Handwerk Zu gute Bedingungen: Nicht alle Schornsteinfeger-Gesellen wollen Meister werden

In Thüringen können nicht alle 214 Kehrbezirke mit Schornsteinfegern besetzt werden. Grund sind auch die guten Arbeitsbedingungen für Gesellen. An Nachwuchs mangelt es derzeit aber nicht.

Schornsteinfeger auf dem Dach eines Hauses
Keine Nachwuchssorgen: Zurzeit gibt es in Thüringen 43 Schornsteinfeger-Azubis. Bildrechte: dpa

In Thüringen können nicht mehr alle Kehrbezirke von Schornsteinfegern besetzt werden. Aktuell sind laut Thüringer Schornsteinfegerinnung zehn Bezirke von insgesamt 214 Kehrbezirken unbesetzt. Bislang waren es immer nur zwei unbesetzte Kehrbezirke.

Als Grund dafür nennt Landesberufsbildungswart Sebastian Schilling ausgerechnet die guten Bedingungen für Gesellen: "Wir haben zum Beispiel Ost wie West den gleichen Lohn. Bei uns verdienen Frauen genauso viel wie Männer. Also in unserem Handwerk wird anständig bezahlt." Kurz gesagt: Den Gesellen und Gesellinnen geht es gut. Die Verantwortung, die eine Selbstständigkeit mit sich bringen würde, wollten viele sich nicht antun, so Schilling.

Wir haben Ost wie West den gleichen Lohn. Bei uns verdienen Frauen genauso viel wie Männer.

Sebastian Schilling, Landesberufsbildungswart

Nicht genügend Schornsteinfeger-Meister in Thüringen

Auch an Nachwuchs mangelt es in Thüringen derzeit nicht. Aktuell gibt es 43 Auszubildende. 14 kommen im nächsten Ausbildungsjahr dazu. Sie wollen nur keine Meister werden. Jedoch gibt es ohne Meister in Thüringen keinen Kehrbezirk. Deshalb sind derzeit nicht alle Bezirke vergeben.

Hilfe kommt aber manchmal von außerhalb. Kehrbezirke werden europaweit ausgeschrieben. In Thüringen gibt es aktuell sechs Schornsteinfegermeister aus anderen Bundesländern, wie beispielsweise Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Bayern. "Leider sind das aber oft Kollegen, die nur für eine kurze Zeit einen Kehrbezirk übernehmen", sagt Sebastian Schilling. Denn: Wer einmal einen Kehrbezirk übernommen hat, sammelt Punkte und damit haben die Schornsteinfegermeister auch bessere Chancen, einen Bezirk in ihrer Heimat zu bekommen.

Von Bayern nach Thüringen

Einer der Schornsteinfeger, der von außerhalb nach Thüringen gezogen ist, ist Matthias Schupfner. Er kommt aus dem Landkreis Tirschenreuth, hat laut eigener Aussage seine Heimat Bayern nie verlassen und dies auch nie geplant. In seiner Heimat konnte er allerdings keinen Kehrbezirk finden. Dort gibt es im Gegensatz zu Thüringen kaum unbesetzte Kehrbezirke. Lange hatte er versucht, sich selbstständig zu machen und deshalb "über den Tellerrand hinausgeschaut".

2016 hat er dann den Zuschlag für den Kehrbezirk Bürgel im Saale-Holzland-Kreis bekommen. Bleiben wollte er nicht: "Also, es war wirklich so gedacht, nur als reines Sprungbrett den Kehrbezirk zu übernehmen für ein, zwei Jahre. Und dann so schnell wie möglich wieder heimzukommen in das gelobte Bayern."

Aus ein bis zwei Jahren wurden nun schon sechs. In Bürgel hat er sein Büro sowie seine Angestellten und kann sich aktuell nicht mehr vorstellen, das aufzugeben: "Das läuft sehr, sehr gut. Ich habe einen tollen Gesellen, eine top Auszubildende und auch mit den Kollegen im Umkreis arbeite ich sehr, sehr gerne zusammen!" In einem Jahr muss er sich neu auf seinen Kehrbezirk bewerben und das wird er definitiv machen.

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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