Arbeitsmarkt Welches Erfolgsrezept Profis für Fachkräftegewinnung empfehlen

Thüringen wird bis 2040 rund 300.000 Arbeitskräfte verlieren, etwa ein Viertel der heutigen Berufstätigen. Um sie zu ersetzen, empfehlen Fachleute einen Mix an Maßnahmen - gerichtet an Einheimische, Rückkehrer, Bewerber aus dem Ausland und alte Häsinnen und Hasen.

Personnengruppe in Werkshalle
Unternehmer aus der Region Saale-Orla-Kreis beim Netzwerktreffen in Tritpis. Bildrechte: MDR/Andreas Dreissel

In Triptis im Saale-Orla-Kreis baut die Firma Fliegl nahe der Autobahn A9 große Trailer und Sattelauflieger für ganz Europa. Das Unternehmen hat sich seit über 30 Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Doch auch Fliegl spürt den zunehmenden Mangel an Fachkräften. Auf der Unternehmens-Website sind Stellen in elf Berufsfeldern ausgeschrieben.

Fachkräfte haben die Wahl zwischen mehreren offenen Stellen

Heute treffen sich auf dem Werksgelände Unternehmer aus der Region. Eingeladen hat die ThAFF – die Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung, gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Saale-Orla-Kreises. "ThAFF vor Ort" heißt das Format, bei dem Netzwerktreffen mit individueller Beratung verknüpft werden. In Triptis geht es um die richtige Suche nach Fachkräften. "Stellenausschreibungen müssen genau auf die Zielgruppe passen", sagt Oliver Hummel, Berater bei der ThAFF.

Auch in Thüringen hat sich der Arbeitsmarkt gewandelt, vom Arbeitgeber- hin zum Arbeitnehmermarkt. Heißt: in vielen Berufen können die Fachkräfte unter mehreren offenen Stellen wählen. Das ist noch nicht überall in den Chefetagen angekommen, deshalb will die ThAFF die Unternehmen sensibilisieren. Im neuen Job gilt auch: Geld ist nicht alles. Für Arbeitssuchende wird auch immer wichtiger, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen.

LKW-Anhänger von Fliegl
Die Firma Fliegl stellte ihre Räume für das Treffen zur Verfügung. Bildrechte: MDR/Andreas Dreissel

Potentielle Thüringen-Rückkehrer umwerben

Damit ergeben sich auch neue Chancen für Thüringer Unternehmen, bei potentiellen Rückkehrern zu punkten. Viele, die vor Jahren wegen der Arbeit in andere Bundesländer zogen, wünschen sich einen Arbeitsplatz näher an Familie und Freundeskreis. Vor allem Berufspendler schauen sich in ihrer Heimatregion um.

Die ThAFF führt für diese Zielgruppe spezielle Pendler- und Rückkehrertage durch. Vor kurzem bereits zum 100. Mal. Früher fuhren die Berater der ThAFF dafür durch ganz Deutschland, Pendler konnten sich da auch schon mal auf Autobahnparkplätzen oder am Ostseestrand informieren. Inzwischen finden die Veranstaltungen überwiegend in Thüringen statt, oft an Wochenenden oder Feiertagen, wenn Pendler zuhause bei ihren Familien sind.

Über 10.000 freie Stellen auf Jobbörse

Informieren können sich die Jobsuchenden auch auf der Stellenbörse der ThAFF. Anfang Mai waren hier erstmals über 10.000 freie Stellen aufgeführt. Ein Zeichen dafür, wie groß der Mangel in Thüringen mittlerweile ist. Und Besserung ist nicht in Sicht. Nach neuesten Prognosen wird Thüringen bis 2040 rund 300.000 Arbeitskräfte verlieren, etwa ein Viertel der heutigen Berufstätigen. Rückkehrer dürften diese Lücke kaum füllen.

Umso wichtiger ist laut ThAFF die richtige Bewerbung der Unternehmen bei den zukünftigen Mitarbeitern. Das beginnt mit der Stellenanzeige. Die Vorstellung des Unternehmens, eine aussagekräftige Stellenbeschreibung und auch die Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber sind Standard.

Für mögliche Interessenten sind aber die sogenannten weichen Faktoren entscheidend: Karrierechancen, Home Office, Unterstützung für die Familie oder beim Umzug oder auch der Kindergartenplatz. Auch hier bietet die ThAFF individuelle Beratungen an und empfiehlt, das Stellenportal der ThAFF zu nutzen. Dort werden nur Thüringer Unternehmen angezeigt, außerdem keine Zeitarbeitsfirmen oder Personaldienstleister. Interessenten können ihre Dokumente auf dem Portal speichern und sich bei Interesse mit einem Klick bei Unternehmen bewerben.

Eine Frau sitzt zuhause an einem Schreibtisch und arbeitet an einem Laptop.
Faktoren wie Homeoffice, Karrierechancen oder ein Kindergartenplatz können für Job-Interessenten entscheidend sein. Bildrechte: dpa

Verstärkung aus dem Ausland ist notwendig

Die ThAFF setzt aber auch auf internationale Fachkräfte. Viele Unternehmen aus dem Saale-Orla-Kreis haben mit Nachwuchs aus dem Ausland gute Erfahrungen sammeln können. So bildet zum Beispiel die Firma HBS Elektrobau in Dittersdorf seit zehn Jahren zukünftige Elektromonteure aus über elf Ländern aus. Das kostet Zeit und Geld. Gut angelegt, denn ohne die Verstärkung aus dem Ausland würde das Unternehmen seit Jahren schrumpfen. Laut Nadine Wagner von der Wirtschaftsförderung des Saale-Orla-Kreises haben die meisten Unternehmen mit 50 und mehr Mitarbeitern im Landkreis mittlerweile Erfahrungen mit internationalen Teams.

Wichtigstes Kriterium für einen Erfolg mit internationalen Mitarbeitern ist und bleibt aber die Sprache. Deshalb sieht die ThAFF im Moment auch noch keine großen Chancen für ukrainische Flüchtlinge, auf dem Arbeitsmarkt in Thüringen Fuß zu fassen. ThAFF-Berater Hummel sagt, zwar seien die Ukrainer zumeist sehr gut ausgebildet sind. "Die ukrainischen Flüchtlinge müssen so schnell wie möglich in Sprachkurse, dann werden sie auch Arbeit finden". Er sieht auch Chancen bei den ukrainischen Kindern, die mit nach Deutschland gekommen sind. Wer langfristig hierbleibt und die Schule besucht, danach eine Ausbildung absolviert, hat gute Chancen im Beruf und hilft beim Kampf gegen den Fachkräftemangel.

1.000 Euro Fördergeld für Mitarbeiter-Weiterbildung

Und noch ein Potenzial gilt es zu erschließen: Die alten Hasen und Häsinnen in den Unternehmen müssen weiter lernen und sich weiterbilden. Dafür bietet die Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen (GFAW) einen Förderscheck, mit dem Arbeitnehmer pro Jahr maximal 1.000 Euro für individuelle Weiterbildungen erhalten können. "Viele Arbeitnehmer wissen gar nichts von diesen Förderinstrumenten, deshalb informieren wir die Unternehmen auf solchen Veranstaltungen über den Weiterbildungsscheck", sagt Andreas Martz von der GFAW.

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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