Absage wegen Corona Der Frust der Weihnachtsmarkt-Händler

Schon einige Weihnachtsmärkte wurden in Thüringen aufgrund der jetzigen Corona-Lage abgesagt. Den Händlern bricht damit oft die Haupteinnahmequelle weg. Wie es ihnen damit geht? MDR THÜRINGEN hat bei einem nachgefragt.

Stand mit Zuckerwaren auf einem Weihnachtsmarkt
Der Zuckerwarenstand von Chris Göttermann (rechts im Bild) war auf dem Weihnachtsmarkt in Jena stets gut besucht. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Chris Göttermann

Chris Göttermann aus Apolda ist an diesem Dienstag Mitte November unterwegs nach Nürnberg. Er hat 20 Kartons mit Elisenlebkuchen geladen. Eigentlich wollte er das Weihnachtsgebäck auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt verkaufen, aber der wurde kurzfristig abgesagt. Chris Göttermann, Zuckerwerkhändler, ist nachvollziehbar nicht erfreut darüber. "Was soll man da sagen. Wir verkaufen seit vielen Jahren gebrannte Mandeln auf dem Weihnachtsmarkt in Jena und jetzt eben das zweite Jahr nicht."

Lebkuchen gehen zurück nach Nürnberg

Wenigstens die Lebkuchen, die es nur in Nürnberg gibt, kann er zurückgeben. "Die habe ich erst letzte Woche geholt, aber mit der weisen Voraussicht, mit meinem Bäcker, der mich lange Jahre beliefert, ausgemacht zu haben, dass ich sie zurückbringen kann." Und die anderen Waren, die er an seinem Stand verkaufen wollte? "Der Zucker, den ich habe, hält sich, die Mandeln werden nicht schlecht." Auch sonst sei es für ihn nicht ganz so schwer. "Ich bestelle die Waren, wenn ich sie brauche", sagt der Händler.

Diese vier Wochen sind die Hauptgrundlage unseres Geschäfts.

Chris Göttermann, Zuckerwerkhändler

Schwer ist etwas anderes: "Diese vier Wochen sind die Hauptgrundlage des Geschäfts. Das restliche Jahr verkaufen wir auch, aber der Weihnachtsmarkt ist die Haupteinnahmequelle, diese Zeit ist für unser Geschäft entscheidend."

Stand mit Zuckerwaren auf einem Weihnachtsmarkt
Wie es mit dem Geschäft weitergeht, steht in den Sternen. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Chris Göttermann

Hoffnung auf Corona-Hilfe

Immerhin seien im vergangenen Jahr ein Bäcker und der Jenaer Innenstadtverein auf ihn zugekommen. Sie wollten gebrannte Mandeln, die dann in der Bäckerfiliale und über den Straßenverkauf verschiedener Restaurants verkauft wurden. Und natürlich hätte er staatliche Corona-Hilfen bekommen. Darauf hofft Chris Göttermann auch in diesem Jahr: "Wir werden das sehr brauchen. Wenn man da unverschuldet und zugunsten der Allgemeinheit seinen Stand zurückziehen muss und einem die Existenzgrundlege genommen wird, gehe ich davon aus, dass mir Hilfe gegeben wird."

Da wird mit zweierlei Maß gemessen.

Chris Göttermann, Zuckerwerkhändler

Dass der Weihnachtsmarkt in Jena abgesagt wurde, könne er schon nachvollziehen, angesichts der Corona-Lage. Aber richtig verstehen kann er es trotzdem nicht. "Deutschlandweit finden ja Weihnachtsmärkte statt." Noch bis Ende Oktober sei er fest davon ausgegangen, dass auch der Jenaer Weihnachtsmarkt stattfindet.

Jeder Bäcker darf seine Waren drinnen verkaufen.

Chris Göttermann, Zuckerwerkhändler

Der Abstand sei durch den Stand gegeben, und weitere Auflagen gebe es draußen ja nicht. "Jeder Bäcker verkauft drinnen seine Waren und ich darf draußen nichts verkaufen, das ist nicht verhältnismäßig", sagt Chris Göttermann. Und: "Das ganze Jahr über finden Wochenmärkte statt und der Weihnachtsmarkt wird abgesagt, da wird schon mit zweierlei Maß gemessen. Alle sollten gleichwertig behandelt werden, dann kann ich das akzeptieren."

Seit 30 Jahren auf Volksfesten

Und doch klingt der Händler, der seine Zuckerwaren übers Jahr auf Volksfesten und Stadtfesten hauptsächlich in Thüringen, Bayern, Sachsen und Hessen verkauft, unverzagt, wenn er sagt: "Wir sind seit 30 Jahren selbstständig, da sind wir es gewöhnt, auf alles vorbereitet zu sein." Auch darauf, dass einem plötzlich der Hauptverdienst des Jahres wegbricht.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

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