Erinnerungskultur Neustadt an der Orla: Holocaust-Zeitzeuge im 3D-Hologramm

Im Augustinersaal in Neustadt an der Orla war am Montagabend ein Überlebender des Holocaust zu Gast. Der 94-jährige Abba Naor hat seine Geschichte erzählt und Fragen zu seinen Erlebnissen beantwortet. Allerdings nicht in Person, sondern in Form seines virtuellen Ichs als 3D Hologramm.

Mehrere Menschen sitzen in einem Saal vor eine Leinwand.
Beim Gespräch können die Zuschauer sogar Fragen an den in dem Zeitzeugen in 3D stellen. Bildrechte: MDR/Stafanie Reinhardt

"Hallo", sagt Abba Naor. Der über 90-Jährige sitzt in einem roten Ledersessel, schaut sich um und zupft an seinem Sakko. Die Zuschauer im Augustinersaal in Neustadt an der Orla sehen ihn durch ihre 3D-Brille auf einer Leinwand wie im Kino. Es ist fast so, als würde er tatsächlich vor ihnen sitzen.

Ernst Hüttl, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität München, startet eine App auf seinem Handy - und Abba Naor beginnt zu erzählen. Es ist seine Lebensgeschichte. Von seiner Heimat Litauen, seiner Familie und den schrecklichen Erfahrungen im Ghetto und in Konzentrationslagern. So wie er es sonst auch immer Schülern erzählt hat.

Zeitzeuge in England gefilmt

Die Wissenschaftler der Universität München haben ihn dabei gefilmt. Im Pollen Studio in England, einem Spezialstudio für 3D-Technik, sagt Ernst Hüttl. "Abba Naor ist jetzt 94 Jahre alt", sagt er. "Während des Holocausts war er ein Kind." Weil diese letzten Zeitzeugen des Holocaust in den nächsten Jahren versterben würden, wollten die Wissenschaftler einen Weg finden, um ihre Zeugnisse festzuhalten.

Ein 3-D-Bild eines Mannes in einem Brillenglas.
Wie im Kino sehen die Zuschauer Abba Naor durch eine 3-D-Brille. Bildrechte: MDR/Stafanie Reinhardt

Die Idee: Zeitzeugengespräche mittels 3D-Technik für die Zukunft erhalten. Gemacht worden war das zuvor schon in den USA, in englischer Sprache. 2018 begannen die Wissenschaftler in München mit ihrem Projekt. Die Holocaust-Überlebenden Abba Naor und Eva Umlauf erzählen dabei nicht nur ihre Geschichte. Die Wissenschaftler stellten ihnen außerdem rund 1.000 Fragen. Vier Tage habe das gedauert, sagt Ernst Hüttl. "Fragen zur Person, aber auch an einen Holocaust-Überlebenden allgemein."

Zuschauer können Fragen stellen

Beim Gespräch mit dem Zeitzeugen in 3D können die Zuschauer so die unterschiedlichsten Fragen stellen: Von "Wie geht es Ihnen?" über "Wie haben Sie überlebt?", bis zu "Können Sie vergeben?" Das Hologramm antwortet - wenn die Spracherkennungssoftware die Frage erkennt. Abba Naor in 3D - seine Antworten berühren, erschrecken oder bringen die Zuschauer zum Schmunzeln - fast so wie in echt.

Vor allem Schüler aus Bayern können das 3D-Projekt der Uni München seit Anfang 2020 sehen. Die Partnerschaft für Demokratie im Saale-Orla-Kreis wurde darauf aufmerksam und fragte in München an. Als erste Thüringer haben jetzt Schüler und Lehrer aus Neustadt an der Orla das Hologramm erlebt. Für sie eine gute und neue Erfahrung.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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