Stadtentwicklung Neustadt an der Orla will "Gruselbahnhof" aufmöbeln

Der Bahnhof in Neustadt an der Orla ist in die Jahre gekommen. Und als Aushängeschild für die Stadt auf keinen Fall geeignet. Wie in vielen anderen kleinen Städten auch kümmerte sich die Deutsche Bahn viele Jahre nicht um ihre Immobilie. Dann verkaufte sie das alte Bahnhofsgebäude an einen privaten Eigentümer, und es passierte weiter – nichts. Das will die Stadt jetzt ändern.

67.000 Euro - in Zeiten rasant steigender Immobilienpreise eigentlich ein Schnäppchen. Doch der alte Bahnhof in Neustadt an der Orla in Ostthüringen wird der Stadtverwaltung erst einmal viel Arbeit machen. Ein Schandfleck als Eingangstor zur Stadt, wie Bürgermeister Ralf Weiße (Bürger für Neustadt) findet.

Wir wollen hier 2028 die Landesgartenschau organisieren. Da wollen wir unsere Gäste natürlich nicht so begrüßen.

Ralf Weiße (Bürger für Neustadt), Bürgermeister Neustadt an der Orla

Die alte Schalterhalle steht leer, im Obergeschoss sind vier Wohnungen, zwei sind vermietet. Zwei weitere stehen ebenfalls leer. In der alten Schalterhalle überall Graffiti. Eine alte Bahnhofsuhr ist das einzige Relikt, das an die Zeiten erinnert, als in diesen Räumen noch Leben war.

Mehrere Graffitis in einem Bahnhofsgebäude
In der alten Schalterhalle des Bahnhofs sind überall Graffiti. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Landesgartenschau soll hier einziehen

Wenn es nach Ralf Weiße geht, könnte hier bald die Landesgartenschau GmbH einziehen. Das haben die drei Städte Neustadt, Pößneck und Triptis so vereinbart. Sie wollen die Landesgartenschau 2028 ins Orlatal holen. Neustadt liegt in der Mitte, ein günstiger Standort für die Planer des Großereignisses. Wenn die Landesgartenschau kommt, denn die Entscheidung dürfte erst im Frühjahr fallen. Die Neustädter haben trotzdem Nägel mit Köpfen gemacht und den Bahnhof gekauft.

Die ersten Gespräche mit der Deutschen Bahn gab es schon. Denn die beiden Bahnsteige und der Fußgängertunnel bleiben im Eigentum der Bahn. Und die soll hier endlich tätig werden, meint der Bürgermeister. Vor allem der Fußgängertunnel, wo überall der Putz von den Wänden bröckelt, ist dem Stadtoberhaupt ein Dorn im Auge.

Außerdem ein Kritikpunkt: die Barrierefreiheit. Wer mit dem Rollstuhl zum Gleis 2 möchte, muss aktuell den weiten Umweg über die Bahnschranke nehmen. Von der alten Güterstraße führt nur ein Trampelpfad zum Bahnsteig.

Stillstand bei der Barrierefreiheit

Die Deutsche Bahn hat den Bahnhof zwar auf dem Plan. Sie will die Bahnsteige, die Unterführung und die Beleuchtung erneuern. Aber erst 2030. Bis dahin passiert nichts. Und zum Thema Barrierefreiheit liegen noch nicht einmal Planungen vor. Immerhin will die Bahn bei den Baumaßnahmen wenigstens alles für einen späteren Einbau von Aufzügen vorbereiten.

Das alte Bahnhofsgebäude in Neustadt an der Orla
Das alte Bahnhofsgebäude in Neustadt an der Orla. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Langfristig plant auch die Stadt mit dem Gebäude. Noch ist nichts konkret, doch der Bürgermeister würde gern wieder ein gastronomisches Angebot sehen, wo Bus- und Bahnreisende einkehren können. Auch einen sogenannten Co-Working-Space, also flexible Arbeitsplätze zum Beispiel für Existenzgründer, kann er sich im alten Bahnhof vorstellen. Auf jeden Fall werden sich die Planungen nicht auf das Bahnhofsgebäude beschränken.

Wir wollen Bahnhof und Busbahnhof gemeinsam betrachten. Aktuell ist auch diese Verbindung nicht barrierefrei.

Ralf Weiße (Bürger für Neustadt), Bürgermeister Neustadt an der Orla

Jetzt hoffen die Neustädter erst einmal auf die Vergabe der Landesgartenschau ins Orlatal. Dann könnte auch der nahegelegene Buteile-Park zum Ausstellungsbereich werden. Dahin gibt es vom Bahnhof sogar einen direkten Weg, den die Stadt gern von der Deutschen Bahn kaufen würde. Die hat grundsätzlich erst mal nichts dagegen. Bis zur Entscheidung soll es aber noch ein knappes Jahr dauern.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 11. Dezember 2021 | 06:30 Uhr

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