Wirtschaft Blankenstein: Zellstoff- und Papierfabrik zwischen Rekord und Risiko

Porträt-Collage MDR THÜRINGEN-Regionalreporter Andreas Dreißel
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

370.000 Tonnen Zellstoff produzierte die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) in Blankenstein im vergangenen Jahr – ein Rekord in der Firmengeschichte, und das ausgerechnet mitten in der Coronapandemie. Trotzdem kommt keine Euphorie auf, denn der Ausblick ist schwierig.

Toilettenpapier
Acht Schritte sind nötig, bis aus einem Baum ein Zellstoffprodukt wird. Bildrechte: IMAGO / CHROMORANGE

Wie eine endlose Schneedecke sieht er aus, der Zellulosebrei in der großen Produktionshalle in der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) in Blankenstein im Saale-Orla-Kreis. Mit 140 Metern pro Sekunde passiert der Zellstoff mehrere Stationen und verliert dabei nach und nach Flüssigkeit.

Flüssiger Zellstoff auf Langsieb
Der noch flüssige Zellstoff muss über das Langsieb. Bildrechte: MDR/Andreas Dreissel

Abtropfen, pressen, erhitzen – Stück für Stück verwandelt sich die Masse in festen Zellstoff. Am Ende des Prozesses wird die Zellstoffbahn geschnitten, gestanzt und schließlich gestapelt.

Zellstoffpakete
Die fertigen Zellstoffpakete wiegen bis zu zwei Tonnen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreissel

Aus dem chlorfrei gebleichten Zellstoff stellen die Abnehmer später zum Beispiel Schreib- und Druckpapier oder Küchenrollen her.

Rekordjahr 2021

Die Nachfrage ist hoch, im vergangenen Jahr produzierten die Blankensteiner so viel Zellstoff wie noch nie in der Firmengeschichte: Knapp 370.000 Tonnen gingen über das Band. "Leicht war das nicht", sagt Geschäftsführer Leonard Nossol, "in der Spitze fehlten coronabedingt bis zu 25 Mitarbeiter gleichzeitig."

Da muss ich auch den anderen Mitarbeitern danken, die dann unkompliziert eingesprungen sind.

Leonard Nossol, Kaufmännischer Geschäftsführer bei ZPR Blankenstein

Papierfabrik mit langer Tradition

Vor 140 Jahren wurde das Werk gegründet, einen Steinwurf von der thüringisch-bayrischen Grenze entfernt. Selbst zu DDR-Zeiten kam von hier Zellulose für die Republik, das Werk war das modernste in der DDR. Seit 1994 gehört das Werk zu Mercer International.

Kocher
Im 65 Meter hohen Kocher werden die Hackschnitzel vier Stunden lang zersetzt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreissel

24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche produzieren die Mitarbeiter hier Zellstoff, hauptsächlich für deutsche und italienische Kunden. Das Holz dafür kommt überwiegend aus der Region. ZPR verarbeitet Fichten- und Kiefernholz. Das kommt entweder als Rundholz in Blankenstein an oder wird auf großen Sattelschleppern als Hackschnitzel angeliefert.

In einer Trommel wird die Rinde von Baumstämmen entfernt.
In einer Trommel wird die Rinde von Baumstämmen entfernt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreissel

Die Baumstämme müssen zuerst durch eine riesige Trommel. Dort werden sie entrindet, bevor sie in die Zellstoffproduktion dürfen. Insgesamt acht Schritte sind es bis zum fertigen Produkt.

Bänder
Nach dem Entrinden geht es über lange Bänder zum Zerkleinern. Bildrechte: MDR/Andreas Dreissel

Problem: Steigende Energiekosten

Für die Herstellung des Zellstoffs brauchen die Blankensteiner viel Energie. Deshalb stellen sie aus der Baumrinde und anderen Holzabfällen Strom her, der an den verschiedenen Stationen gebraucht wird. Außerdem speist das Unternehmen Strom ins Netz ein. Mit der eingespeisten Energie können die Blankensteiner etwa 50.000 Haushalte versorgen. Das entspricht zum Beispiel einer Stadt wie Gotha.

Doch nicht alle Prozesse laufen mit elektrischer Energie. So kommen bei der Zellstoff-Herstellung auch Chemikalien zum Einsatz. Die werden anschließend wiederaufbereitet. Das dafür benötigte Erdgas muss teuer eingekauft werden. Und das wird in Zeiten steigender Preise zunehmend zum Problem. Deshalb prüfen die Blankensteiner den Umstieg auf Alternativen wie Erdöl oder Synthesegas.

Die Firma hat im vergangenen Jahr 14,3 Millionen Euro in das Werk investiert, um die Luftemission zu verbessern und den Wasserverbrauch zu senken.

Transport auf der Schiene

Investieren würde ZPR auch gerne in die Rohstofftransportwege. Denn immer wieder gibt es Kritik an den bis zu 300 Sattelschleppern, die täglich Holzstämme und Hackschnitzel anliefern. Die kommen hauptsächlich aus Süden und können bisher nicht auf die Schiene ausweichen. Dafür müsste die Bahnstrecke zwischen Marxgrün und Bad Lobenstein ertüchtigt werden. Dort fehlen gerade mal sechs Kilometer Gleis.

Ich bin da ganz optimistisch, dass die Strecke kommt, auch wenn es immer noch Widerstand gibt.

Leonard Nossol, Kaufmännischer Geschäftsführer bei ZPR Blankenstein

Schon 2017 errichtete ZPR ein Bahnterminal auf dem Betriebsgelände, um in Zukunft Holz per Schiene annehmen zu können. Von hier aus gehen heute über 80 Prozent des fertigen Zellstoffs auf die Reise zu den Kunden, allerdings in Richtung Norden. Mit einem Lückenschluss in Richtung Süden könnten auch die Bewohner in den Orten aufatmen, wo jetzt noch täglich die Sattelschlepper rollen.

"Die Nachfrage nach den Zellstoff-Produkten ist hoch, und Holz gibt es genug", sagt Leonard Nossol. Doch wegen der steigenden Energiekosten und anderer Unsicherheiten rechnet er nicht so schnell mit weiteren Rekorden.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. März 2022 | 19:00 Uhr

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