, verrät Schulleiterin Silke Solf: "Wir haben auch schon eine Resonanz bekommen, also einen Interessenten. Gemeldet hat sich ein ehemaliger Chemielehrer, der bei uns gerne aushelfen möchte. Jetzt bin ich dabei mit dem Schulamt zu klären, ob dieser Lehrer auch bei uns unterrichten darf."

Es ist noch nicht die perfekte Lösung – aber ein erster Schritt für die Ronneburger Schüler. Sie hoffen, dass sich doch ein Chemielehrer meldet auf ihren Aufruf: "WIR SUCHEN SIE!"

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN Journal | 02. April 2022 | 19:00 Uhr

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