Entzündungen im ganzen Körper: Schwere Corona-Folge bei Kindern wird häufiger

Mediziner in Jena und Coburg beobachten eine Zunahme schwerer Ganzkörperentzündungen bei Kindern mehrere Wochen nach einer Corona-Infektion. Die Jenaer Uniklinik registrierte zuletzt acht Fälle in zwei Monaten.

Kind auf der Intensivstation
Die "überschießende Immunreaktion" wie Mediziner das PIMS-Syndrom bezeichnen bedeutet regelmäßig auch Behandlung auf Intensivstationen. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Das Universitätsklinikum in Jena registriert einen Anstieg des sogenannten PIMS-Syndroms nach Corona-Infektionen bei Kindern. Wie der leitende Oberarzt der Kinderkardiologie, Daniel Vilser, MDR THÜRINGEN sagte, wurden in den vergangenen zwei Monaten acht Fälle in Jena behandelt. In den vergangenen zehn Monaten sei es im Schnitt jeweils ein Fall pro Monat gewesen.

Entzündung mehrerer Organe gleichzeitig

Beim PIMS-Syndrom (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) handelt es sich um eine Entzündungserkrankung, die verschiedene Organe betrifft. Zu den Symptomen gehören laut Vilser mehrtägiges Fieber, oftmals eine Hautreaktion, dazu treten Magen-Darm-Probleme mit heftigen Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen auf. Betroffen sei jedes Alter - Kleinkinder im Alter von ein bis zwei Jahren, aber auch Teenager, so Vilser, der zugleich auf Erfahrungen und Zahlen anderer Kliniken verweist. Es erkranken mehr Jungen als Mädchen.

Der Mediziner sprach von einem "ungewöhnlichen Anstieg" der Fallzahlen in Thüringen. Das lasse sich damit erklären, dass das Land zuvor überdurchschnittlich hohe Corona-Infektionszahlen hatte. PIMS trete frühestens etwa vier bis sechs Wochen nach einer Infektion mit dem Coronavirus auf.

Schwere Fälle auch aus Coburg gemeldet

Zuvor hatte die Kinderklinik des Regiomed-Klinikums Coburg gemeldet, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit schweren Ganzkörper-Entzündungsreaktionen nach einer Covid-Infektion behandelt werden müssten. Demnach traten die schweren Symptome mehrere Wochen oder Monate nach einer Corona-Infektion auf. Bekannt sei bisher, dass im Anschluss an eine Corona-Infektion das Immunsystem der betroffenen Kinder plötzlich "verrückt spiele". Die Mediziner sprechen von einer "überschießenden Immunantwort". Nach dem Abwehrkampf gegen das Coronavirus greife das körpereigene Immunsystem fast alle Organe des kindlichen Körpers an.

Klinik empfiehlt Impfung

Das Klinikum verweist auf die Wichtigkeit einer Impfung. Es sei erwiesen, dass eine Impfung mit dem zugelassenen Impfstoff diese schwere Erkrankung bei Kindern verhindern könne, hieß es. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) erfasst die PIMS-Fälle deutschlandweit; Häufigkeit, Symptome und andere Daten können auf der Internetseite der Gesellschaft eingesehen werden.

Quelle: MDR (csr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Januar 2022 | 14:00 Uhr

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