Kunststoff-Recycling Von Weira nach Amsterdam: Mit Plastikmüll an die Börse

1994 startete der Gründer Gat Ramon in der alten Schweinemastanlage in Weira bei Pößneck mit einem Recyclingunternehmen. Anfangs von den Einwohnern misstrauisch beäugt, ist daraus heute ein internationales Unternehmen geworden. Seit Februar ist Cabka in Amsterdam an der Börse gelistet.

Zwei Männer laufen durch eine Lagerhalle
Technik-Chef Geert de Wilde und Geschäftsführer Roland Jonas inmitten des Cabka-Produkts - Transportpaletten aus Kunststoff aus Recyclingmaterial. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dicke Ballen Plastikmüll, soweit das Auge reicht. Und das ist nur eine von mehreren Hallen, in denen der Rohstoff für die Produkte lagert, die bei Cabka hergestellt werden. In Weira im Saale-Orla-Kreis steht die Keimzelle von – nach eigenen Angaben – Europas Marktführer für Transportpaletten aus Kunststoff. Hier laufen jedes Jahr zehn Millionen Paletten vom Band.

Mehrere Lagerhallen von oben
Lastwagen liefert an: Den Rohstoff Plastikabfall bezieht Cabka aus ganz Deutschland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zehn Millionen Paletten pro Jahr

Draußen vor der Halle ist gerade ein neuer Sattelzug vorgefahren. Er bringt den Plastikmüll, den die Weiraer überall in der Region und deutschlandweit beziehen. Aus dem gelben Sack oder der gelben Wertstofftonne wird das Material bei den Lieferanten vorsortiert, verschnürt und nach Weira gebracht.

Es gibt so viel Kunststoff-Abfall. Wir stellen uns täglich die Frage, was man daraus machen kann.

Geert de Wilde Technischer Geschäftsführer der Cabka Group

Hier wandert der Abfall – etwa 100.000 Tonnen im Jahr – in den Shredder. Der macht daraus Kunststoffgranulat. Grundstoff für Recyclingprodukte, die in der ganzen Welt im Einsatz sind.

"Es gibt so viel Kunststoff-Abfall in der Welt, wir verarbeiten nur einen kleinen Teil davon", sagt Geert de Wilde, Technischer Geschäftsführer der Cabka Group. "Wir stellen uns täglich die Frage: Was kann man daraus machen?"

Ein Mann in gelber Neonweste erklärt etwas
Der Technische Geschäftsführer Geert de Wilde steht in der Lagerhalle neben fertigen Paletten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit Sockeln für Zäune und Rasenplatten gestartet

Begonnen hat das alles mit Kunststoff-Sockeln für Bauzäune oder Rasengitterplatten. Inzwischen stellen sie hier in großem Stil Paletten für Handel und Produzenten von hochwertigen Produkten her, die sogar Hygienestandards der Lebensmittelindustrie erfüllen. Die Lebensdauer ist um einiges höher als bei Holzpaletten, außerdem sind die Kunststoff-Exemplare zwei Drittel leichter.

Ein Gabelstapler hebt Plastikreste in einen Container
Hier wird der Plastikabfall für die Produktion vorbereitet ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Damit die eigenen Produkte später nicht in der Müllverbrennung landen, können die Cabka-Kunden die Paletten am Ende ihrer Lebensdauer zurückgeben. In Weira werden sie recycelt und so wieder neue Paletten hergestellt – ein geschlossener Kreislauf.

Ein grüner Roboterarm hebt eine schwarze Palette
... und als fertige Palette für den Versand abgelegt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umstellung auf CO2-freie Produktion braucht Geld

"Wir versuchen, jeden Schritt in der Produktion ökologisch zu denken", sagt Roland Jonas, Geschäftsführer des Cabka-Werkes in Weira. Deshalb stellen sie hier auch die Formen und Werkzeuge für ihre Maschinen selbst her. Kurze Wege und damit ein sparsamer Umgang mit Ressourcen sollen dafür sorgen, dass das Werk in spätestens acht Jahren CO2-neutral produziert - indem Strom zum Beispiel mit Photovoltaikanlagen selbst produziert wird.

Wir versuchen, jeden Schritt in der Produktion ökologisch zu denken.

Roland Jonas Geschäftsführer des Cabka-Werkes

Cabka auch mit Standorten in Belgien und USA

Das Wachstum und viele Innovationen kosten Geld. Das holte sich Cabka Ende Februar, als das Unternehmen an der Börse in Amsterdam gelistet wurde. Jetzt wollen sie in Weira und den anderen Standorten in Deutschland, Belgien und den USA richtig durchstarten. In Weira sollen die Kapazitäten um bis zu 25 neue Arbeitsplätze erweitert werden, um den Bedarf an den Kunststoffprodukten decken zu können.

Ein Mann spricht vor einem Gabelstapler in einer Lagerhalle
Roland Jonas ist in Weira Geschäftsführer und sorgt sich wegen des Fachkräfte-Mangels Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gute Perspektive für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Kopfzerbrechen bereitet dem Geschäftsführer der Mangel an weiteren Fachkräften. Dabei bilden die Weiraer selbst aus und bieten dem Nachwuchs viele Möglichkeiten der Weiterbildung. Christian Leicht hat vor 17 Jahren bei Cabka begonnen und ist inzwischen Leiter der Abteilung Maschinenbau: "Hier ist kein Tag wie der andere", sagte er. "Wir haben sehr viel Abwechslung, gerade im technischen Bereich."

Unternehmensgründer Gat Ramon dürfte zufrieden auf sein Lebenswerk schauen. Und mit dem verschärften Rohstoffmangel könnte die Nachfrage nach den Cabka-Produkten sogar noch weiter wachsen. Gute Aussichten also für die 300 Mitarbeiter am Standort Weira.

MDR (seg)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Mai 2022 | 19:15 Uhr

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